<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Irene Kasapis</title>
	<atom:link href="https://irenekasapis.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://irenekasapis.de/</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 03 Aug 2026 09:45:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.2</generator>

<image>
	<url>https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-kasapis-website-icon-32x32.png</url>
	<title>Irene Kasapis</title>
	<link>https://irenekasapis.de/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Ich hasse es alleine zu essen (Teil 27)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/04/ich-hasse-es-alleine-zu-essen-teil-27/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/08/04/ich-hasse-es-alleine-zu-essen-teil-27/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 06:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2369</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich dachte lange, ich hasse es, alleine essen zu gehen. Bis ich merkte: Nicht das Alleinsein war das Problem – sondern die falsche Gesellschaft. Zwischen schlechtem Fisch in Korfu-Stadt und einem spontanen Mittagessen in Arillas änderte sich mein Blick darauf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/04/ich-hasse-es-alleine-zu-essen-teil-27/">Ich hasse es alleine zu essen (Teil 27)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Alleine essen ist für mich der schlimmste, nervigste Teil des Alleinereisens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Korfu-Stadt hatte ich die ersten zwei Wochen versucht, das zu umgehen. Mittags eine Spanakopita – Spinat-Käse-Blätterteig – und eine Bougatsa, ein warmes Gebäck mit Vanillecreme, abends kochen im Apartment. Klingt vernünftig. War es nicht. Die Kombination aus zu viel Zucker und zu wenig von allem sorgte dafür, dass ich nicht schlafen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also begann ich, innerlich die Augen verdrehend, jeden Mittag alleine essen zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal geriet ich in die Fänge eines sehr tüchtigen Geschäftsmannes am St. Rocco Square. Ich suchte nur kurz vor seinem Lokal nach meinem Feuerzeug im Rucksack – was offensichtlich Interesse genug war. Er köderte mich mit einem frischen Fischgericht, das er mir mit großen Gesten schilderte. Eigentlich wollte ich Sofrito – das klassische korfiotische Gericht aus zartem Kalbfleisch in einer Weißweinsauce mit viel Knoblauch und Petersilie, das Korfu so berühmt macht wie die Venezianer es einst gebaut haben. Aber als ich es bestellen wollte, fiel der tüchtige Geschäftsmann theatralisch aus allen Wolken. Der Fisch – er schlug sich dramatisch an die Brust – sei schon extra für mich bestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte an meinen Vater. Der wäre aufgestanden und gegangen. Wahrscheinlich noch mit einem laut hingeschmetterten „Malaka&#8220; – dem griechischen Schimpfwort das so ungefähr alles abdeckt zwischen „Idiot&#8220; und „Wichser&#8220;, je nach Lautstärke und Situation. Ich glaube, in diesem Moment wollte ich so unbedingt nicht wie mein Vater reagieren, dass ich das Theaterstück mit dem frischen Fisch der schon in der Küche auf mich wartete einfach mitspielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war der schlechteste Fisch meines Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und der tüchtige Geschäftsmann umschwänzelte mich die ganze Zeit beim Essen. Woher ich komme. Was ich hier mache. Er lerne Chinesisch – oder war es Japanisch – und das sei dem Deutschen sehr ähnlich. Natürlich. „Greek suits you better,&#8220; schleimte er weiter und drückte mich beim Abschied herzlich an die Brust.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Apartment ging ich erstmal duschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand aber auch ein Lokal nahe der Neuen Festung, auf einem schönen und vor allem ruhigen Platz. Der Kellner ließ mich in Ruhe, seine Frau – nehme ich an – bediente mich einfach. Ohne große Show, ohne Gelabere. Das Lokal war sauber, die Stühle hatten hübsche Kissen, im Schatten war es kühl, das Essen okay. Ich las ein Buch, schaute mir die anderen Gäste an, spielte mein Lieblingsspiel – Herkunftsländer raten, Geschichten über Fremde ausdenken – aß, zahlte, ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So einfach kann es sein, dachte ich. Wie schön. Ich kann nach dem Essen sofort aufstehen und gehen, muss nicht rumsitzen und warten, muss mir mit niemandem die Rechnung teilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schlief an diesem Tag sehr gut.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">In Arillas gibt es mittags Ina&#8217;s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist noch Vorsaison, aber der Laden brummt von früh bis 17 Uhr. Ich dränge mich durch eng gestellte weiße Stühle und Tische aus weiß bemalten Baumstämmen und suche mir ein ruhiges, schattiges Plätzchen. Ich schaue mich um: ein Pärchen mit Laptops, ein älterer Herr der tippt. Wohl einer von gefühlt fünf Autoren zwischen den zweihundert Yogalehrer:innen, hundert Massagetherapeuten, fünfzig Lightworkern, fünfundzwanzig Womb-Heilerinnen und den Ecstatic Dancern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einem Impuls heraus schreibe ich in die WhatsApp-Gruppe der Yogawoche: „Sitze gerade bei Ina&#8217;s – wer hat Lust auf Mittagessen?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Teilnehmerin meldet sich. Sie kommt gleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bestelle und lese in meinem Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie sich setzt, ist einer der ersten Sätze die sie sagt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hasse es ja alleine zu essen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist mir sogleich sympathisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine halbe Stunde später steht plötzlich die dritte Teilnehmerin der Yogawoche an unserem Tisch – sie ist mit ihrer Familie ebenfalls bei Ina&#8217;s gelandet. Wir winken rüber. <br><br>So klein ist die Welt hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/04/ich-hasse-es-alleine-zu-essen-teil-27/">Ich hasse es alleine zu essen (Teil 27)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/08/04/ich-hasse-es-alleine-zu-essen-teil-27/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Lass es uns zusammen rausfinden&#8220; (Teil 26)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/02/lass-es-uns-zusammen-rausfinden-teil-26/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/08/02/lass-es-uns-zusammen-rausfinden-teil-26/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2365</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die ersten Yogastunden sind irgendwie anders – und gleichzeitig nicht neu für mich. In der Zeit meiner chronischen Schulterschmerzen hatte ich mit Birgit, der Yogalehrerin dieser Woche, über ein halbes Jahr online Yoga gemacht. Sie war entweder im Norden Deutschlands oder hier auf Korfu in ihrem Haus – dem Ort dieser Yogawoche – ich immer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/02/lass-es-uns-zusammen-rausfinden-teil-26/">„Lass es uns zusammen rausfinden&#8220; (Teil 26)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Yogastunden sind irgendwie anders – und gleichzeitig nicht neu für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit meiner chronischen Schulterschmerzen hatte ich mit Birgit, der Yogalehrerin dieser Woche, über ein halbes Jahr online Yoga gemacht. Sie war entweder im Norden Deutschlands oder hier auf Korfu in ihrem Haus – dem Ort dieser Yogawoche – ich immer in München. Sie half mir durch eine schwere Zeit, in der ich vom Aufstehen bis zum Einschlafen Schmerzen hatte. Eine Zeit in der ich sogar ernsthaft überlegt hatte in eine Schmerzklinik zu gehen. Ich – die Krankenhäuser hasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Yoga das wir damals machten war darauf ausgelegt, meine Faszien zu dehnen. Nicht mit einseitigen klassischen Yogaübungen, sondern mit Bewegungen die den ganzen Körper forderten. Schwingen. Hüpfen. Verdrehen wie eine Schraube. Und alles half – besonders auch weil ich damals wieder ein Medikament nahm, eine Mischung aus Antidepressivum, Schmerzmittel und Schlafmittel. Alles woran mein Kopf denken konnte war: Schmerz. Dieser raubte mir sogar den Schlaf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte Birgits Yoga also schon. Auch von<a href="https://irenekasapis.de/2025/11/30/yoga-retreat-korfu-erfahrungsbericht-eine-woche-auszeit-zwischen-meer-farben-und-einer-regenbogen-traene/" data-type="link" data-id="https://irenekasapis.de/2025/11/30/yoga-retreat-korfu-erfahrungsbericht-eine-woche-auszeit-zwischen-meer-farben-und-einer-regenbogen-traene/"> einem Retreat ein Jahr nach dem Tod meines Vaters.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur dieses Mal war es irgendwie anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Birgit stimmte zu Beginn und am Ende jeder Stunde ein Mantra an. Wir begannen mit Meditation, gingen dann über ins Schwingen, Hüpfen, Schrauben, dann ein wenig Yin, dann Shavasana. In der Mitte der Woche konnte ich eine innere Irritation nicht mehr verbergen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also sagte ich es ihr einfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Birgit, ich spüre einen kleinen Widerstand gegen das Yoga. Kannst du mir helfen?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist es so: Hätte ich nicht die lange Vorbeziehung zu Birgit gehabt, hätte ich mich nie getraut die Yogapraxis in Frage zu stellen. Viele andere Yogalehrer:innen hätten die Frage nicht ernst genommen. Hätten sie abgetan. Oder mit spirituellen Phrasen niedergemacht: „Vielleicht ist dieser Widerstand genau das was du brauchst.&#8220; Oder: „Lass den Widerstand einfach da sein.&#8220; Oder mein persönlicher Favorit: „Dein Ego schützt dich vor der Transformation.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kann auch sein dass ich hier die Härte meines Vaters auf Birgit projiziert hatte – diese Erwartung dass Fragen abgeblockt werden, dass Zweifel nicht willkommen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Birgit aber nahm sich alle Zeit der Welt. Erklärte mir ruhig und genau was hinter dem Konzept der YogaDoc-Stunden steckt. Kein Abwimmeln. Kein spirituelles Phrasendrehen. Einfach: eine ehrliche Antwort auf eine ehrliche Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem holprigen Rückweg ins Hotel spürte ich Tränen in meinen Augen aufsteigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sanft kann Nicht-Wissen aufgenommen werden. So sanft kann kritisches Hinterfragen willkommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Abschied an diesem Tag hatte ich mich bei Birgit genau dafür bedankt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sagte: „Hätte ich es nicht gewusst – hätte ich gesagt: Lass es uns zusammen rausfinden.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Härte meines Vaters in solchen Momenten – die Ablehnung, das Abwimmeln, die Faust auf dem Tisch – fließt mit meinen Tränen an diesem Tag aus mir heraus. Auf einer holprigen Straße in Arillas, auf Korfu, im Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einfach so.<br><br>Werbung aus Überzeugung: bodenständige Yoga Lehrerin, ein toller Ort zum Yoga machen und alle Tipps rund um Korfu gibt es <a href="https://birgit-prochnow.de">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/02/lass-es-uns-zusammen-rausfinden-teil-26/">„Lass es uns zusammen rausfinden&#8220; (Teil 26)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/08/02/lass-es-uns-zusammen-rausfinden-teil-26/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der nackte Hund und der Urschleim-Typ (Teil 25)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/31/der-nackte-hund-und-der-urschleim-typ-teil-25/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/31/der-nackte-hund-und-der-urschleim-typ-teil-25/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2360</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wer als ahnungslose:r Besucher:in nach Arillas kommt, stellt sich sehr schnell eine Frage – oder nie. Die Frage lautet: Wer sind diese Menschen? Die mit der Yogamatte unter dem Arm. Die Barfüßigen. Die in wallenden Gewändern. Die die sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben&#8220; während die Kellner:innen mit Tabletts um sie...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/31/der-nackte-hund-und-der-urschleim-typ-teil-25/">Der nackte Hund und der Urschleim-Typ (Teil 25)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wer als ahnungslose:r Besucher:in nach Arillas kommt, stellt sich sehr schnell eine Frage – oder nie. Die Frage lautet: Wer sind diese Menschen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mit der Yogamatte unter dem Arm. Die Barfüßigen. Die in wallenden Gewändern. Die die sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben&#8220; während die Kellner:innen mit Tabletts um sie herumnavigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arillas ist eine Parallelwelt. Oder genauer: mehrere Parallelwelten die zufällig denselben Ort bewohnen. Einmal die Spirituellen, die in die vor Ort vorhandenen spirituellen Zentren pilgern. Einmal die Menschen die einfach einen schönen Urlaub wollen und sich wundern warum der Nachbar meditiert statt Sonnencreme aufzutragen. Und dann die Griechen, die hier leben, arbeiten und das ganze merkwürdige System am Laufen halten – mit der ruhigen Gelassenheit von Menschen die schon alles gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kannte dieses Mischmasch schon von früheren Besuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Mitreisende bei der Yogawoche nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erzählte uns am ersten Morgen von ihrer Begegnung mit dem „nackten Hund&#8220;. Ein älterer Herr, nackt am Strand, der den herabschauenden Hund praktizierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Den Anblick werde ich so schnell nicht vergessen,&#8220; sagte sie, mit einem Gesichtsausdruck der irgendwo zwischen Trauma und Erheiterung lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war, ohne es zu wissen, in den FKK-Teil des Strandes geraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte ebenfalls eine Begegnung der besonderen Art – allerdings beim Vorbeigehen, wohlgemerkt, nicht beim versehentlichen Betreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein junger Typ mit mittellangen Haaren saß am Strand. Nackt, natürlich. Meditierend. Und von Kopf bis Fuß eingeschmiert mit dem Sand dieses Strandabschnitts, der die Qualität von Tonerde hat – das Zeug das ich als teures Schönheitsprodukt aus dem Bioladen kenne. Soll sehr gut für die Haut sein. Sagt man.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf meinem Rückweg war er nicht mehr sitzend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er lag nun mit der Nase im Sand. Reglos. Den Kopf voraus in die Erde gebohrt als wäre er auf der Suche nach etwas das sehr tief liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In München hätte ich gefragt ob er Hilfe braucht. Hier ging ich vorbei und dachte: Der wird schon wissen was er tut. Das ist ja schließlich der Ort der Heilung und der Spiritualität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mir den Sand von den Füßen wasche, fällt mir ein woran er mich erinnert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An das genaue Gegenteil vom Frosch den man küssen muss damit ein Prinz rauskommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopfschüttelnd starte ich mein Auto und suche mir aus einem der vielleicht zehn Lokale eins zum Abendessen aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/31/der-nackte-hund-und-der-urschleim-typ-teil-25/">Der nackte Hund und der Urschleim-Typ (Teil 25)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/31/der-nackte-hund-und-der-urschleim-typ-teil-25/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Hach, ist das schööööön (Teil 24)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/28/hach-ist-das-schoeoeoeoeoen-teil-24/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/28/hach-ist-das-schoeoeoeoeoen-teil-24/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2356</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der dreißigste Todestag meiner Mutter fällt auf meinen Umzug von Korfu-Stadt nach Arillas. Zwischen Koffern, Trauer und einem vertrauten Film wird mir bewusst: Manche Menschen verlassen uns nie ganz.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/28/hach-ist-das-schoeoeoeoeoen-teil-24/">Hach, ist das schööööön (Teil 24)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Umzugstag von Korfu-Stadt aufs Land, in den Norden, nach Arillas, ist der dreißigste Todestag meiner Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dreißigste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe nun offiziell länger ohne sie gelebt als mit ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss allerdings genau an diesem einen Tag funktionieren. So wie ich die zwanzig Jahre funktioniert habe, in denen ich nicht um sie getrauert habe. Koffer schleppen, Taxi finden, weitermachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bekomme WhatsApp-Nachrichten von zwei verschiedenen griechischen Nummern – einmal das Bild des Minivans der mich abholen wird, einmal die Info dass der Fahrer ein bisschen später kommt. Griechisch elf Uhr ist einfach nicht deutsch elf Uhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hausflur treffe ich noch die nette Putzfrau, mit der ich mich in den letzten Wochen oft unterhalten hatte. Auf Englisch, natürlich. Sie schaut mir dabei zu wie ich meinen Monsterkoffer die enge Treppe Stufe für Stufe hinterschleife. Vor der Tür trifft sie einen anderen Taxifahrer, der seine Gäste nicht findet. Es geht um eine Straßennummer die nicht zu existieren scheint. Der Taxifahrer telefoniert. Seine Stimme ist hart, laut – und weil ihm irgendetwas nicht passt: noch lauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin sehr dünnhäutig an diesem Tag. Seine Worte schneiden sich wie kleine Rasierklingen in meine Haut. Ich zünde mir eine Zigarette an und gehe ein paar Meter weiter, um aus seinem Dunstkreis rauszukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß mittlerweile dass das die griechische Art ist und kein Weltkrieg ausbricht wenn die Stimmen lauter werden. Vielleicht würde ich es sogar charmant finden – so wie ich Französisch oder Italienisch charmant finde. Nur hatte ich halt einen Vater der immer so gesprochen hat. Der von null auf hundert laut wurde. Und an diesem Tag, dem dreißigsten Todestag meiner Mutter, habe ich keine Schutzschicht mehr übrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verabschiede mich von der Putzfrau und sage ihr, dass ich ein Trinkgeld auf die Couch gelegt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„That&#8217;s not necessary,&#8220; sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke nur: Mädel, die schwere Arbeit die du jeden Tag machst – du verdienst dir jeden verdammten Cent. Sage ihr aber nur, dass ich es so schön fand mich mit ihr zu unterhalten. Was ich so meine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stelle mich an die Straße des Platzes, der drei Wochen meine Heimat war, und warte. Wieder WhatsApp von den zwei griechischen Nummern: The driver will be there in a minute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich stelle meinen Koffer ab. Den Rucksack. Die Plastiktüte mit der Dreckwäsche. Und schaue nochmal aufs Meer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist dann wohl einer dieser Übergangsmomente, denke ich. Ich fühle mich kurz komplett heimatlos – weder hier noch dort, weder angekommen noch abgefahren. Zwischen allem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hupt. Der Taxifahrer ist da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter geht es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fahrer möchte natürlich reden. Das Schöne an Griechenland sind diese vielen kleinen sozialen Kontakte – beim Bäcker, im Starbucks, überall wird mehr ausgetauscht als nur das Nötigste. In den letzten Wochen hat mich das erfüllt. Heute nervt es mich. Ich will nicht nochmal erklären woher ich komme, wie oft ich schon auf Korfu war. Ich gebe dem armen Mann kurze Antworten und schicke ihm im Geiste ein stilles: Tut mir leid, nimm es nicht persönlich. Nicht heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne die Strecke von Korfu-Stadt nach Arillas – sie führt über einen kleinen Berg, ist stellenweise eng und kurvig. Ich nehme lieber eine blaue Pille gegen Reisekrankheit und schaue aus dem Fenster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Arillas klappt dann alles. Einchecken ins neue Zimmer – sogar vor der offiziellen Check-in-Zeit. Mietauto abholen. Zum Yoga fahren. Ich verfahre mich nur einmal auf dem zwanzigminütigen Weg zum Yogahaus, und bin stolz auf mich. Die Frau die zu Hause nie Auto fährt, humpelt hier über Schlaglöcher die so tief sind wie die Fragen die diese Reise aufgeworfen hat. Ich begrüße die Yogalehrerin, begrüße die anderen Teilnehmerinnen, mache Yoga.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann – der Geruch. Meer und Olivenbäume. Die Luft ist freier hier, kühler, weiter. Keine engen Gassen die die Hitze stauen, kein Lärm der von Hauswänden zurückgeworfen wird. Das Grün der Olivenbäume schluckt alles. Ich spüre wie ich freier atmen kann. Auch wenn die Trauer noch da ist. Auch wenn heute dieser Tag ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rumpele über die Schlaglöcher zurück ins Hotelzimmer. Koche. Mache einen Film an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht irgendeinen Film.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Film.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den ich zu hundert Prozent mit meiner Mutter verbinde. Bei dem ich schon bei den ersten Sätzen losheule, jedes Mal, seit dreißig Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte eine Farm am Fuße der Ngong-Berge.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jenseits von Afrika. 1985.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samstagnachmittag war bei uns Kinoabend. Manchmal gab es Popcorn. Dank meiner zwei älteren Brüder mehr James Bond als Romanze – wir zählten sogar die Toten. Aber ich erinnere mich vor allem an ein Gefühl. Zugehörigkeit. Sicherheit. Hier gehöre ich hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, für ein paar Sekunden – ich weiß nicht ob es Einbildung ist oder Erschöpfung oder Trauer oder all das zusammen – spüre ich sie neben mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Mutter. Auf dem Bett. Den Kopf auf meine Schulter gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Szene kommt, in der Robert Redford Meryl Streep die Haare wäscht. Ich höre sie seufzen, so wie sie immer geseufzt hat:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hach. Ist das schööööön.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Film geht weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Mutter verschwindet wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und draußen, irgendwo über Korfu, geht glutrot die Sonne unter.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/28/hach-ist-das-schoeoeoeoeoen-teil-24/">Hach, ist das schööööön (Teil 24)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/28/hach-ist-das-schoeoeoeoeoen-teil-24/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich fahre früher nach Hause (Teil 23)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/26/ich-fahre-frueher-nach-hause-teil-23/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/26/ich-fahre-frueher-nach-hause-teil-23/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jul 2026 14:58:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2345</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwischen halb gepackten Koffern und Tränen wurde mir klar: Heimat ist nicht immer der Ort, den wir suchen. Manchmal ist es der, zu dem wir zurückkehren möchten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/26/ich-fahre-frueher-nach-hause-teil-23/">Ich fahre früher nach Hause (Teil 23)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann im Chaos des Packens spüre ich es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas das ich seit meiner Ankunft verdrängt hatte und das jetzt immer lauter wird, bis ich es nicht mehr überhören kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe keinen Bock mehr. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich will nach Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erschrecke mich über die Wucht dieser Sehnsucht. Nach meiner kleinen Wohnung mit der rosa Kommode. Nach dem Rest meiner Klamotten. Nach der Küche, von der aus ich den Kirchturm sehen und hören kann. Nach den vertrauten Straßen in meinem wirklichen Viertel in München. Nach meinem Supermarkt. Nach meiner Tante. Nach meinem Platz unter einer Linde im Park, lesend, ohne Agenda. Nach der Isar. Nach dem Wald bei mir ums Eck. Nach meinem Fahrrad. Nach Wetter das einem nicht das Gehirn lahmlegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem – vor allem – nach meinem sozialen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meinem Buchclub. Meinem Bootcamp. Meinen Autorinnen-Kolleginnen. Meinen sorgfältig auf Maß geschneiderten Menschen, mit denen ich gesunde Beziehungen habe. Das erste Mal in meinem Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ziehe den Reißverschluss des Koffers zu – und breche in Tränen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht weil ich traurig bin. Sondern weil mir in diesem Moment klar wird: Ich muss das hier nicht bis zum Ende durchziehen. Ich kann nach Hause fahren. Wann ich will. Weil ich es will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlege ich ob ich einfach zu alt geworden bin für sowas. Und verwerfe den Gedanken sofort. Die Antwort ist vielschichtiger als das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Bedürfnisse sind anders geworden. Ich brauche Beziehungen die langsam zusammenwachsen. Ich brauche Struktur. Ich brauche Routine. Und ich brauche – dringend – etwas anderes in meinem Kopf als das ständige um mich selbst Drehen, Reflektieren, Darüber-Schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einfach ein ganz normales Leben. Mein Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage das gemietete Haus ab. Mache die Yogawoche – die habe ich gebucht und die mache ich. Aber danach: München. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben das auf mich gewartet hat, während ich auf Korfu Griechisch gelernt und alte Wunden aufgemacht und eine Katze mit Lachs beleidigt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wartet noch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/26/ich-fahre-frueher-nach-hause-teil-23/">Ich fahre früher nach Hause (Teil 23)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/26/ich-fahre-frueher-nach-hause-teil-23/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Packen (Teil 22)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 09:28:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2340</guid>

					<description><![CDATA[<p>Über Abschiede, Packing Cubes und die Dinge, die in keinen Koffer passen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/">Packen (Teil 22)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mein letztes Wochenende in Korfu-Stadt, bevor ich „aufs Land&#8220; ziehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken ziehen mich schon vor – zum Taxi-Transfer den ich organisiert habe, ob er wohl klappt. Zum Mietwagen den ich in Arillas abholen muss. Zur Yogawoche. Ich stöhne innerlich über die engen, kurvigen Straßen die ich fahren muss. Über die Spirituellen die immer im Café sitzen oder sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben&#8220; – während die Kellner:innen mit Tabletts um sie herumnavigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche mich in die Gegenwart zurückzuholen. Mit meinem Lieblings-Tool: Ablenkung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gehe ich nochmal zu Marks &amp; Spencer. Den gibt es nicht in München, obwohl er am Ende eigentlich nur ein besserer C&amp;A ist. In den letzten Wochen war ich so oft dort, dass ich die neue Ware schon zwischen der alten erkenne. Ich kaufe mir zwei Shorts und zwei Tops. Als ob ich keine Shorts zu Hause hätte – aber die ersten Wochen auf Korfu waren wettermäßig sehr durchwachsen, und die Hitze kam erst jetzt. Also: Shorts. Die Logik stimmt. Ungefähr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann noch einmal essen an dem ruhigen Platz kurz vor der Neuen Festung. Ich kenne die Gesichter der Angestellten schon – und frage mich ob sie mich wiedererkennen. Eher nicht, bei dem ständigen Strom von Touristen der hier Tag für Tag durchzieht. Ich bin einer von Millionen. Und gleichzeitig war das hier, für ein paar Wochen, mein Kiez.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal in den Supermarkt ums Eck. Letzter Einkauf. Letztes Kochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann packe ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Koffer ist der größte den ich besitze – damals für eine dreiwöchige Indien-Reise gekauft und seitdem nie wieder benutzt. Ich fülle ihn mit Kleidern, Schuhen, Bikinis, sorgfältig sortiert in die schicken Packing Cubes die ich mir für Südafrika zugelegt hatte. Shorts, Shirts, Wäsche, Kabel. Alles an seinem Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Packen entdecke ich die kleinen Neuzugänge der letzten Wochen. Einen schön bemalten Teller den ich als Erinnerung an diese Zeit an meine Wand hängen werde. Einen Schlüsselanhänger. Eine Bluse aus dem schönsten Designerladen in Korfu-Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Koffer wirkt erstaunlich leer – bis mein Blick auf eine Supermarkt-Plastiktüte fällt, in der ich die getragene Wäsche der letzten Wochen gesammelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na. Ob der wohl zugeht – mit der ganzen Dreckwäsche drin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Koffer ist sowieso nicht das Problem. Das meiste was ich mitnehme passt in keine Packing Cubes. Fritz, der immer noch da ist aber ein bisschen kleiner geworden ist. Meinen Vater, dessen Sprache ich jetzt ein bisschen spreche. Efigenias Geduld. Ians Schraube und Spyridons Tochter – die auch Irene hieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und meine kleine Irene. Der ich gesagt habe dass sie sicher ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nehme ich auf jeden Fall mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind beide noch hier, mein Körper und ich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/">Packen (Teil 22)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„But then she knows how much it costs&#8220; (Teil 21)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 10:42:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2333</guid>

					<description><![CDATA[<p>Meine letzte Griechischstunde. Ich hatte überlegt, Efigenia ein Geschenk zu machen. Drei Wochen Geduld verdienen eine Anerkennung. Also dachte ich: ein Gutschein von dem kleinen Buchladen in Korfu-Stadt – das passt zu ihr. Also hin. Die Verkäuferin schaut mich an. Ich frage nach einem Gutschein. Sie schüttelt den Kopf. „No, sorry.&#8220; Ich frage nochmal, etwas...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/">„But then she knows how much it costs&#8220; (Teil 21)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Meine letzte Griechischstunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte überlegt, Efigenia ein Geschenk zu machen. Drei Wochen Geduld verdienen eine Anerkennung. Also dachte ich: ein Gutschein von dem kleinen Buchladen in Korfu-Stadt – das passt zu ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verkäuferin schaut mich an. Ich frage nach einem Gutschein. Sie schüttelt den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nochmal, etwas langsamer, etwas deutlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal, mit Händen und Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob sie mich nicht verstehen konnte, nicht verstehen wollte oder es tatsächlich keine Gutscheine gibt – ich werde es nie herausfinden. Dann halt nicht, denke ich, und gehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der letzten Stunde trage ich stolz meine Kofferliste vor. Drei Leinenhosen, fünf T-Shirts, sieben Paar Socken, einen Schal, zu viele Bücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Very good,&#8220; sagt Efigenia.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir spielen dann einen Dialog durch – ich soll so tun als würde ich mir ein Kleid kaufen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Θέλω να δω αυτό το φόρεμα,&#8220; sagt Efigenia und zeigt auf ein imaginäres Kleid.&nbsp;<em>I would like to see this dress.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ποιο μέγεθος;&#8220; antworte ich tapfer.&nbsp;<em>What size?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Medium, παρακαλώ.&#8220;&nbsp;<em>Medium, please.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Να το δοκιμάσετε;&#8220;&nbsp;<em>Would you like to try it on?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ναι, ευχαριστώ.&#8220;&nbsp;<em>Yes, thank you.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia nickt zufrieden. Ich bin kurz ein bisschen stolz auf mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann fragt sie: „Είναι για δώρο;&#8220;&nbsp;<em>Is it a gift?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ναι,&#8220; sage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie tut so als würde sie mir etwas überreichen. „Να και μια δωροκάρτα.&#8220;&nbsp;<em>Here is a gift card.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaue sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„A gift card,&#8220; erklärt sie, „so the person who receives the dress can exchange it if she doesn&#8217;t like it.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schmunzle. Und erkläre ihr dann, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt. Möchte die beschenkte Person etwas umtauschen, bekommt sie die Rechnung. Damit sie im Laden nachweisen kann was sie zurückgeben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia sieht mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„But then she knows how much it costs!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yes,&#8220; sage ich und zucke bedauernd mit den Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Abschiedsgeschenk an meine geduldige Lehrerin war also ein kleiner Kulturschock.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, wir sind quitt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/">„But then she knows how much it costs&#8220; (Teil 21)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit den Händen auf dem Bauch (Teil 20)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 13:51:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2330</guid>

					<description><![CDATA[<p>Triggerwarnung: Dieser Text enthält Themen wie sexueller Missbrauch in der Kindheit (ohne explizite Schilderungen), Grooming, Trauer und therapeutische Verarbeitung. Zwei Wochen nach dem Traum – oder der Erinnerung, ich weiß bis heute nicht genau was es war – liege ich erschöpft in meinem Bett. Der Griechischunterricht war wieder anstrengend, lauter neue Wörter die sich in meinem...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/">Mit den Händen auf dem Bauch (Teil 20)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Triggerwarnung:</strong> Dieser Text enthält Themen wie sexueller Missbrauch in der Kindheit (ohne explizite Schilderungen), Grooming, Trauer und therapeutische Verarbeitung. <br><br>Zwei Wochen nach dem Traum – oder der Erinnerung, ich weiß bis heute nicht genau was es war – liege ich erschöpft in meinem Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Griechischunterricht war wieder anstrengend, lauter neue Wörter die sich in meinem Kopf stapeln wie ungelesene Post. Unter meinem kleinen Balkon wuseln die Touristen durch die engen Gassen. Viele Deutsche, wie ich erst verstehe als ein riesiges TUI-Kreuzfahrtschiff sich laut tutend aus dem Hafen von Korfu verabschiedet. Tschüss, Deutschland. Oder: Hallo, Deutschland. Je nachdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Gehirn kommt langsam zur Ruhe, die kühlen Kissen tun ihr Werk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann taucht Fritz auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht als Traum diesmal. Als Erinnerung. Eine die ich lange nicht angeschaut hatte – oder nicht anschauen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz war damals der Einzige, der mit mir über meine Mutter gesprochen hatte. Sie war in diesem endlosen Kreislauf gefangen: Krankenhaus, Reha, zu Hause, Krankenhaus. Niemand aus meiner Familie erklärte mir warum. Wenn ich meinen Vater fragte, antwortete er: „Sie ist krank.&#8220; Das war alles. Mehr gab es nicht. Die Tür war zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz aber sprach mich direkt darauf an. Ich meine mich zu erinnern, dass er einmal sagte: „Es ist okay, traurig zu sein.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf Wörter. Für ein dreizehnjähriges Mädchen das nicht wusste warum seine Mutter immer wieder verschwand, waren das fünf sehr große Wörter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte also nicht nur Fotos von sich mitgebracht und Griechisch unterrichtet. Er hatte zugehört. Er hatte gefragt. Er hatte eine Lücke gefüllt, die mein Vater – der Mann mit der Faust auf dem Tisch, der Mann dessen Stimme ich noch heute im Kopf höre – nicht füllen konnte oder wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Korfu kam das Biopic über Michael Jackson in die Kinos. Das Marketing war groß, und eigentlich liebe ich diese Filme. Aber bei Michael Jackson war bei mir Schluss. Zu sehr hatte sich das Wort in meinem Kopf festgesetzt. Ich schaute mir dann mit Bauchschmerzen die Dokumentation „Leaving Neverland&#8220; an – die Geschichte von zwei Männern, die erzählen was Michael Jackson mit ihnen gemacht hatte, als sie kleine Jungen waren. Nicht reißerisch. Aber so, dass man versteht was da passiert ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinen Augen ist er schuldig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Absurde, das mich nicht losließ: Nach dieser Dokumentation verstand ich zum ersten Mal, dass diese Menschen gleichzeitig krank und genial sein können. Dass das eine das andere nicht ausschließt. Dass jemand Musik machen kann die eine ganze Generation bewegt – und gleichzeitig ein Kind missbrauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie Fritz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der sich bei seinem Übergriff auf mich wahrscheinlich nicht viel gedacht hat. Dem vermutlich nicht bewusst war, was er tat als er mich nach meiner Mutter fragte, als er mir seine alten Fotos zeigte – jung und schön, wie er selbst sagte – als er Vertrauen aufbaute, Woche für Woche, Stunde für Stunde. Dieses langsame, geduldige Heranarbeiten an ein Kind das einsam war und traurig und sich nach jemandem sehnte der zuhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grooming nennt man das heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals nannte ich es: endlich jemand der mich versteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starre an die Decke meines Apartments in Korfu und denke: Wie viel Wut darf ich auf jemanden haben, den ich mochte? Auf jemanden der mir etwas gegeben hat – Aufmerksamkeit, Wärme, das Gefühl gesehen zu werden – und mir gleichzeitig etwas genommen hat, ohne dass ich wusste dass da überhaupt etwas zu nehmen war?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme aus diesem Erinnerungs-Loop nicht mehr raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schreibe ich meiner Therapeutin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir vereinbaren eine Online-Sitzung, und ich erzähle ihr alles. Die ganze Geschichte. Und mitten im Erzählen breche ich in Tränen aus – nicht dramatisch, nicht laut, sondern so wie Tränen manchmal kommen wenn man endlich aufgehört hat sie zurückzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie alt bist du gerade?&#8220; fragt sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlege einen Moment. „So alt wie damals. Als es passiert ist.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was fühlst du gerade?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen riesengroßen Wut-Klumpen im Bauch.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schweigt kurz. Dann sagt sie: „Dann lass uns einfach damit sein. Leg deine Hände auf den Bauch. Mach die Augen zu. Und sag deiner kleinen Irene alles was sie gerade hören muss.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage laut, in mein Apartment in Korfu, mit den Händen auf dem Bauch und den Augen zu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist nicht deine Schuld. Du bist sicher. Du bist nicht allein. Ich beschütze dich.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Stunde spüre ich wie ich wieder freier atmen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht geheilt. Nicht fertig. Aber freier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und draußen vor meinem Fenster rauscht das Meer weiter, gleichmäßig und geduldig, als hätte es die ganze Zeit gewartet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/">Mit den Händen auf dem Bauch (Teil 20)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2322</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Griechischunterricht lerne ich heute Kleidung. Eigentlich einfach – Alltagsvokabular, nichts Philosophisches, keine unmöglichen Verben. Nur macht es das Griechische wieder mal schwer: Kein einziges Wort lässt sich ableiten. Würde ich Englisch, Spanisch oder Italienisch lernen, könnte ich auf mein spärliches Latein aus Gymnasiumszeiten zurückgreifen. Ein bisschen raten, ein bisschen kombinieren, meistens hinkommen. Im Griechischen?...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/">Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Griechischunterricht lerne ich heute Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich einfach – Alltagsvokabular, nichts Philosophisches, keine unmöglichen Verben. Nur macht es das Griechische wieder mal schwer: Kein einziges Wort lässt sich ableiten. Würde ich Englisch, Spanisch oder Italienisch lernen, könnte ich auf mein spärliches Latein aus Gymnasiumszeiten zurückgreifen. Ein bisschen raten, ein bisschen kombinieren, meistens hinkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Griechischen? Pfft. Keine Chance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also lerne ich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schal – το κασκόλ&nbsp;<em>(to kaskól)</em><br>Socken – η κάλτσα&nbsp;<em>(i káltsa)</em><br>Hose – το παντελόνι&nbsp;<em>(to pantelóni)</em><br>T-Shirt – η μπλούζα&nbsp;<em>(i bloúza)</em><br>Jacke – το μπουφάν&nbsp;<em>(to boufán)</em><br>Unterwäsche – τα εσώρουχα&nbsp;<em>(ta esórucha)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starre auf die Liste. Kein einziges Wort erinnert mich an irgendetwas das ich schon kenne. Mein Gehirn sucht verzweifelt nach Ankerpunkten – und findet nichts. Nur neue Buchstabenkombinationen die sich anfühlen als hätte jemand gewürfelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Efigenia,&#8220; sage ich, „how do people ever learn this language?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lächelt. „The same way you learn everything. One word at a time.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufze. Schreibe weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hausaufgabe gebe ich mir an diesem Tag selbst: Ich liste alles auf was ich in meinem Koffer habe. So wie das Kinderspiel – ich packe meinen Koffer und nehme mit&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Leinenhosen.&nbsp;<em>(τρία παντελόνια λινού)</em><br>Fünf T-Shirts.&nbsp;<em>(πέντε μπλούζες)</em><br>Sieben Paar Socken.&nbsp;<em>(επτά ζευγάρια κάλτσες)</em><br>Einen Schal.&nbsp;<em>(ένα κασκόλ)</em><br>Zu viele Bücher.&nbsp;<em>(πάρα πολλά βιβλία)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zu viele Bücher&#8220; stand nicht auf Efigenias Liste. Das habe ich mir selbst dazugedacht. Aber es stimmt – ich reise nie ohne zu viele Bücher.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/">Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sieben Euro für ein kleines Glück (Teil 18)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://irenekasapis.de/?p=2319</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich fühle mich nicht wie die Frau die Leinen trägt. Ihr wisst welche ich meine – die die entspannt auf einer Terrasse sitzt, Weißwein in der Hand, das Leinen fällt in perfekten Falten. Ich trage Leinen trotzdem. Hier in Griechenland fühlt es sich einfach richtig an. Für meine Reise nach Südafrika Anfang des Jahres hatte...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/">Sieben Euro für ein kleines Glück (Teil 18)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich fühle mich nicht wie die Frau die Leinen trägt. Ihr wisst welche ich meine – die die entspannt auf einer Terrasse sitzt, Weißwein in der Hand, das Leinen fällt in perfekten Falten. Ich trage Leinen trotzdem. Hier in Griechenland fühlt es sich einfach richtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Reise nach <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/12/yoga-rundreise-suedafrika-meine-ehrliche-erfahrung/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/04/12/yoga-rundreise-suedafrika-meine-ehrliche-erfahrung/">Südafrika</a> Anfang des Jahres hatte ich mir eine komplette Sommergarderobe bestellt – darunter drei Leinenhosen. Da ich für die Standardgrößen der Modehäuser zu klein bin, müssen neue Hosen bei mir immer zum Kürzen. In München hatte mich das zuletzt zwanzig Euro gekostet. Pro Hose.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreimal gewaschen hat sich die Naht am gekürzten Bein bei einer der Hosen nun auf Korfu aufgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schneiderin in München hat einen Scheiß-Job gemacht, denke ich, und google nach einem Schneider in Korfu-Stadt. Ich finde einen kleinen Laden in einer Seitengasse vom <a href="https://irenekasapis.de/2026/06/27/die-taube-hustet/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/06/27/die-taube-hustet/">St. Rocco Square</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Tür öffne, sitzt ein junger Mann auf dem Boden und repariert ein Fahrrad. Ich schaue mich unsicher um. Bin ich hier richtig? Dann sehe ich hinter ihm die Nähmaschine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Do you speak English?&#8220; frage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yes,&#8220; sagt er, und es klingt stolz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich halte ihm die Hose hin und zeige auf die aufgelöste Naht. „This needs to be re-sewn. Properly.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nickt, dreht die Hose in den Händen, betrachtet den Schaden mit der ruhigen Sachlichkeit eines Mannes der schon Schlimmeres gesehen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„When will it be ready?&#8220; frage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tomorrow.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„And how much?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seven euros.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Euro. Ich schaue ihn an. Er schaut zurück. Sieben Euro, denke ich. Ich sage: „Okay.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er bittet mich um meine Handynummer, notiert sich die letzten drei Ziffern auf einem kleinen Zettel – und steckt ihn mit einer Nadel direkt an meiner Hose fest. Ich verlasse den Laden und frage mich kurz ob ich meine Hose jemals wiedersehen werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag stehe ich wieder in der Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Do you have the last numbers of your mobile phone number?&#8220; werde ich gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage sie ihm. Er kramt durch eine Reihe von Plastiktüten – kleine Tüten, große Tüten, Papier, Plastik, alle auf dem Boden verteilt, alle wartend auf Abholung – und zieht schließlich meine Hose hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich betrachte die Naht. Sauber, gerade, fest. Besser als neu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zurück zum Apartment drücke ich die Hose fest an mich – und flüstere, ohne darüber nachzudenken:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da bist du ja wieder.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wäre sie ein Teil von mir gewesen den ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Und nicht nur vierundzwanzig Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht warum mich diese Kleinigkeit so glücklich macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie tut es. Und das reicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht weil sie einfach nur repariert ist. Ohne große Worte. Ohne Erwartungen. Einfach: kaputt, und dann wieder heil.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/">Sieben Euro für ein kleines Glück (Teil 18)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
