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	<title>Irene Kasapis</title>
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	<lastBuildDate>Wed, 16 Sep 2026 09:00:00 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Irene Kasapis</title>
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		<title>Die Personalvermittlerin</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/09/16/die-personalvermittlerin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 06:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unbeschäftigt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Erfahrung mit einer Personalvermittlung: Ein Job, drei Stunden Arbeitsweg und eine ziemlich interessante Vorstellung davon, was „Motivation“ bedeutet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/16/die-personalvermittlerin/">Die Personalvermittlerin</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe eine neue Stellenanzeige. Kurz bevor ich auf „Bewerben“ klicke, stoppe ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Stelle über eine Personalvermittlungsfirma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte schon mal mit solchen Firmen zu tun. Keine guten Erfahrungen. Einmal wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch geschickt, nur um die Frauenquote zu erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das merkt man übrigens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bewerbe mich trotzdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag klingelt mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist die Personalvermittlerin – und sie legt gleich los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Kasapis, das ist eine super Gelegenheit für Sie! Ein ganz toller Job, bei der Firma So-und-so, der Chef ist So-und-so, die Stelle ist frei, weil So-und-so. Soll ich Sie vorstellen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke mir: Ja, klar. Warum nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen Sie mich mal vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächsten Tage passiert gar nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis ich ein paar Tage später eine E-Mail von der Kollegin der Dame bekomme, mit der ich telefoniert habe. Mit einem anderen Job.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lese die E-Mail in aller Ruhe durch und stelle fest:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen ist in Unterföhring.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe schon mal in Unterföhring gearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eineinhalb Stunden einfach, von meiner Wohnung aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb von München.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einfache Strecke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich öffne Google Maps in der leisen, verrückten Hoffnung, dass ich mich falsch erinnere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich richtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rufe ich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Kasapis, so ist das! Der Job passt super zu Ihrem Profil. Wir würden Sie dort sehr gerne vorstellen. Wie schaut es denn aus bei Ihnen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre der guten Frau, dass der Job in Unterföhring ist. Dass ich das schon mal gemacht habe. Dass eineinhalb Stunden einfache Fahrt innerhalb von München für mich schlicht nicht realistisch sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin macht die gute Frau bei sich Google Maps auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schaut selber nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von meiner Adresse nach Unterföhring.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rolle mit den Augen und lasse sie machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stellt fest:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind tatsächlich eineinhalb Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, sagt sie, „aber andere Kandidatinnen und Kandidaten fahren diese Strecke immer sehr gerne. Das geht ja ganz schnell.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre ihr, dass ich das schon mal gemacht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass ich es nicht noch mal möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andere Kandidatinnen und Kandidaten sind da total motiviert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre ihr noch einmal, dass ich das nicht möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir verbleiben so, dass ich ihr meine Gehaltsvorstellungen schicken soll und sie sich meldet, wenn sie etwas Passendes für mich hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Woche später habe ich nichts gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Kandidatinnen hätten vermutlich nachgefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nicht.<br><br>_______________________________<br>Mehr aus „Unbeschäftigt“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jobsuche hat noch ein paar andere Geschichten produziert:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>→ <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/02/jobsuche-und-psyche-die-emotionalen-phasen-einer-bewerbung/">Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung</a></strong><br>Über Hoffnung, Selbstzweifel, Optimierungswahn – und den Punkt, an dem aus „Bitte wollt mich“ plötzlich „Will ich euch eigentlich?“ wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>→ <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/09/warten-bei-der-jobsuche-warum-es-so-zermuerbend-ist/">Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist</a></strong><br>Über sehr viel freie Zeit, sehr wenig Kontrolle und meine teilweise fragwürdigen Methoden, damit umzugehen.<br><br>——————————————————-<br>Titelphoto von <a href="https://www.franziskafreiwald.de">Franziska Freiwald</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/16/die-personalvermittlerin/">Die Personalvermittlerin</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<item>
		<title>Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/09/09/warten-bei-der-jobsuche-warum-es-so-zermuerbend-ist/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/09/09/warten-bei-der-jobsuche-warum-es-so-zermuerbend-ist/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 06:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unbeschäftigt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jobsuche besteht nicht nur aus Bewerbungen. Sie besteht vor allem aus Warten. Auf E-Mails, Anrufe, Einladungen – und darauf, dass endlich irgendetwas passiert. Über Langeweile, Kontrollverlust und meine eher fragwürdigen Methoden, damit umzugehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/09/warten-bei-der-jobsuche-warum-es-so-zermuerbend-ist/">Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe Langeweile wiederentdeckt. Warten bei der Jobsuche&nbsp;hatte ich mir anders vorgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht die gute Langeweile, von der irgendwelche Achtsamkeitsmenschen behaupten, dass sie Kreativität freisetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die andere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die, bei der man morgens aufsteht und eigentlich nichts zu tun hat – außer zu warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf eine E-Mail.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einen Anruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf eine Absage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf irgendein Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte vergessen, wie zermürbend&nbsp;Warten bei der Jobsuche&nbsp;sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn eigentlich passiert nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und gleichzeitig könnte jederzeit etwas passieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist das Problem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vielleicht heute</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Morgens checke ich meine E-Mails.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich trinke Kaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Checke meine E-Mails.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe spazieren, komme zurück und checke meine E-Mails.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich weiß ich, dass mein Handy mich benachrichtigen würde, wenn eine E-Mail kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist meinem Gehirn egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hat es die Benachrichtigung übersehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist die Mail im Spam gelandet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht funktioniert die App nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schaue ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal denke ich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na gut. Dann lese ich halt noch ein Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das mache ich dann auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lese.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stunde später lege ich das Buch weg und öffne mein E-Mail-Postfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur kurz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Langeweile ist tagesformabhängig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Merkwürdige ist: Manchmal finde ich diesen Zustand sogar schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr viel Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann morgens überlegen, worauf ich heute Lust habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sport?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spazieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lesen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schreiben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss nirgendwo hin. Niemand wartet auf mich. Kein Wecker reißt mich morgens aus dem Schlaf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An manchen Tagen denke ich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie luxuriös eigentlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann lese ich eben noch ein Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An anderen Tagen macht mich genau dieselbe Freiheit wahnsinnig. Warten bei der Jobsuche fühlt sich dann plötzlich nicht nach Freiheit an, sondern nach Stillstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann könnte ich schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich nicht noch ein Buch lesen möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte morgens irgendwo erwartet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte Aufgaben haben, die nichts mit mir selbst zu tun haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte mich über Kolleginnen und Kollegen ärgern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte mich auf Feierabend freuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem möchte ich aufhören zu warten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Problem mit dem Warten bei der Jobsuche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jobsuche sieht von außen erstaunlich aktiv aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bewerbungen schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lebenslauf anpassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorstellungsgespräche vorbereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber dazwischen liegen riesige Flächen aus:</p>



<p class="wp-block-paragraph">nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du kannst eine Bewerbung abschicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber du kannst nicht entscheiden, wann jemand sie liest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du kannst ein Vorstellungsgespräch führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber du kannst nicht entscheiden, wann danach eine Entscheidung fällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du kannst nachfragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber irgendwann hast du nachgefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist genau das so anstrengend daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hat theoretisch etwas zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Praktisch hat man auf einen großen Teil davon überhaupt keinen Einfluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dieses Warten macht natürlich auch etwas mit einem. Über Hoffnung, Selbstzweifel und Optimierungswahn während der Jobsuche habe ich schon in meinem Artikel <strong><a href="https://irenekasapis.de/2026/09/02/jobsuche-und-psyche-die-emotionalen-phasen-einer-bewerbung/">„Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung“</a></strong> geschrieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ich brauche etwas, das lauter ist als mein Kopf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Also habe ich angefangen, Dinge zu suchen, bei denen mein Gehirn endlich die Klappe hält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">True Crime funktioniert hervorragend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offenbar ist ein ungeklärter Mord das Einzige, was momentan spannender ist als mein E-Mail-Postfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache eine Dokumentation an und für eine Stunde gibt es keine Bewerbungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Stellenanzeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Frage, ob ich meinen Lebenslauf noch einmal ändern sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Gedanken darüber, warum sich Unternehmen XY noch nicht gemeldet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer hat es getan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wird man ihn erwischen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Herrlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Gehirn ist beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hat die Sache einen kleinen Haken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vielleicht ein bisschen zu viel True Crime</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sehr viele Geschichten über Einbrüche, Entführungen und Morde schaut, beginnt das Gehirn irgendwann offenbar zu glauben, dass man selbst in einer Netflix-Dokumentation lebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Nacht lag ich im Bett und war plötzlich überzeugt, dass bei mir eingebrochen werden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht ein bisschen nervös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Richtig Angst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also tat ich, was jeder vernünftige Mensch in dieser Situation tun würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schob einen schweren Schrank vor meine Wohnungstür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen war niemand eingebrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür hatte ich Kratzer im Parkett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht brauche ich eine andere Beschäftigung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Malen nach Zahlen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann entdeckte ich Malen nach Zahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das komplette Gegenteil meiner Jobsuche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Jobsuche weiß ich nie, was passiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Malen nach Zahlen weiß ich exakt, was passiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einem Feld steht eine 17.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nehme Farbe 17.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich male das Feld aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Interpretation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Entscheidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Frage, ob Farbe 12 vielleicht strategisch besser zu meinem Profil passen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand ghostet mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Feld schreibt mir nach drei Wochen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben uns nach sorgfältiger Prüfung für eine andere Farbe entschieden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 17 will die 17.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was für eine Wohltat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sitze da und male winzige Flächen aus und mein Kopf wird still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber oft genug.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Warten bei der Jobsuche mit mir macht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte immer, Langeweile entsteht, wenn man nichts zu tun hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen glaube ich, dass es noch eine andere Art gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Langeweile, die entsteht, wenn man auf etwas wartet, das man nicht beschleunigen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man ist nicht wirklich frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber man ist auch nicht beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hängt irgendwo dazwischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht macht mich das deshalb an manchen Tagen so wahnsinnig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht muss ich auch gar nicht lernen, diese Zeit wahnsinnig sinnvoll zu nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss kein neues Hobby perfektionieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Sprache lernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Side Business gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine „beste Version meiner selbst“ werden, nur weil ich gerade keinen Job habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal darf ich einfach ein Buch lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal darf mich die Langeweile nerven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal darf ich mein E-Mail-Postfach zum fünften Mal öffnen, obwohl ich genau weiß, dass nichts Neues drin ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und manchmal male ich eben Feld Nummer 17 aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptsache, ich schiebe keinen Schrank mehr vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">——————————————————-<br>Titelphoto von&nbsp;<a href="https://www.franziskafreiwald.de">Franziska Freiwald</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/09/warten-bei-der-jobsuche-warum-es-so-zermuerbend-ist/">Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/09/02/jobsuche-und-psyche-die-emotionalen-phasen-einer-bewerbung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 06:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unbeschäftigt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jobsuche ist mehr als Lebensläufe, Anschreiben und Vorstellungsgespräche. Zwischen Hoffnung, Selbstzweifeln, Erschöpfung und Trotz wird Bewerben zur emotionalen Achterbahnfahrt – und verändert irgendwann die Frage von ‚Wollt ihr mich?‘ zu ‚Will ich euch eigentlich?‘</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/02/jobsuche-und-psyche-die-emotionalen-phasen-einer-bewerbung/">Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am Anfang ist da Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du findest eine Stellenanzeige und denkst: Oh. Das könnte passen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du liest sie ein zweites Mal. Dann schaust du auf die Website des Unternehmens. Du googelst die Menschen, die dort arbeiten. Du rechnest aus, wie lange du morgens ins Büro brauchen würdest. Vielleicht schaust du sogar schon, welches Café um die Ecke liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hast du noch nicht einmal eine Bewerbung abgeschickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber in deinem Kopf hast du schon angefangen, ein kleines mögliches Leben zu bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So beginnt Bewerben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn die Jobsuche länger dauert, passiert etwas Interessantes: Dieses Gefühl verändert sich. Nicht einmal, sondern immer wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jobsuche und Psyche hängen enger zusammen, als ich vorher gedacht hätte. Denn irgendwann geht es nicht mehr nur darum, einen neuen Job zu finden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube inzwischen, Bewerben hat emotionale Phasen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="410" height="1024" src="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/08/Job-Search-Emotional-Journey-Graphic-410x1024.png" alt="Infografik zur emotionalen Kurve der Jobsuche mit acht Phasen: Hoffnung, Warten, Selbstzweifel, Optimierungswahn, Vorstellungsgespräch, Entzauberung, Erschöpfung und Trotz." class="wp-image-2436" srcset="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/08/Job-Search-Emotional-Journey-Graphic-410x1024.png 410w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/08/Job-Search-Emotional-Journey-Graphic-120x300.png 120w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/08/Job-Search-Emotional-Journey-Graphic-768x1920.png 768w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/08/Job-Search-Emotional-Journey-Graphic.png 800w" sizes="(max-width: 410px) 100vw, 410px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 1: Hoffnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Stelle!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diese.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich erfüllt man nicht jeden Punkt der Ausschreibung. Aber wer tut das schon? Dafür bringt man andere Dinge mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man schreibt ein Anschreiben. Aktualisiert den Lebenslauf. Überlegt sich, warum man ausgerechnet dort arbeiten möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und währenddessen passiert etwas, das vermutlich kaum jemand in einem Bewerbungsratgeber erwähnt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man beginnt, sich die Zukunft vorzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wäre es, dort zu arbeiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wären die Kolleg*innen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Würde ich morgens gerne hingehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Könnte das endlich mein Platz sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Bewerbung besteht deshalb nie nur aus einem PDF und einem Lebenslauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man schickt immer auch ein kleines Stück Zukunft mit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 2: Warten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dann passiert erst einmal:</p>



<p class="wp-block-paragraph">nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du öffnest dein E-Mail-Postfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du öffnest es zwei Stunden später noch einmal, obwohl du genau weißt, dass dein Handy dich über eine neue Nachricht informieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach drei Tagen bist du noch entspannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Woche denkst du: Die haben bestimmt viele Bewerbungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach zwei Wochen fragst du dich, ob deine Bewerbung überhaupt angekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann kommt eine Mail.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielen Dank für Ihre Bewerbung und das damit verbundene Interesse an unserem Unternehmen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den ersten sieben Wörtern weißt du meistens schon, wie der Satz endet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 3: Selbstzweifel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Absage ist okay.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der fünften beginnt etwas zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt es an meinem Lebenslauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht bin ich zu alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht habe ich zu viele verschiedene Sachen gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hätte ich das anders formulieren sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist meine Gehaltsvorstellung zu hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hätte ich das Foto austauschen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht hätte ich dieses eine Wort nicht benutzen dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann wird aus der Frage</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Passt dieser Job zu mir?“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">unbemerkt:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Was stimmt eigentlich mit mir nicht?“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist wahrscheinlich eine der gefährlichsten Verschiebungen während einer längeren Jobsuche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und genau hier merkt man, was Jobsuche und Psyche miteinander zu tun haben.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn eine Bewerbung ist eine berufliche Auswahlentscheidung. Aber nach genügend Absagen kann sie sich wie eine Bewertung der eigenen Person anfühlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 4: Optimierungswahn</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Also optimierst du.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Lebenslauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Anschreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">LinkedIn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überschrift auf LinkedIn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Keywords unter der Überschrift auf LinkedIn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du liest Stellenanzeigen plötzlich nicht mehr wie ein normaler Mensch, sondern wie ein Geheimdienst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum steht da „belastbar“?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was meinen die mit „Hands-on-Mentalität“?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum suchen die schon wieder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist „familiäres Team“ eine Red Flag?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet „eigenverantwortlich“ wirklich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du entwickelst verschiedene Lebensläufe für verschiedene Stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du lernst, was ATS bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du beschäftigst dich mit Keywords.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bereitest Vorstellungsgespräche vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann bereitest du dich so gut vor, dass du im Vorstellungsgespräch kaum noch weißt, wie du normalerweise sprichst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt zu sagen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mir ist wichtig, dass man miteinander redet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">hörst du dich plötzlich sagen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Für mich ist eine wertschätzende Kommunikation auf menschlicher Ebene besonders wichtig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und denkst währenddessen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wer ist diese Frau?</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 5: Die Vorstellungsgespräch-Fantasie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dann passiert es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Einladung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">YES.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich ist die Hoffnung wieder da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wird recherchiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unternehmen. Produkte. Geschäftsführung. LinkedIn. Instagram. Kununu. Jahresumsatz. Unternehmensgeschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bereitest Antworten auf Fragen vor, die möglicherweise niemals gestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo sehen Sie sich in drei Jahren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist Ihre größte Schwäche?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum möchten Sie ausgerechnet zu uns?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie würden Ihre Kolleg*innen Sie beschreiben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann beginnt das Gespräch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich läuft es komplett anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Person erzählt erst einmal zwanzig Minuten über das Unternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand fragt nach deiner größten Schwäche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, auf die du gestern eine perfekte Antwort vorbereitet hast, kommt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen wirst du etwas gefragt, worüber du noch nie in deinem Leben nachgedacht hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwie überlebst du trotzdem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 6: Entzauberung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Vorstellungsgespräch hat aber noch eine andere Funktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Job wird plötzlich real.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus „Marketing in der XYZ-Branche“ werden Newsletter, WordPress, Katalogproduktion und Werbegeschenke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus „Arbeiten in XYZ“ werden Budgets, KPIs, Kampagnenplanung und Reporting.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einer schönen Stellenanzeige wird ein Dienstagvormittag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn irgendwann während einer langen Jobsuche kann man vergessen, dass nicht nur das Unternehmen entscheidet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Du entscheidest auch.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Will ich diese Aufgaben wirklich machen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will ich mit diesen Menschen arbeiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will ich fünf Tage die Woche dort sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passt das Gehalt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie fühlt sich die Führungskraft an?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist das wirklich ein Job, den ich möchte – oder möchte ich einfach nur endlich, dass mich jemand möchte?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 7: Erschöpfung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann bist du müde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht unbedingt körperlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bewerbungsmüde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Spätestens hier wird die Verbindung zwischen Jobsuche und Psyche ziemlich deutlich.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Du willst nicht noch einmal erklären, warum du gut in Kommunikation bist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du möchtest nicht noch einmal deinen Lebenslauf „individuell auf die Stelle zuschneiden“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du willst nicht zum 37. Mal schreiben, dass du dich „mit großer Begeisterung“ bewirbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bist überhaupt nicht mehr groß begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du möchtest einfach arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Geld verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nette Kolleg*innen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und irgendwann Feierabend machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Phase 8: Trotz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kommt eine Phase, mit der ich nicht gerechnet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine neue Stellenanzeige erscheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie passt sogar ziemlich gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Früher hätte ich gedacht:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist sie das!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute denke ich eher:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Na schön. Dann bekommt ihr halt meine Bewerbung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht aus Gleichgültigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern weil ich nicht mehr bereit bin, vor jedem Unternehmen emotional in Vorleistung zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist mein Lebenslauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist, was ich kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr sucht jemanden mit meiner Erfahrung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich suche einen Job mit euren Rahmenbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr das genauso seht, können wir miteinander reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn nicht, dann nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vielleicht ist Trotz gar nicht die schlechteste Phase</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht klingt das verbittert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube aber inzwischen, dass darin auch etwas Gesundes steckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn am Anfang einer Jobsuche liegt die Macht gefühlt vollständig beim Arbeitgeber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte ladet mich ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte erkennt meine Erfahrung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte gebt mir eine Chance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Weile kann sich etwas verschieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man beginnt wieder zu fragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was bietet ihr eigentlich mir?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie führt ihr?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie arbeitet ihr?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie geht ihr mit Überstunden um?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ist die Stelle frei?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele Menschen hatten diesen Job vor mir?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sieht eine Einarbeitung aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn im Vorstellungsgespräch etwas nicht zusammenpasst, muss man es nicht mehr sofort schönreden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man darf denken:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gefällt mir nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jobsuche und Psyche: Was macht Bewerben emotional mit einem?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ganze Menge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bewerben kann Hoffnung machen und Selbstzweifel auslösen. Es kann euphorisieren, erschöpfen, verunsichern und irgendwann sogar trotzig machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber zwingt eine lange Jobsuche dazu, sich immer wieder mit der Frage auseinanderzusetzen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was kann ich? Was will ich? Und unter welchen Bedingungen bin ich bereit, meine Zeit und meine Fähigkeiten einem Unternehmen zu geben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das die eigentliche Lektion, die ich über&nbsp;<strong>Jobsuche und Psyche</strong>&nbsp;nicht erwartet habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte, ich müsste während meiner Jobsuche immer besser darin werden, Unternehmen davon zu überzeugen, dass sie mich wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen lerne ich gerade etwas anderes:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicht jede Absage sagt etwas über meinen Wert aus. Nicht jede Einladung bedeutet, dass ich den Job haben möchte. Und nicht jede Stellenanzeige verdient sofort mein Herzblut.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal reicht auch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier bin ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kann ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schauen wir mal, ob es passt.<br><br>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br>Titelphoto von <a href="https://www.franziskafreiwald.de">Franziska Freiwald</a> </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/09/02/jobsuche-und-psyche-die-emotionalen-phasen-einer-bewerbung/">Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<title>Was bleibt (Teil 36)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/31/was-bleibt-teil-37/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 06:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hatte ich vor Korfu mit dem Gedanken gespielt, nach Griechenland auszuwandern? Meine Rente dort zu verbringen? Hatte ich einmal zu viel Eat Pray Love geschaut? Hatte ich die Vorstellung in mir getragen, dass eine Griechin in mir zum Vorschein kommen würde, wenn ich nur lange genug in diesem Land wäre? Ja. Ja. Und ja. Meine...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/31/was-bleibt-teil-37/">Was bleibt (Teil 36)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Hatte ich vor Korfu mit dem Gedanken gespielt, nach Griechenland auszuwandern? Meine Rente dort zu verbringen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte ich einmal zu viel Eat Pray Love geschaut?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte ich die Vorstellung in mir getragen, dass eine Griechin in mir zum Vorschein kommen würde, wenn ich nur lange genug in diesem Land wäre?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja. Ja. Und ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Realität sah anders aus. Wie diese ganzen kleinen Geschichten zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre vieles anders gelaufen, hätte ich den Sprachkurs nach dem Abitur gemacht – so wie meine Geschwister? Hätte ich mich nicht so elendig allein und fremd gefühlt, wäre ich nach Thessaloniki gefahren, zum verbleibenden griechischen Teil meiner Familie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder ja. Und ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine rosa-rote Brille hatte eine andere Tönung angenommen. Die Häuser in Korfu-Stadt, deren Fassaden sich schälten wie eine Schlange die sich häutet, fand ich im Oktober 2025 noch charmant. Im Mai 2026 fand ich es eher verstörend: Warum verputzt das keiner? Warum kümmert sich keiner drum?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die engen Gassen der Altstadt füllten sich täglich mit Kreuzfahrttouristen. Einmal zählte ich vier schwimmende Städte im Hafen. Ein Sixpack Wasser wiegt fünf Kilo – mein Gang vom Supermarkt nach Hause war normalerweise schnell. Ging aber nicht wegen den Touristen. Ich musste umplanen. Diese kleinen Verschiebungen fühlten sich extrem irritierend an in den Wochen, in denen ich so tief im inneren Dialog mit mir und meinem Vater stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konnte ich vorher wissen dass ein tief vergrabenes Trauma wieder hochkommt? Auf gar keinen Fall. Woher auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vier Wochen Griechenland waren ein harter Spiegel.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, Auswandern ist ein Gefühl. Und ich fühlte es nicht – nicht ein einziges Mal in diesen vier Wochen. Alles was ich fühlte war Heimweh. Nach Vertrautem. Nach Menschen die mich kennen und bei denen ich nicht jedes Mal von vorne meine Geschichte erzählen müsste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und gleichzeitig bin ich unglaublich dankbar, das Privileg gehabt zu haben, all das zu erleben. Den Menschen zu begegnen denen ich begegnet bin. Und all diese romantischen Vorstellungen endlich mal exorziert zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde mich heute so bezeichnen: deutsch sozialisiert aufgewachsen mit Wurzeln in Griechenland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn dass ein bisschen Griechisches in mir steckt – das sehe ich daran, wie wichtig es mir ist zu wissen ob eine kranke Freundin Essen im Kühlschrank hat. Gemeinsam am Tisch sitzen und essen ist eine der stärksten Erinnerungen meiner Kindheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder so was hier: Als sich jemand in meinem Umfeld ein neues Auto kaufte, war Marke und Preis mir völlig egal. Meine einzige Frage war: Hast du schon Geldmünzen in den Fußraum geworfen? Das ist eine griechische Tradition die Glück bringen soll. Und wahrscheinlich auch, dass einem das Geld für das Auto nie ausgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also bin ich doch vielleicht ein bisschen griechisch. Manches sitzt so tief, dass es für mich einfach selbstverständlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und mein Vater? Ihm bin ich in diesen vier Wochen näher gekommen als in all den Jahren davor. Nicht weil Griechenland mich verwandelt hätte. Sondern weil seine Sprache, seine Stimme in meinem Kopf mich gezwungen haben hinzuschauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe verstanden warum er von Griechenland nach Deutschland gegangen ist. Und was er mir trotzdem gegeben hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo ist Heimat?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">München.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht das Postkarten-München mit Oktoberfest und Alpenblick. Mein München. Drei mal drei Meter unter einer Linde im Westpark. Die Konditorei an der Ecke wo die Münder rot verschmiert sind von Erdbeereis. Meine Buchclub-Mädels. Mein Bootcamp. Meine rosa Kommode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heimat ist nicht da wo man herkommt. Heimat ist da wo man aufhört zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe aufgehört zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum nächsten Mal.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/31/was-bleibt-teil-37/">Was bleibt (Teil 36)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Servus München (Teil 35)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/29/servus-muenchen-teil-35/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 06:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Wo soll es denn hingehen, die Dame?&#8220; fragt der nette Taxifahrer mich am Münchner Flughafen. Nach Hause, möchte ich ihm zurufen. Aber er weiß ja nicht wo das ist. In einer Stadt wie München kann das alles sein – von Erding bis Starnberg. Ich nenne ihm meine Adresse. Und merke dabei dass ich kurz überlegen...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/29/servus-muenchen-teil-35/">Servus München (Teil 35)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„Wo soll es denn hingehen, die Dame?&#8220; fragt der nette Taxifahrer mich am Münchner Flughafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Hause, möchte ich ihm zurufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber er weiß ja nicht wo das ist. In einer Stadt wie München kann das alles sein – von Erding bis Starnberg. Ich nenne ihm meine Adresse. Und merke dabei dass ich kurz überlegen muss. Fast weiß ich meine Hausnummer nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird ein langer Weg zurück, das weiß ich schon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich klammere mich an meinen Kaffeebecher auf dem „Servus München&#8220; steht und denke an den Moment zurück als meine Schultern im Flieger heruntersanken – als ich die grünen Felder Deutschlands durch das Fenster sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte viel früher heimkommen sollen, denke ich. Was habe ich mir nur gedacht. Ich habe so viel Zeit verloren. Ich war einfach den ganzen Monat weg.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Hause schleppe ich Stufe für Stufe meinen 30-Kilo-Koffer in den zweiten Stock und schließe die Wohnungstür auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich. Endlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All meine Sachen. Ich habe einen Kleiderschrank – keine flimsigen Regale mehr. Meine rosa Kommode. Den Rest meiner Klamotten. Ich atme erleichtert auf und schaue in den Kühlschrank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leer. Natürlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Knuspr muss ich erst bestellen. Das Abendessen hole ich vom Rewe – und verbinde es mit einem kleinen Spaziergang durch mein Viertel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles sieht noch genau so aus wie ich es verlassen habe. In der Konditorei vorne an der Ecke sitzen die üblichen Verdächtigen – Senioren bei Kaffee und Kuchen. Mütter mit Kindern holen sich ihr Eis, Münder rot verschmiert von Erdbeereis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ich saß hier mit meiner Mutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Beerdigung meines Vaters holten wir dort noch Kuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht dass die Trauer in meiner Gegend auf mich gewartet hat. Ich blinzle hinter meiner Sonnenbrille und betrete den Rewe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß gar nicht mehr wie das mit dem Obst wiegen geht, denke ich. Staunend laufe ich durch den aufgeräumten, sauberen Laden. Packe hier was ein, stehe vor dem Tchibo-Regal und frage mich ob ich eine Picknickdecke brauche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles wie immer. Ich bin wieder zu Hause. In meiner echten Heimat.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/29/servus-muenchen-teil-35/">Servus München (Teil 35)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der stille Dialog (Teil 34)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/27/der-stille-dialog-teil-34/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 06:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Night Owl, einem Lokal in Arillas hängt ein Foto an der Wand. Die Großeltern die das Lokal eröffnet haben. Schwarz-weiß, ernst, stolz. Darunter – in Farbe, in der Gegenwart – steht die dritte Generation hinter dem Tresen und schmeißt den Laden. So wie jeden Tag. So wie es immer war und immer sein...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/27/der-stille-dialog-teil-34/">Der stille Dialog (Teil 34)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In der <em>Night </em><i>Owl</i>, einem Lokal in Arillas hängt ein Foto an der Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Großeltern die das Lokal eröffnet haben. Schwarz-weiß, ernst, stolz. Darunter – in Farbe, in der Gegenwart – steht die dritte Generation hinter dem Tresen und schmeißt den Laden. So wie jeden Tag. So wie es immer war und immer sein wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sitze da und schaue lange auf dieses Bild.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, ohne dass ich es plane, beginnt ein stiller Dialog mit meinem Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa. Ich glaube ich verstehe dich jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du hast Griechenland verlassen weil du keine Wahl hattest. Weil es keine Jobs gab, keine Zukunft, keine Möglichkeit dir selbst etwas aufzubauen das wirklich deins war. Dein Bruder schickte dich nach Deutschland – und du bist gegangen. Nicht weil du wolltest. Weil es keine Alternative gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann hast du mir etwas geschenkt das du selbst nie hattest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die freie Wahl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich durfte entscheiden was ich arbeiten will. Durfte Umwege machen, Fehler machen, neu anfangen. Durfte ein Buch schreiben statt in die Großmarkthalle zu gehen. Durfte vier Wochen nach Korfu fahren um Griechisch zu lernen – die Sprache die du mir mitgegeben hast ohne es zu wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das immer für selbstverständlich gehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war alles andere als das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Generation hinter dem Tresen lacht über irgendetwas. Der Abend ist warm. Draußen rauscht das Meer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich vermisse dich, Papa. Und ich bin dir dankbar. Für beides gleichzeitig – das ist neu.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tadasana mit Tomate (Teil 33)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/25/tadasana-mit-tomate/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 06:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich auf den Hollywood-Schaukeln sitzen. Die vorne an der Straße in Arillas die Besucher anlocken. Ich betrete den Laden und ein Angestellter, der Chef des Lokals – so genau weiß man das hier nie – meint ich könne vorne sitzen oder auch am Pool. Am Pool? Ich war schon in diesem Lokal. Nur...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/25/tadasana-mit-tomate/">Tadasana mit Tomate (Teil 33)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich wollte ich auf den Hollywood-Schaukeln sitzen. Die vorne an der Straße in Arillas die Besucher anlocken. Ich betrete den Laden und ein Angestellter, der Chef des Lokals – so genau weiß man das hier nie – meint ich könne vorne sitzen oder auch am Pool.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Pool?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war schon in diesem Lokal. Nur vorne, bei den Schaukeln. Von einem Pool wusste ich nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe an den dunklen Toiletten vorbei, durch einen schmalen Gang – und trete in einen Traum von einer Poolanlage. Eine neue, weiß getünchte, sehr gepflegte Hotelanlage tut sich mir auf. Auf Sonnenliegen mit dicken roten Polstern sonnt sich ein älteres englisches Pärchen. Unter Palmen spielen Kinder. Die Speisekarte: Burger, klassisch Griechisches. Die Preise: hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bestelle den Burger und greife zur Saftkarte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tadasana:</strong>&nbsp;Tomate, Petersilie, Gurke, Zitrone, Kiwi – 8,80 Euro.<br><strong>Savasana:</strong>&nbsp;Tomate, Basilikum, Zwiebel, Knoblauch, Sellerie – 8,80 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich senke die Karte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seufze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denke an meinen letzten Bali-Aufenthalt, wo die Eissorten „Pacha Mama&#8220;, „Kundalini Mango&#8220; und „Third Eye Coconut&#8220; hießen und man beim Bestellen kurz überlegte ob man damit eine Erleuchtung oder nur ein Eis bekommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muss denn wirklich alles dem Kommerz unterworfen werden? muss ich denken. Kann man nicht einfach einen Saft einen Saft nennen? Muss Sellerie erleuchtet sein um 8,80 Euro zu kosten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich esse meinen Burger. Bestelle einen Cheesecake.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bin damit natürlich selbst Teil der ganzen Maschinerie. Halte sie am Leben. Zahle die Rechnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Prost, Savasana.</p>
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		<title>Die Arillas-Falle (Teil 32)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/22/die-arillas-falle/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Aug 2026 06:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Piep piep piep, wir haben uns alle lieb. Und sind alle so erleuchtet. Und Geld zählt nicht – nur Energie. Willkommen in der Welt des Energie-Austauschs. Wo alles fließt, solange jemand anderes die Rechnung bezahlt. Wo „ich schenke dir meine Präsenz&#8220; eine legitime Währung ist. Wo man nicht sagt „ich brauche eine Mitfahrt&#8220; sondern „ich...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Piep piep piep, wir haben uns alle lieb. Und sind alle so erleuchtet. Und Geld zählt nicht – nur Energie.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Willkommen in der Welt des Energie-Austauschs. Wo alles fließt, solange jemand anderes die Rechnung bezahlt. Wo „ich schenke dir meine Präsenz&#8220; eine legitime Währung ist. Wo man nicht sagt „ich brauche eine Mitfahrt&#8220; sondern „ich folge dem Fluss des Universums&#8220; – und der Fluss zeigt zufällig in Richtung deines Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war vor ein paar Jahren in Arillas bei einer Ecstatic-Dance-Woche. Keine Ahnung was mich da geritten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab einen Shuttlebus hoch zur Buddha Hall. Manche Teilnehmer:innen entschieden sich trotzdem zu laufen. Auf Google Maps sieht man den Berg nicht den man dafür hochmuss. Spürt nicht wie die Sonne den Asphalt aufwärmt – soweit Asphalt vorhanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte einen Mietwagen gemietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und verfuhr mich am ersten Tag so gründlich, dass ich auf Eselswegen landete. Reiner Schotter. Kein Netz. Kein Mensch. Nur ich, das Auto und die Überzeugung dass ich hier sterbe. Die schlimmste Autofahrt meines Lebens. Den Tränen nah und zitternd fand ich schließlich den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die folgenden Tage tat mir das Fußvolk leid. Die Ecstatic Dancer die in der Hitze den Berg hochstapften. Also begann ich sie einzusammeln. Ich hielt an, lud ein, fuhr weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keiner kannte mich. Und da ich allein schon von meiner Kleidung her nicht ins Bild passte – T-Shirt und Shorts statt Flatterkleid oder wallende Hose – erklärte ich jedes Mal dass ich auch Teilnehmerin der Woche war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begeistert stiegen sie ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fuhr. Sie unterhielten sich. Nicht mit mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam mir vor wie ein selbstkreiertes Taxi. Und schwor mir: nie wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn das ist die Arillas-Falle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Piep piep, wir haben uns alle lieb – und irgendein Doofer wird sich schon finden der uns mitnimmt, uns einlädt, für uns zahlt, uns trägt. Der Fluss des Universums hat nämlich meistens ein menschliches Gesicht. Und das Gesicht schaut gerade ein bisschen müde drein.</em></p>
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		<title>Wo alles anfing (Teil 31)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/20/wo-alles-anfing/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 06:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach der letzten Yogastunde rumpele ich erstmal zum Tanken. Ich hatte keine Ahnung wo an meinem Mietwagen der Tankdeckel war. Also fuhr ich einfach zur Tankstelle und sagte zum Tankwart: I need your help, please. It&#8217;s a rental.&#8220; Er lächelte nur. Die Griechen haben mit Touristen schon Schlimmeres erlebt. 55 Euro für einen vollen Tank....</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Nach der letzten Yogastunde rumpele ich erstmal zum Tanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung wo an meinem Mietwagen der Tankdeckel war. Also fuhr ich einfach zur Tankstelle und sagte zum Tankwart: I need your help, please. It&#8217;s a rental.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er lächelte nur. Die Griechen haben mit Touristen schon Schlimmeres erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">55 Euro für einen vollen Tank. Da ich in München nie Auto fahre, weiß ich nicht ob das teuer oder günstig ist. Ich schätze eher günstig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na dann kann ich ja auch noch ein bisschen durch die Gegend fahren, denke ich und rolle in Richtung Agios Georgios. Die Nachbarbucht von Arillas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier fing alles an. &#8222;Mein Korfu&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer Yogaanbieter damals – ein Pärchen. Sie eine über den Boden schwebende Yogini. Er ein Brocken von einem Mann. Beide verkauften sich als Traumpaar das sich auf Korfu ihr Traumleben aufgebaut hatte. Jeder Gast war ihr neuer bester Freund. Auch ich fiel auf die Nummer rein. Vier Mal, um genau zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber irgendwann begann ich mich zu wundern. Was der Brocken eigentlich für eine Funktion hatte während der Yogawochen. Er aß jeden Morgen mit uns zum Frühstück, blieb bei den Abendessen Essen übrig, nahm er die Reste mit, mit dem Spruch „für den Hund.&#8220; Er bot Ausflüge mit dem Auto über die Insel an, die jedes Mal teurer wurden. Ich machte einen mit, dann zwei – um dann enttäuscht festzustellen dass er immer dieselben Orte anfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte von Ina&#8217;s in Arillas gehört. Er meinte, das Lokal sei total scheiße und ich dürfe dort auf gar keinen Fall hingehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die nächsten Male die ich dort war, hörte ich einige Geschichten über dieses Pärchen. Sah wie der Brocken die Griechen behandelte – wie seine Angestellten. Wie er auf der Bootstour immer viel mehr Geld draufschlug als die Schilder am Bootsverleih auswiesen. Sah, dass die Yogini gar nicht selber Yoga unterrichtete, sondern eine andere Yogalehrerin für sich arbeiten ließ &#8211; gegen Kost und Logis natürlich. Bei den Abendessen erzählten beide von UFO-Sichtungen und Verschwörungstheorien (der Corona Virus wäre ein Hoax) &#8211; alles klar. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das soll eine Yogawoche sein? Nee. Bei aller Liebe, nein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber – und das war das große Geschenk – über die zwei lernte ich Birgit kennen. Erst für eine Massage. Dann für Yogawochen. Dann für diese Woche hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An all das muss ich denken als ich die enge 90-Grad-Straße nach Agios Georgios hinunterfahre. Ich parke vor einer Bar. Der Vibe in dieser Bucht ist ein ganz anderer als in Arillas. Normaler, touristischer. Ich sehe die verfallenen Häuser die schon vor vier Jahren verfallen waren – noch immer verfallen, unverändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe den Weg den ich abends während der Yogawochen dort immer am Strand entlanggelaufen bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bucht ist noch wie sie früher war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin anders geworden.<br><br>Werbung aus Überzeugung: bodenständige Yoga Lehrerin, ein toller Ort zum Yoga machen und alle Tipps rund um Korfu gibt es <a href="https://birgit-prochnow.de">hier</a>.</p>
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		<title>Ich habe die falsche Sprache gelernt (Teil 30)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/08/18/ich-habe-die-falsche-sprache-gelernt-teil-30/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am letzten Morgen der Yogawoche überlege ich kurz einfach abzuhauen. Koffer packen, für eine Nacht in einen dieser Fünf-Sterne-Hotelkomplexe in Korfu-Stadt einmieten, am Pool rumliegen, nochmal alle Lieblingsplätze abklappern. Aber mein Transfer ist schon gebucht für Montag – und nochmal Koffer ein und aus? Nee. Dann bleibe ich halt wo ich bin. Auf dem engen...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am letzten Morgen der Yogawoche überlege ich kurz einfach abzuhauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koffer packen, für eine Nacht in einen dieser Fünf-Sterne-Hotelkomplexe in Korfu-Stadt einmieten, am Pool rumliegen, nochmal alle Lieblingsplätze abklappern. Aber mein Transfer ist schon gebucht für Montag – und nochmal Koffer ein und aus? Nee. Dann bleibe ich halt wo ich bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem engen Weg zum Yoga lande ich im &#8222;Stau&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein großer LKW fährt vor mir. Langsam nimmt er eine Kurve nach der anderen – mal sehe ich sein Hinterteil, in der Kurve winden sich die Glieder des LKWs durch die enge Straße wie ein träges Tier das sich Zeit lässt. Er scheint mir zu sagen: Warum so eilig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum habe ich es so eilig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich mit Griechenland durch bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es reicht mir einfach. Ich möchte nach Hause. Nach München – das so ganz anders ist als das Postkarten-München und das Oktoberfest. Ruhiger, langsamer, mit sorgfältig ausgesuchten Menschen und sorgfältig ausgesuchten Orten an denen ich auftanken kann. Sei es auch nur lesend an der Isar sitzend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache wie immer drei Kreuze als ich die grob geteerte Einfahrt zu Birgits Haus hochjuckele. Ein letztes Mal. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abschied von meinen zwei Yoga-Mitreisenden fällt mir schwer und leicht zugleich. Ich weiß nicht ob es an den vielen Wochen des Alleinereisens in Korfu-Stadt liegt, aber ich hatte mir absolut null Gedanken über mein eigentliches Thema mit Gruppen gemacht. Vielleicht lag es auch daran dass es mein zwanzigstes oder dreißigstes Yoga-Retreat war. Alleine zu reisen fiel mir nie leicht, und die Yoga-Reisen der Vergangenheit boten immer eine schöne Mischung zwischen Gruppe und Alleinsein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch fängt damit an, dass ich zu den beiden Damen sage:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meine Rolle in dieser Woche war eigentlich die des Statisten. Ich habe dabei zugeschaut wie ihr euch in die Insel, in das Yoga bei Birgit und in ihren magischen Platz verliebt habt. Es hat Spaß gemacht euch dabei zuzusehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Teilnehmerinnen schaut mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe deinen Blogartikel über <a href="https://irenekasapis.de/2025/11/30/yoga-retreat-korfu-erfahrungsbericht-eine-woche-auszeit-zwischen-meer-farben-und-einer-regenbogen-traene/" data-type="link" data-id="https://irenekasapis.de/2025/11/30/yoga-retreat-korfu-erfahrungsbericht-eine-woche-auszeit-zwischen-meer-farben-und-einer-regenbogen-traene/">dein letztes Mal hier bei Birgit</a> gefunden.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich höre zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin ganz begeistert über deine achtsame Art zu sprechen und zu schreiben. Da merkt man die Tiefe dahinter.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann noch mehr schöne Worte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin erst total irritiert. Über <em>wen</em> reden die da? denke ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich?&#8220; frage ich sicherheitshalber nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin kurz überfordert. „Das darf ich erstmal lernen anzunehmen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und in diesem Moment wird mir klar: Es ging hier in diesen vier Wochen Korfu gar nicht darum, Griechisch zu lernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ging darum, meine Sprache zu finden. Meinen Ausdruck. Im gesprochenen Wort und hoffentlich auch in diesen kleinen Texten hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/08/18/ich-habe-die-falsche-sprache-gelernt-teil-30/">Ich habe die falsche Sprache gelernt (Teil 30)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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