Packen (Teil 22)
Mein letztes Wochenende in Korfu-Stadt, bevor ich „aufs Land“ ziehe.
Meine Gedanken ziehen mich schon vor – zum Taxi-Transfer den ich organisiert habe, ob er wohl klappt. Zum Mietwagen den ich in Arillas abholen muss. Zur Yogawoche. Ich stöhne innerlich über die engen, kurvigen Straßen die ich fahren muss. Über die Spirituellen die immer im Café sitzen oder sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben“ – während die Kellner:innen mit Tabletts um sie herumnavigieren.
Ich versuche mich in die Gegenwart zurückzuholen. Mit meinem Lieblings-Tool: Ablenkung.
Also gehe ich nochmal zu Marks & Spencer. Den gibt es nicht in München, obwohl er am Ende eigentlich nur ein besserer C&A ist. In den letzten Wochen war ich so oft dort, dass ich die neue Ware schon zwischen der alten erkenne. Ich kaufe mir zwei Shorts und zwei Tops. Als ob ich keine Shorts zu Hause hätte – aber die ersten Wochen auf Korfu waren wettermäßig sehr durchwachsen, und die Hitze kam erst jetzt. Also: Shorts. Die Logik stimmt. Ungefähr.
Dann noch einmal essen an dem ruhigen Platz kurz vor der Neuen Festung. Ich kenne die Gesichter der Angestellten schon – und frage mich ob sie mich wiedererkennen. Eher nicht, bei dem ständigen Strom von Touristen der hier Tag für Tag durchzieht. Ich bin einer von Millionen. Und gleichzeitig war das hier, für ein paar Wochen, mein Kiez.
Noch einmal in den Supermarkt ums Eck. Letzter Einkauf. Letztes Kochen.
Und dann packe ich.
Der Koffer ist der größte den ich besitze – damals für eine dreiwöchige Indien-Reise gekauft und seitdem nie wieder benutzt. Ich fülle ihn mit Kleidern, Schuhen, Bikinis, sorgfältig sortiert in die schicken Packing Cubes die ich mir für Südafrika zugelegt hatte. Shorts, Shirts, Wäsche, Kabel. Alles an seinem Platz.
Beim Packen entdecke ich die kleinen Neuzugänge der letzten Wochen. Einen schön bemalten Teller den ich als Erinnerung an diese Zeit an meine Wand hängen werde. Einen Schlüsselanhänger. Eine Bluse aus dem schönsten Designerladen in Korfu-Stadt.
Der Koffer wirkt erstaunlich leer – bis mein Blick auf eine Supermarkt-Plastiktüte fällt, in der ich die getragene Wäsche der letzten Wochen gesammelt habe.
Na. Ob der wohl zugeht – mit der ganzen Dreckwäsche drin?
Aber der Koffer ist sowieso nicht das Problem. Das meiste was ich mitnehme passt in keine Packing Cubes. Fritz, der immer noch da ist aber ein bisschen kleiner geworden ist. Meinen Vater, dessen Sprache ich jetzt ein bisschen spreche. Efigenias Geduld. Ians Schraube und Spyridons Tochter – die auch Irene hieß.
Und meine kleine Irene. Der ich gesagt habe dass sie sicher ist.
Die nehme ich auf jeden Fall mit.
Wir sind beide noch hier, mein Körper und ich.
