Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)

Im Griechischunterricht lerne ich heute Kleidung.

Eigentlich einfach – Alltagsvokabular, nichts Philosophisches, keine unmöglichen Verben. Nur macht es das Griechische wieder mal schwer: Kein einziges Wort lässt sich ableiten. Würde ich Englisch, Spanisch oder Italienisch lernen, könnte ich auf mein spärliches Latein aus Gymnasiumszeiten zurückgreifen. Ein bisschen raten, ein bisschen kombinieren, meistens hinkommen.

Im Griechischen? Pfft. Keine Chance.

Also lerne ich:

Schal – το κασκόλ (to kaskól)
Socken – η κάλτσα (i káltsa)
Hose – το παντελόνι (to pantelóni)
T-Shirt – η μπλούζα (i bloúza)
Jacke – το μπουφάν (to boufán)
Unterwäsche – τα εσώρουχα (ta esórucha)

Ich starre auf die Liste. Kein einziges Wort erinnert mich an irgendetwas das ich schon kenne. Mein Gehirn sucht verzweifelt nach Ankerpunkten – und findet nichts. Nur neue Buchstabenkombinationen die sich anfühlen als hätte jemand gewürfelt.

„Efigenia,“ sage ich, „how do people ever learn this language?“

Sie lächelt. „The same way you learn everything. One word at a time.“

Ich seufze. Schreibe weiter.

Meine Hausaufgabe gebe ich mir an diesem Tag selbst: Ich liste alles auf was ich in meinem Koffer habe. So wie das Kinderspiel – ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Drei Leinenhosen. (τρία παντελόνια λινού)
Fünf T-Shirts. (πέντε μπλούζες)
Sieben Paar Socken. (επτά ζευγάρια κάλτσες)
Einen Schal. (ένα κασκόλ)
Zu viele Bücher. (πάρα πολλά βιβλία)

„Zu viele Bücher“ stand nicht auf Efigenias Liste. Das habe ich mir selbst dazugedacht. Aber es stimmt – ich reise nie ohne zu viele Bücher.

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