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	<title>Irene Kasapis, Autor bei Irene Kasapis</title>
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	<title>Irene Kasapis, Autor bei Irene Kasapis</title>
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		<title>Packen (Teil 22)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 09:28:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Abschiede, Packing Cubes und die Dinge, die in keinen Koffer passen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/">Packen (Teil 22)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mein letztes Wochenende in Korfu-Stadt, bevor ich „aufs Land&#8220; ziehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken ziehen mich schon vor – zum Taxi-Transfer den ich organisiert habe, ob er wohl klappt. Zum Mietwagen den ich in Arillas abholen muss. Zur Yogawoche. Ich stöhne innerlich über die engen, kurvigen Straßen die ich fahren muss. Über die Spirituellen die immer im Café sitzen oder sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben&#8220; – während die Kellner:innen mit Tabletts um sie herumnavigieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche mich in die Gegenwart zurückzuholen. Mit meinem Lieblings-Tool: Ablenkung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gehe ich nochmal zu Marks &amp; Spencer. Den gibt es nicht in München, obwohl er am Ende eigentlich nur ein besserer C&amp;A ist. In den letzten Wochen war ich so oft dort, dass ich die neue Ware schon zwischen der alten erkenne. Ich kaufe mir zwei Shorts und zwei Tops. Als ob ich keine Shorts zu Hause hätte – aber die ersten Wochen auf Korfu waren wettermäßig sehr durchwachsen, und die Hitze kam erst jetzt. Also: Shorts. Die Logik stimmt. Ungefähr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann noch einmal essen an dem ruhigen Platz kurz vor der Neuen Festung. Ich kenne die Gesichter der Angestellten schon – und frage mich ob sie mich wiedererkennen. Eher nicht, bei dem ständigen Strom von Touristen der hier Tag für Tag durchzieht. Ich bin einer von Millionen. Und gleichzeitig war das hier, für ein paar Wochen, mein Kiez.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal in den Supermarkt ums Eck. Letzter Einkauf. Letztes Kochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann packe ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Koffer ist der größte den ich besitze – damals für eine dreiwöchige Indien-Reise gekauft und seitdem nie wieder benutzt. Ich fülle ihn mit Kleidern, Schuhen, Bikinis, sorgfältig sortiert in die schicken Packing Cubes die ich mir für Südafrika zugelegt hatte. Shorts, Shirts, Wäsche, Kabel. Alles an seinem Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Packen entdecke ich die kleinen Neuzugänge der letzten Wochen. Einen schön bemalten Teller den ich als Erinnerung an diese Zeit an meine Wand hängen werde. Einen Schlüsselanhänger. Eine Bluse aus dem schönsten Designerladen in Korfu-Stadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Koffer wirkt erstaunlich leer – bis mein Blick auf eine Supermarkt-Plastiktüte fällt, in der ich die getragene Wäsche der letzten Wochen gesammelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na. Ob der wohl zugeht – mit der ganzen Dreckwäsche drin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Koffer ist sowieso nicht das Problem. Das meiste was ich mitnehme passt in keine Packing Cubes. Fritz, der immer noch da ist aber ein bisschen kleiner geworden ist. Meinen Vater, dessen Sprache ich jetzt ein bisschen spreche. Efigenias Geduld. Ians Schraube und Spyridons Tochter – die auch Irene hieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und meine kleine Irene. Der ich gesagt habe dass sie sicher ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nehme ich auf jeden Fall mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind beide noch hier, mein Körper und ich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/18/packen/">Packen (Teil 22)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<title>„But then she knows how much it costs&#8220; (Teil 21)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 10:42:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine letzte Griechischstunde. Ich hatte überlegt, Efigenia ein Geschenk zu machen. Drei Wochen Geduld verdienen eine Anerkennung. Also dachte ich: ein Gutschein von dem kleinen Buchladen in Korfu-Stadt – das passt zu ihr. Also hin. Die Verkäuferin schaut mich an. Ich frage nach einem Gutschein. Sie schüttelt den Kopf. „No, sorry.&#8220; Ich frage nochmal, etwas...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/14/but-then-she-knows-how-much-it-costs-teil-21/">„But then she knows how much it costs&#8220; (Teil 21)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Meine letzte Griechischstunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte überlegt, Efigenia ein Geschenk zu machen. Drei Wochen Geduld verdienen eine Anerkennung. Also dachte ich: ein Gutschein von dem kleinen Buchladen in Korfu-Stadt – das passt zu ihr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verkäuferin schaut mich an. Ich frage nach einem Gutschein. Sie schüttelt den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage nochmal, etwas langsamer, etwas deutlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch einmal, mit Händen und Füßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„No, sorry.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob sie mich nicht verstehen konnte, nicht verstehen wollte oder es tatsächlich keine Gutscheine gibt – ich werde es nie herausfinden. Dann halt nicht, denke ich, und gehe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der letzten Stunde trage ich stolz meine Kofferliste vor. Drei Leinenhosen, fünf T-Shirts, sieben Paar Socken, einen Schal, zu viele Bücher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Very good,&#8220; sagt Efigenia.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir spielen dann einen Dialog durch – ich soll so tun als würde ich mir ein Kleid kaufen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Θέλω να δω αυτό το φόρεμα,&#8220; sagt Efigenia und zeigt auf ein imaginäres Kleid.&nbsp;<em>I would like to see this dress.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ποιο μέγεθος;&#8220; antworte ich tapfer.&nbsp;<em>What size?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Medium, παρακαλώ.&#8220;&nbsp;<em>Medium, please.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Να το δοκιμάσετε;&#8220;&nbsp;<em>Would you like to try it on?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ναι, ευχαριστώ.&#8220;&nbsp;<em>Yes, thank you.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia nickt zufrieden. Ich bin kurz ein bisschen stolz auf mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann fragt sie: „Είναι για δώρο;&#8220;&nbsp;<em>Is it a gift?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ναι,&#8220; sage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie tut so als würde sie mir etwas überreichen. „Να και μια δωροκάρτα.&#8220;&nbsp;<em>Here is a gift card.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaue sie fragend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„A gift card,&#8220; erklärt sie, „so the person who receives the dress can exchange it if she doesn&#8217;t like it.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schmunzle. Und erkläre ihr dann, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt. Möchte die beschenkte Person etwas umtauschen, bekommt sie die Rechnung. Damit sie im Laden nachweisen kann was sie zurückgeben möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia sieht mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„But then she knows how much it costs!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yes,&#8220; sage ich und zucke bedauernd mit den Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Abschiedsgeschenk an meine geduldige Lehrerin war also ein kleiner Kulturschock.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, wir sind quitt.</p>
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		<title>Mit den Händen auf dem Bauch (Teil 20)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 13:51:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Triggerwarnung: Dieser Text enthält Themen wie sexueller Missbrauch in der Kindheit (ohne explizite Schilderungen), Grooming, Trauer und therapeutische Verarbeitung. Zwei Wochen nach dem Traum – oder der Erinnerung, ich weiß bis heute nicht genau was es war – liege ich erschöpft in meinem Bett. Der Griechischunterricht war wieder anstrengend, lauter neue Wörter die sich in meinem...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/13/mit-den-haenden-auf-dem-bauch/">Mit den Händen auf dem Bauch (Teil 20)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Triggerwarnung:</strong> Dieser Text enthält Themen wie sexueller Missbrauch in der Kindheit (ohne explizite Schilderungen), Grooming, Trauer und therapeutische Verarbeitung. <br><br>Zwei Wochen nach dem Traum – oder der Erinnerung, ich weiß bis heute nicht genau was es war – liege ich erschöpft in meinem Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Griechischunterricht war wieder anstrengend, lauter neue Wörter die sich in meinem Kopf stapeln wie ungelesene Post. Unter meinem kleinen Balkon wuseln die Touristen durch die engen Gassen. Viele Deutsche, wie ich erst verstehe als ein riesiges TUI-Kreuzfahrtschiff sich laut tutend aus dem Hafen von Korfu verabschiedet. Tschüss, Deutschland. Oder: Hallo, Deutschland. Je nachdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Gehirn kommt langsam zur Ruhe, die kühlen Kissen tun ihr Werk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann taucht Fritz auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht als Traum diesmal. Als Erinnerung. Eine die ich lange nicht angeschaut hatte – oder nicht anschauen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz war damals der Einzige, der mit mir über meine Mutter gesprochen hatte. Sie war in diesem endlosen Kreislauf gefangen: Krankenhaus, Reha, zu Hause, Krankenhaus. Niemand aus meiner Familie erklärte mir warum. Wenn ich meinen Vater fragte, antwortete er: „Sie ist krank.&#8220; Das war alles. Mehr gab es nicht. Die Tür war zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz aber sprach mich direkt darauf an. Ich meine mich zu erinnern, dass er einmal sagte: „Es ist okay, traurig zu sein.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf Wörter. Für ein dreizehnjähriges Mädchen das nicht wusste warum seine Mutter immer wieder verschwand, waren das fünf sehr große Wörter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte also nicht nur Fotos von sich mitgebracht und Griechisch unterrichtet. Er hatte zugehört. Er hatte gefragt. Er hatte eine Lücke gefüllt, die mein Vater – der Mann mit der Faust auf dem Tisch, der Mann dessen Stimme ich noch heute im Kopf höre – nicht füllen konnte oder wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Korfu kam das Biopic über Michael Jackson in die Kinos. Das Marketing war groß, und eigentlich liebe ich diese Filme. Aber bei Michael Jackson war bei mir Schluss. Zu sehr hatte sich das Wort in meinem Kopf festgesetzt. Ich schaute mir dann mit Bauchschmerzen die Dokumentation „Leaving Neverland&#8220; an – die Geschichte von zwei Männern, die erzählen was Michael Jackson mit ihnen gemacht hatte, als sie kleine Jungen waren. Nicht reißerisch. Aber so, dass man versteht was da passiert ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinen Augen ist er schuldig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Absurde, das mich nicht losließ: Nach dieser Dokumentation verstand ich zum ersten Mal, dass diese Menschen gleichzeitig krank und genial sein können. Dass das eine das andere nicht ausschließt. Dass jemand Musik machen kann die eine ganze Generation bewegt – und gleichzeitig ein Kind missbrauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie Fritz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der sich bei seinem Übergriff auf mich wahrscheinlich nicht viel gedacht hat. Dem vermutlich nicht bewusst war, was er tat als er mich nach meiner Mutter fragte, als er mir seine alten Fotos zeigte – jung und schön, wie er selbst sagte – als er Vertrauen aufbaute, Woche für Woche, Stunde für Stunde. Dieses langsame, geduldige Heranarbeiten an ein Kind das einsam war und traurig und sich nach jemandem sehnte der zuhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grooming nennt man das heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals nannte ich es: endlich jemand der mich versteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starre an die Decke meines Apartments in Korfu und denke: Wie viel Wut darf ich auf jemanden haben, den ich mochte? Auf jemanden der mir etwas gegeben hat – Aufmerksamkeit, Wärme, das Gefühl gesehen zu werden – und mir gleichzeitig etwas genommen hat, ohne dass ich wusste dass da überhaupt etwas zu nehmen war?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme aus diesem Erinnerungs-Loop nicht mehr raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schreibe ich meiner Therapeutin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir vereinbaren eine Online-Sitzung, und ich erzähle ihr alles. Die ganze Geschichte. Und mitten im Erzählen breche ich in Tränen aus – nicht dramatisch, nicht laut, sondern so wie Tränen manchmal kommen wenn man endlich aufgehört hat sie zurückzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie alt bist du gerade?&#8220; fragt sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlege einen Moment. „So alt wie damals. Als es passiert ist.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was fühlst du gerade?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen riesengroßen Wut-Klumpen im Bauch.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schweigt kurz. Dann sagt sie: „Dann lass uns einfach damit sein. Leg deine Hände auf den Bauch. Mach die Augen zu. Und sag deiner kleinen Irene alles was sie gerade hören muss.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage laut, in mein Apartment in Korfu, mit den Händen auf dem Bauch und den Augen zu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist nicht deine Schuld. Du bist sicher. Du bist nicht allein. Ich beschütze dich.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Stunde spüre ich wie ich wieder freier atmen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht geheilt. Nicht fertig. Aber freier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und draußen vor meinem Fenster rauscht das Meer weiter, gleichmäßig und geduldig, als hätte es die ganze Zeit gewartet.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Griechischunterricht lerne ich heute Kleidung. Eigentlich einfach – Alltagsvokabular, nichts Philosophisches, keine unmöglichen Verben. Nur macht es das Griechische wieder mal schwer: Kein einziges Wort lässt sich ableiten. Würde ich Englisch, Spanisch oder Italienisch lernen, könnte ich auf mein spärliches Latein aus Gymnasiumszeiten zurückgreifen. Ein bisschen raten, ein bisschen kombinieren, meistens hinkommen. Im Griechischen?...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/12/wie-lernen-menschen-jemals-diese-sprache-teil-19/">Wie lernen Menschen jemals diese Sprache? (Teil 19)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Griechischunterricht lerne ich heute Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich einfach – Alltagsvokabular, nichts Philosophisches, keine unmöglichen Verben. Nur macht es das Griechische wieder mal schwer: Kein einziges Wort lässt sich ableiten. Würde ich Englisch, Spanisch oder Italienisch lernen, könnte ich auf mein spärliches Latein aus Gymnasiumszeiten zurückgreifen. Ein bisschen raten, ein bisschen kombinieren, meistens hinkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Griechischen? Pfft. Keine Chance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also lerne ich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schal – το κασκόλ&nbsp;<em>(to kaskól)</em><br>Socken – η κάλτσα&nbsp;<em>(i káltsa)</em><br>Hose – το παντελόνι&nbsp;<em>(to pantelóni)</em><br>T-Shirt – η μπλούζα&nbsp;<em>(i bloúza)</em><br>Jacke – το μπουφάν&nbsp;<em>(to boufán)</em><br>Unterwäsche – τα εσώρουχα&nbsp;<em>(ta esórucha)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starre auf die Liste. Kein einziges Wort erinnert mich an irgendetwas das ich schon kenne. Mein Gehirn sucht verzweifelt nach Ankerpunkten – und findet nichts. Nur neue Buchstabenkombinationen die sich anfühlen als hätte jemand gewürfelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Efigenia,&#8220; sage ich, „how do people ever learn this language?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lächelt. „The same way you learn everything. One word at a time.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufze. Schreibe weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Hausaufgabe gebe ich mir an diesem Tag selbst: Ich liste alles auf was ich in meinem Koffer habe. So wie das Kinderspiel – ich packe meinen Koffer und nehme mit&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Leinenhosen.&nbsp;<em>(τρία παντελόνια λινού)</em><br>Fünf T-Shirts.&nbsp;<em>(πέντε μπλούζες)</em><br>Sieben Paar Socken.&nbsp;<em>(επτά ζευγάρια κάλτσες)</em><br>Einen Schal.&nbsp;<em>(ένα κασκόλ)</em><br>Zu viele Bücher.&nbsp;<em>(πάρα πολλά βιβλία)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zu viele Bücher&#8220; stand nicht auf Efigenias Liste. Das habe ich mir selbst dazugedacht. Aber es stimmt – ich reise nie ohne zu viele Bücher.</p>
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		<title>Sieben Euro für ein kleines Glück (Teil 18)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich fühle mich nicht wie die Frau die Leinen trägt. Ihr wisst welche ich meine – die die entspannt auf einer Terrasse sitzt, Weißwein in der Hand, das Leinen fällt in perfekten Falten. Ich trage Leinen trotzdem. Hier in Griechenland fühlt es sich einfach richtig an. Für meine Reise nach Südafrika Anfang des Jahres hatte...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/07/10/sieben-euro-fuer-ein-kleines-glueck-teil-18/">Sieben Euro für ein kleines Glück (Teil 18)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich fühle mich nicht wie die Frau die Leinen trägt. Ihr wisst welche ich meine – die die entspannt auf einer Terrasse sitzt, Weißwein in der Hand, das Leinen fällt in perfekten Falten. Ich trage Leinen trotzdem. Hier in Griechenland fühlt es sich einfach richtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Reise nach <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/12/yoga-rundreise-suedafrika-meine-ehrliche-erfahrung/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/04/12/yoga-rundreise-suedafrika-meine-ehrliche-erfahrung/">Südafrika</a> Anfang des Jahres hatte ich mir eine komplette Sommergarderobe bestellt – darunter drei Leinenhosen. Da ich für die Standardgrößen der Modehäuser zu klein bin, müssen neue Hosen bei mir immer zum Kürzen. In München hatte mich das zuletzt zwanzig Euro gekostet. Pro Hose.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreimal gewaschen hat sich die Naht am gekürzten Bein bei einer der Hosen nun auf Korfu aufgelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schneiderin in München hat einen Scheiß-Job gemacht, denke ich, und google nach einem Schneider in Korfu-Stadt. Ich finde einen kleinen Laden in einer Seitengasse vom <a href="https://irenekasapis.de/2026/06/27/die-taube-hustet/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/06/27/die-taube-hustet/">St. Rocco Square</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich die Tür öffne, sitzt ein junger Mann auf dem Boden und repariert ein Fahrrad. Ich schaue mich unsicher um. Bin ich hier richtig? Dann sehe ich hinter ihm die Nähmaschine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Do you speak English?&#8220; frage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Yes,&#8220; sagt er, und es klingt stolz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich halte ihm die Hose hin und zeige auf die aufgelöste Naht. „This needs to be re-sewn. Properly.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nickt, dreht die Hose in den Händen, betrachtet den Schaden mit der ruhigen Sachlichkeit eines Mannes der schon Schlimmeres gesehen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„When will it be ready?&#8220; frage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tomorrow.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„And how much?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seven euros.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Euro. Ich schaue ihn an. Er schaut zurück. Sieben Euro, denke ich. Ich sage: „Okay.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er bittet mich um meine Handynummer, notiert sich die letzten drei Ziffern auf einem kleinen Zettel – und steckt ihn mit einer Nadel direkt an meiner Hose fest. Ich verlasse den Laden und frage mich kurz ob ich meine Hose jemals wiedersehen werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag stehe ich wieder in der Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Do you have the last numbers of your mobile phone number?&#8220; werde ich gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage sie ihm. Er kramt durch eine Reihe von Plastiktüten – kleine Tüten, große Tüten, Papier, Plastik, alle auf dem Boden verteilt, alle wartend auf Abholung – und zieht schließlich meine Hose hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich betrachte die Naht. Sauber, gerade, fest. Besser als neu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zurück zum Apartment drücke ich die Hose fest an mich – und flüstere, ohne darüber nachzudenken:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da bist du ja wieder.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wäre sie ein Teil von mir gewesen den ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Und nicht nur vierundzwanzig Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht warum mich diese Kleinigkeit so glücklich macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie tut es. Und das reicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht weil sie einfach nur repariert ist. Ohne große Worte. Ohne Erwartungen. Einfach: kaputt, und dann wieder heil.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Im Schmerz ist auch noch eine Verbindung (Teil 17)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/08/im-schmerz-ist-auch-noch-eine-verbindung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>An jedem dritten Montag im Monat bin ich Teil einer Online-Trauergruppe. Wie immer startet die Leiterin den Call mit einer Check-in-Runde. Ich schicke in den Chat, dass ich noch fünf Minuten brauche – und rauche noch eine auf meinem kleinen Balkon. Der Platz unter mir ist ruhig an diesem Abend. Die Kreuzfahrttouristen längst wieder in...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">An jedem dritten Montag im Monat bin ich Teil einer Online-Trauergruppe. Wie immer startet die Leiterin den Call mit einer Check-in-Runde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schicke in den Chat, dass ich noch fünf Minuten brauche – und rauche noch eine auf meinem kleinen Balkon. Der Platz unter mir ist ruhig an diesem Abend. Die Kreuzfahrttouristen längst wieder in ihren Kabinen, irgendwo auf hoher See. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schalte mein Video ein und mache es mir auf dem Bett bequem. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich an die Reihe komme, bricht die Trauer aus mir raus. Die, die mein ständiger Begleiter hier auf Korfu ist. Die die ich tagsüber mit Vokabeln und Sandwiches und Katzen und Kirchenkerzen auf Abstand halte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage: „Ich habe hier in jeder Unterrichtsstunde Berührung mit der Sprache von Papa. In einem griechischen Wort das er immer gesagt hat. In einem Kochrezept das er liebte. Die Trauer ist wie Papierschnitte an meiner Seele hier.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann muss ich aufschluchzen. Weil die zweite Woche auf Korfu die Woche vor dem dreißigsten Todestag meiner Mutter ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreißig Jahre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Muttertag hatte ich noch ganz gut überstanden – Ablenkung hilft, Eis essen hilft, durch die Gassen laufen hilft. Dieser Abstand von zu Hause, von den vertrauten Ecken in München, von den Orten die mich an sie erinnern. Das hilft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber diese dreißig Jahre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich die Augen schließe und mir mein Herz vorstelle, dann ist der Schmerz um den Verlust meiner Mutter – die starb als ich sechzehn war – nur noch ein kleines Loch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie auf den Abschreckbildern auf den Zigarettenpackungen. Klein, dunkel, präzise. Ich erschrecke mich darüber. Dass dieses Loch, das ich in der Vergangenheit versucht habe zu stopfen – mit Alkohol, mit Männern, mit Party, mit Arbeit – so klein geworden ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass mein Leben quasi drum herum gewachsen ist, wie ein Baum um einen Fremdkörper. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und gleichzeitig: dieses kleine Loch tut so weh. Noch immer. Immer noch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Mutter hat alles verpasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein ganzes Leben. Die Freundinnen, die Männer, die Bücher, die Niederlagen, die kleinen Siege, München, Korfu, diese Trauergruppe an einem Montagabend auf einem Bett in Griechenland. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin jetzt fast dreimal so lange am Leben ohne sie als mit ihr. Sie kannte mich nur als Kind. Sie wird mich nie als Frau kennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist doch scheiße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige woran ich innerlich noch anknüpfen kann sind unsere Familienurlaube in Griechenland. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sechs Wochen im Sommer, zwei zu Ostern, zwei zu Pfingsten. Hier, auf diesem Boden, in dieser Luft, spüre ich manchmal noch etwas von ihr. Ein Schatten von ihr. Eine Wärme die ich nicht benennen kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Erinnerungen verblassen. Werden überlagert von anderen Erinnerungen, neueren, lauteren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gehirn ist gnadenlos in seiner Buchhaltung – es macht Platz für das Neue und schiebt das Alte nach hinten, in die dunkleren Regale. Ich wühle manchmal dort. Suche ihr Gesicht, ihre Stimme, den Geruch von ihr. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal finde ich etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal finde ich nur den Staub.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leiterin der Trauergruppe sagt an diesem Abend einen Satz der mich still werden lässt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Schmerz ist auch noch eine Verbindung.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sitze auf meinem Bett in Korfu und lasse das sacken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kleine Loch in meiner Brust – es ist nicht nur Verlust. Es ist auch sie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange es wehtut, ist sie noch da. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwie. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihre Art. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rauche noch eine auf dem Balkon. Der Platz unter mir ist still.</p>
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		<title>Dann lass uns einfach damit sein (Teil 16)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/06/dann-lass-uns-einfach-damit-sein/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 11:41:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Fritz-Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf. Ich merke es als ich in Mon Repos sitze – auf einem weichen Batzen Seegras, das Meer vor mir, die Sonne warm auf meiner Haut. Der perfekte Ort um nichts zu denken. Und trotzdem. Ich ziehe alle Tools zu Rate die mir einfallen. Die Vier-mal-vier-Atmung – vier...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die Fritz-Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merke es als ich in Mon Repos sitze – auf einem weichen Batzen Seegras, das Meer vor mir, die Sonne warm auf meiner Haut. Der perfekte Ort um nichts zu denken. Und trotzdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ziehe alle Tools zu Rate die mir einfallen. Die Vier-mal-vier-Atmung – vier Sekunden einatmen, vier halten, vier ausatmen, vier warten. Mit der linken Hand langsame Schleifen über Papier ziehen. Schwimmen. Nichts hilft. Fritz bleibt. Die Erinnerungen kommen in Wellen, eine nach der anderen, und mir wird immer klarer wie geschickt er damals mein Vertrauen aufgebaut hatte. Die lustigen Geschichten über sich als Junge in Griechenland. Die Fotos aus seiner Jugend die er mitbrachte. Das Lachen. Die Wärme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, während ich aufs Meer starre, fällt es mir plötzlich ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war einer der wenigen gewesen, der mir erlaubt hatte traurig zu sein. Wegen meiner Mutter. Die damals entweder im Krankenhaus war, oder auf Reha – auf jeden Fall nicht zu Hause, nicht da, nicht greifbar. Niemand erklärte mir warum. Niemand fragte wie es mir damit ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz fragte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann – irgendwo zwischen diesem Gedanken und dem nächsten – taucht noch etwas auf. Eine Erkenntnis die sich anfühlt als hätte ich sie schon immer gewusst, ohne es je in Worte gefasst zu haben: Nach dem Moment seines Übergriffs auf mich hatte ich wohl, tief und unbewusst, abgespeichert dass ich ab sofort alleine bin. Dass ich alleine klarkommen muss. Im Leben, mit dem Schmerz, mit allem. Weil ich es niemandem erzählen konnte. Weil es kein Wort dafür gab, zumindest nicht für ein dreizehnjähriges Mädchen das einfach nur wollte dass jemand zuhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme aus diesem Erinnerungs-Loop nicht mehr raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also schreibe ich meiner Therapeutin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir vereinbaren eine Online-Sitzung, und ich erzähle ihr alles. Die ganze Geschichte. Und mitten im Erzählen breche ich in Tränen aus – nicht dramatisch, nicht laut, sondern so wie Tränen manchmal kommen wenn man endlich aufgehört hat sie zurückzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie alt bist du gerade?&#8220; fragt sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlege einen Moment. „So alt wie damals. Als es passiert ist.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was fühlst du gerade?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen riesengroßen Wut-Klumpen im Bauch.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie schweigt kurz. Dann sagt sie: „Dann lass uns einfach damit sein. Leg deine Hände auf den Bauch. Mach die Augen zu. Und sag deiner kleinen Irene alles was sie gerade hören muss.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage laut, in mein Apartment in Korfu, mit den Händen auf dem Bauch und den Augen zu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist nicht deine Schuld. Du bist sicher. Du bist nicht allein. Ich beschütze dich.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Stunde spüre ich wie ich wieder freier atmen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht geheilt. Nicht fertig. Aber freier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und draußen vor meinem Fenster rauscht das Meer weiter, gleichmäßig und geduldig, als hätte es die ganze Zeit gewartet.</p>
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		<item>
		<title>Der Netflix-Film in meinem Kopf (Teil 15)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/04/der-netflix-film-in-meinem-kopf-teil-16/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 08:12:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gehe wieder zu einem Meet-and-Mingle-Abend. Dieses Mal weiß ich aber schon im Vorfeld, dass drei Männer kommen werden. Die Organisatorin hatte es mir beim Kaffee beiläufig erwähnt – nicht wissend, dass sie damit eine ganze Filmproduktion in meinem Kopf anwirft. Denn so funktioniert das bei mir: Höre ich das Wort „Männer&#8220;, springt sofort der...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe wieder zu einem Meet-and-Mingle-Abend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Mal weiß ich aber schon im Vorfeld, dass drei Männer kommen werden. Die Organisatorin hatte es mir beim Kaffee beiläufig erwähnt – nicht wissend, dass sie damit eine ganze Filmproduktion in meinem Kopf anwirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn so funktioniert das bei mir: Höre ich das Wort „Männer&#8220;, springt sofort der romantische Netflix-Film an. Der eine in dem ich mich an diesem Abend verliebe, mein Leben in München aufgebe, in Griechenland bleibe – oder wo auch immer der Mann in diesem Szenario herkommt. Das Drehbuch ist immer dasselbe, nur die Kulisse wechselt. Korfu ist eine schöne Kulisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was wirklich geschah, war folgendes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Mann: ein Engländer, etwa in meinem Alter, eher der kreative Typ, hat schon hier und dort gelebt. Er erzählte von seinen Vorfahren, die aus Griechenland nach England gegangen waren, und sagte dann, fast nebenbei:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„I guess, back then people just got stuck with someone faster.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte nicken können. Ich hätte schweigen können. Ich hätte „Hmm, interesting&#8220; sagen können wie ein normaler Mensch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen – und das passiert mir wirklich nicht oft – antwortete ich ohne jeden Filter:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„That&#8217;s such a cynical way of talking about love.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schaute mich an. Schluckte. Murmelte dann: „I didn&#8217;t mean it in a cynical way.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ab da war ich raus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht körperlich – ich saß noch da, nickte, hielt mein Glas fest. Aber innerlich hatte ich die Rollläden runtergelassen. Für mich fühlte es sich an als hätte ich einen Konflikt angezettelt, was natürlich nicht wirklich der Fall war – aber so arbeitet mein Kopf nun mal. Ein ungefilterter Satz, eine kleine Stille, und schon bin ich überzeugt, den Abend ruiniert zu haben. Die folgenden Gespräche rauschten an mir vorbei wie Züge an einem Bahnhof, an dem ich nicht einsteigen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerettet wurde der Abend von einem Griechen, der später dazukam und uns allen am Tisch von seiner Band erzählte – ganz stolz, mit leuchtenden Augen. Sie würden am 21. Mai in der Parade mitspielen, dem großen Feiertag auf Korfu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„When and where?&#8220; fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„At Liston Square. At twelve.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Okay,&#8220; sagte ich. „I will be there.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das meinte ich ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Mann hieß Spiros – nicht mein Vermieter, ein anderer Spiros, Korfu hat davon einige – und er organisiert für die Facebook-Gruppe Wanderungen über die Insel. Dass ein Grieche überhaupt zu solchen Abenden kommt ist ein bisschen ungewöhnlich; man bleibt hier eher unter sich. Ich fand es sympathisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Schluss lernte ich noch die Besitzerin des Bisou Cafés kennen – in dem die berühmte griechische Serie „Maestro&#8220; einen kleinen Auftritt hatte. Sie lud mich zum Musikabend am folgenden Samstag ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Maybe,&#8220; sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bei mir meistens <em>Nein</em> bedeutet.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wer langsam geht, kann besser schwätzen (Teil 14)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/07/01/wer-langsam-geht-kann-besser-schwaetzen-teil-14/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 10:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Gang der Griechen ist langsam. Die Füße schleifen über den Boden, als wären sie fest mit ihrer Erde verbunden – als würden sie sagen: Hier gehöre ich hin. Hier bleibe ich. Kein Hetzen, kein Zielstrebigkeit, kein Münchner Gehweg-Überholen von rechts weil der andere zu langsam ist. Ich erkläre mir diese Langsamkeit so: Wer langsam...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Gang der Griechen ist langsam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Füße schleifen über den Boden, als wären sie fest mit ihrer Erde verbunden – als würden sie sagen: Hier gehöre ich hin. Hier bleibe ich. Kein Hetzen, kein Zielstrebigkeit, kein Münchner Gehweg-Überholen von rechts weil der andere zu langsam ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erkläre mir diese Langsamkeit so: Wer langsam geht, kann besser schwätzen. Ein kurzes Hallo an die Nachbarin, ein kurzer Austausch über das Wetter – und schon wird weitergeschlurft. Die Langsamkeit ist kein Mangel an Energie. Sie ist Methode.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es scheint als wäre der Aus-Knopf für Geschwindigkeit irgendwann im Sommer gedrückt worden – und dann einfach hängen geblieben. Das ganze Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außer ein Grieche will etwas von jemandem. Oder ist stinkig. Dann ersetzen wilde Gesten die Langsamkeit der Füße, und die Lautstärke der Wörter springt von Stufe drei auf Stufe zwölf – ohne Zwischenstufen, ohne Vorwarnung. Griechischen Gesprächen zuzuhören klingt manchmal so als würde gleich ein Krieg ausbrechen. Dabei geht es wahrscheinlich nur darum, wer die Rechnung bezahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An. Aus. An. Aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne diesen Schalter. Ich bin mit ihm aufgewachsen.</p>
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		<item>
		<title>Die Sonne scheint. Es schneit nicht mehr (Teil 13)</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/06/29/die-sonne-scheint-es-schneit-nicht-mehr-teil-13/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 09:07:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadt, Land, Heimat?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Griechischunterricht merke ich zum ersten Mal, wie frustrierend es ist, eine Frage zu verstehen – aber nicht antworten zu können wie ich es möchte. Efigenia fragt mich, wie das Wetter in Deutschland im Frühling ist. Ich möchte ihr erzählen, dass der Frühling meine Lieblingszeit ist. Dass es so schön ist, wenn die Blumen wieder...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/06/29/die-sonne-scheint-es-schneit-nicht-mehr-teil-13/">Die Sonne scheint. Es schneit nicht mehr (Teil 13)</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Im Griechischunterricht merke ich zum ersten Mal, wie frustrierend es ist, eine Frage zu verstehen – aber nicht antworten zu können wie ich es möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia fragt mich, wie das Wetter in Deutschland im Frühling ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte ihr erzählen, dass der Frühling meine Lieblingszeit ist. Dass es so schön ist, wenn die Blumen wieder blühen und die Bäume grün werden und man wieder länger draußen sein kann. Dass die Uhr umgestellt wird und die Abende sich dehnen und München plötzlich wieder bewohnbar wirkt. Auf Englisch würde das in einer Minute gehen, ohne nachzudenken, fließend und farbenfroh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Griechisch antworte ich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Sonne scheint. Es schneit nicht mehr.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Efigenia nickt. „Very good.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nicke zurück und denke: Das war nicht gut. Das war armselig. Das war—</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann halte ich inne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor zwei Wochen hätte ich nur gesagt: „Sonne.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das also doch Fortschritt. Keine großen Geschichten noch, keine Lieblingsjahreszeitenmonologe. Aber immerhin: ein Satz. Mit Verb. Der stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besser kurze Sätze als lange Geschichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für jetzt.</p>
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