Der Netflix-Film in meinem Kopf (Teil 15)

Ich gehe wieder zu einem Meet-and-Mingle-Abend.

Dieses Mal weiß ich aber schon im Vorfeld, dass drei Männer kommen werden. Die Organisatorin hatte es mir beim Kaffee beiläufig erwähnt – nicht wissend, dass sie damit eine ganze Filmproduktion in meinem Kopf anwirft.

Denn so funktioniert das bei mir: Höre ich das Wort „Männer“, springt sofort der romantische Netflix-Film an. Der eine in dem ich mich an diesem Abend verliebe, mein Leben in München aufgebe, in Griechenland bleibe – oder wo auch immer der Mann in diesem Szenario herkommt. Das Drehbuch ist immer dasselbe, nur die Kulisse wechselt. Korfu ist eine schöne Kulisse.

Was wirklich geschah, war folgendes.

Der erste Mann: ein Engländer, etwa in meinem Alter, eher der kreative Typ, hat schon hier und dort gelebt. Er erzählte von seinen Vorfahren, die aus Griechenland nach England gegangen waren, und sagte dann, fast nebenbei:

„I guess, back then people just got stuck with someone faster.“

Ich hätte nicken können. Ich hätte schweigen können. Ich hätte „Hmm, interesting“ sagen können wie ein normaler Mensch.

Stattdessen – und das passiert mir wirklich nicht oft – antwortete ich ohne jeden Filter:

„That’s such a cynical way of talking about love.“

Stille.

Er schaute mich an. Schluckte. Murmelte dann: „I didn’t mean it in a cynical way.“

Und ab da war ich raus.

Nicht körperlich – ich saß noch da, nickte, hielt mein Glas fest. Aber innerlich hatte ich die Rollläden runtergelassen. Für mich fühlte es sich an als hätte ich einen Konflikt angezettelt, was natürlich nicht wirklich der Fall war – aber so arbeitet mein Kopf nun mal. Ein ungefilterter Satz, eine kleine Stille, und schon bin ich überzeugt, den Abend ruiniert zu haben. Die folgenden Gespräche rauschten an mir vorbei wie Züge an einem Bahnhof, an dem ich nicht einsteigen wollte.

Gerettet wurde der Abend von einem Griechen, der später dazukam und uns allen am Tisch von seiner Band erzählte – ganz stolz, mit leuchtenden Augen. Sie würden am 21. Mai in der Parade mitspielen, dem großen Feiertag auf Korfu.

„When and where?“ fragte ich.

„At Liston Square. At twelve.“

„Okay,“ sagte ich. „I will be there.“

Und das meinte ich ernst.

Der dritte Mann hieß Spiros – nicht mein Vermieter, ein anderer Spiros, Korfu hat davon einige – und er organisiert für die Facebook-Gruppe Wanderungen über die Insel. Dass ein Grieche überhaupt zu solchen Abenden kommt ist ein bisschen ungewöhnlich; man bleibt hier eher unter sich. Ich fand es sympathisch.

Zum Schluss lernte ich noch die Besitzerin des Bisou Cafés kennen – in dem die berühmte griechische Serie „Maestro“ einen kleinen Auftritt hatte. Sie lud mich zum Musikabend am folgenden Samstag ein.

„Maybe,“ sagte ich.

Was bei mir meistens Nein bedeutet.

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