Vorstellungsgespräch mit ChatGPT vorbereiten: Mein Selbstversuch
Ich habe es geschafft. Ein Online-Pre-Interview. Oder wie man das nennt.
Ich freue mich wahnsinnig. Und dann, fast im selben Atemzug: Was erzähle ich denen eigentlich?
Also beschließe ich, mein Vorstellungsgespräch mit ChatGPT vorzubereiten.
Vorstellungsgespräch mit ChatGPT vorbereiten
Also füttere ich ChatGPT. Die Stellenanzeige. Die Webseite des Arbeitgebers. Noch einmal meinen Lebenslauf. Mein Anschreiben.
Dann übe ich „Bewerbungsdeutsch“.
Ich lasse mir Fragen stellen, wie sie in einem Vorstellungsgespräch vorkommen könnten. Und antworte laut. Per Sprachaufnahme.
Hier überschreite ich eine Grenze, die ich vorher nie durchritten habe. Chatti kennt jetzt meine Stimme. Weiß, wann ich „äh“ und „öh“ sage. Weiß, wann ich komplett aus dem Sprechen rausfalle und mich im eigenen Kopf verfange.
Fühlt sich irgendwie unangenehm an.
Bewerbungssprache spreche ich einfach nicht
Das Problem ist: Ich spreche Bewerbungssprache im echten Leben einfach nicht.
Ich sage normale Sätze wie „ich arbeite strukturiert“ – nicht „ich verfüge über eine ausgeprägte Fähigkeit zur effizienten Priorisierung komplexer Aufgabenstellungen“.
Deshalb bilde ich mir ein, üben zu müssen.
Zweimal simuliere ich das Gespräch. Ich liebe es, dass ich die Frage ablesen kann und mich voll auf die Antwort konzentrieren darf.
Im echten Gespräch weiß ich, dass ich die Angewohnheit habe, innerlich abzudriften. Mir Fragen zu stellen:
Wieso schaut mein Gegenüber jetzt so?
Oh oh. Das hätte ich vielleicht anders formulieren sollen.
Kürzer. Schlauer. Besser.
Nach der ersten Runde bin ich durchgeschwitzt. Ich bitte Chatti, den Ton runterzufahren.
Kein Marketing-Buzzword-Gedöns mehr.
Mehr ich.
Die zweite Runde klappt besser. Ich antworte flüssiger. Verstehe auch: Ich muss keine langen, gefühlsbetonten Geschichten erzählen.
Chatti ermutigt mich sogar, mehr Gehalt zu verlangen, als ich es selbst getan hätte – wobei ich mir dafür lieber noch Rat bei Google und Claude hole.
Am Ende fühle ich mich genug geübt. Und freue mich auf das Gespräch am nächsten Tag.
Und dann kommt das echte Vorstellungsgespräch
Das Gespräch selbst läuft gut. Die Dame auf meinem Bildschirm ist sympathisch, aber nicht overenthusiastisch.
Ich stelle meine Fragen. Sie antwortet.
Wir verbleiben so, dass ich mich melden soll, falls ich mir die Stelle nach dem Gespräch weiterhin vorstellen kann.
Was ich natürlich kann.
Ich ziehe meine Business-Bluse aus – die ich über meiner Pyjamahose getragen habe – und setze mich auf mein Rad.
Ich gehe das Gespräch im Kopf noch einmal durch.
An die Reihenfolge der Fragen, die ich mit Chatti geübt habe, hat sich die Dame natürlich nicht gehalten.
War trotzdem gut, dass ich geübt habe.
Ich hatte das Gefühl, innerlich ein bisschen overprepared zu sein. Das hat geholfen, meine Nervosität im Griff zu behalten.
Ob sie sich auch gefragt hat, warum ich manchmal so komisch geguckt habe.
Wer weiß.___________________________________
Mehr aus „Unbeschäftigt“
Die Jobsuche hat noch ein paar andere Geschichten produziert:
→ Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung
Über Hoffnung, Selbstzweifel, Optimierungswahn – und den Punkt, an dem aus „Bitte wollt mich“ plötzlich „Will ich euch eigentlich?“ wird.
→ Souveräner Auftritt im Vorstellungsgespräch – der Workshop
Über Scham, Nervosität und den Versuch, sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten, wenn die Jobsuche längst am Selbstbewusstsein kratzt.
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