Workshop Vorstellungsgespräch: Meine persönliche Erfahrung
Lange schleiche ich um die Buchung für einen Workshop zum Vorstellungsgespräch herum.
„Souveräner Auftritt in Vorstellungsgesprächen.“
Ich habe die leise Befürchtung, dort auf Menschen zu treffen, denen es genauso geht wie mir: eine erfolglose Bewerbung nach der anderen.
Denn die Wahrheit ist:
Ich schäme mich.
Ich schäme mich, dass ich es noch nicht geschafft habe, einen Job zu finden.
Warum eigentlich?
Auf dem Rad, auf dem Weg zum Workshop, fällt mir ein:
Warum eigentlich?
Warum muss immer alles an mir liegen?
Kann es nicht auch einfach sein, dass der Münchner Markt, gerade im Marketing, komplett übervoll ist?
Ich stehe an einer roten Ampel und die Scham hat mich doch wieder eingeholt.
Ich kann sie hinter mir hören, wie sie ihre Schuhe in die Pedale klickt.
„Wie du dich souverän in Vorstellungsgesprächen präsentierst, müsstest du doch wissen, Irene!“
Die Ampel springt auf Orange.
Die Scham rückt noch einmal ihre winddichte, selbsttönende Fahrradbrille zurecht.
Bei Grün überholt sie mich von rechts und flitzt davon.
Von Kopf bis Fuß in Ryzon eingekleidet, versteht sich.
Ich liefere mir kein Wettrennen mit ihr.
Ich kenne dieses Gefühl auf der Überholspur zu gut, um mich mit ihm messen zu wollen.
Workshop zum Vorstellungsgespräch
Beim Workshop zum Vorstellungsgespräch bin ich furchtbar aufgeregt.
So sehr, dass ich kurz überlege, mich zu entschuldigen und wieder zu gehen.
Meine innere Perfektionistin muss sich heimlich mit ihrer Zwillingsschwester, der People-Pleaserin, in meinen Rucksack geschlichen haben.
Auf der Fahrt haben die beiden ihren Weg in meine Brust gefunden.
Dort machen sie jetzt Radau.
So laut, dass ich kaum noch Luft bekomme.
Die freundliche Workshop-Leiterin gibt uns einen Tipp für Vorstellungsgespräche:
Atmen.
Atmen.
Atmen.
Also versuche ich, während des Workshops einfach zu atmen und mich zu entspannen.
Klappt nur bedingt.
Also versuche ich es mit Mitschreiben, wie früher in der Schule, um mich von der Nervosität abzulenken.
Klappt auch nur bedingt.
Was ich aus dem Workshop mitnehme
Da ich zugestimmt habe, den weiteren Inhalt des Workshops nicht öffentlich zu machen, kann ich leider nicht auf die Details eingehen.
Vielleicht nur so viel:
Vor jedem Vorstellungsgespräch, das ich danach führe, bin ich vorbereitet.
Mit Zetteln.
Im Kopf.
Mit sehr viel Atmen.
Vielleicht ging es gar nicht nur um Vorstellungsgespräche
Als ich mich in der Dunkelheit auf den Heimweg mache, sind meine inneren Antreiber zu müde, um mich weiter zu nerven.
Stattdessen spüre ich eine Erleichterung in mir aufsteigen.
Und das Schöne ist:
Diese Erleichterung ist unkompliziert.
Ganz einfach.
Was selten ist in diesem ganzen komplizierten Prozess, in dem ich so oft das Gefühl der Machtlosigkeit habe.
Als würde ich gegen Windmühlen kämpfen, die sich einfach nicht bewegen lassen.
Egal, wie viele Bewerbungen ich schreibe.
Egal, wie oft ich mich vorbereite.
Es war gut, dass ich den Workshop besucht habe.
Und vielleicht war das Wichtigste daran gar nicht, danach souveräner in Vorstellungsgesprächen zu sein.
Vielleicht war es die Erkenntnis, dass ich nicht die Einzige bin, die versucht, in diesem Prozess irgendwie zurechtzukommen.
Dass da andere Menschen sitzen, die sich ebenfalls vorbereiten.
Die ebenfalls lernen.
Die ebenfalls versuchen, es beim nächsten Mal ein bisschen besser zu machen.
So hatte ich wenigstens für zwei Stunden nicht das Gefühl, mit dem ganzen Bewerbungsprozess allein zu sein.
Und das ist schon viel wert.
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Mehr aus „Unbeschäftigt“:
Die Jobsuche hat noch ein paar andere Geschichten produziert:
→ Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung
Über Hoffnung, Selbstzweifel und die Frage, was Bewerben eigentlich mit einem macht.
→ Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist
Über sehr viel freie Zeit, sehr wenig Kontrolle und meine teilweise fragwürdigen Methoden, damit umzugehen.
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Titelphoto von Franziska Freiwald
