Personalvermittlung bei der Jobsuche – persönliche Erfahrung mit einer Personalvermittlerin

Die Personalvermittlerin

Ich sehe eine neue Stellenanzeige. Kurz bevor ich auf „Bewerben“ klicke, stoppe ich.

Es ist eine Stelle über eine Personalvermittlungsfirma.

Ich hatte schon mal mit solchen Firmen zu tun. Keine guten Erfahrungen. Einmal wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch geschickt, nur um die Frauenquote zu erfüllen.

Das merkt man übrigens.

Sofort.

Ich bewerbe mich trotzdem.

Am nächsten Tag klingelt mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist die Personalvermittlerin – und sie legt gleich los.

„Frau Kasapis, das ist eine super Gelegenheit für Sie! Ein ganz toller Job, bei der Firma So-und-so, der Chef ist So-und-so, die Stelle ist frei, weil So-und-so. Soll ich Sie vorstellen?“

Ich denke mir: Ja, klar. Warum nicht.

Stellen Sie mich mal vor.

Die nächsten Tage passiert gar nichts.

Bis ich ein paar Tage später eine E-Mail von der Kollegin der Dame bekomme, mit der ich telefoniert habe. Mit einem anderen Job.

Ich lese die E-Mail in aller Ruhe durch und stelle fest:

Das Unternehmen ist in Unterföhring.

Ich habe schon mal in Unterföhring gearbeitet.

Eineinhalb Stunden einfach, von meiner Wohnung aus.

Innerhalb von München.

Einfache Strecke.

Ich öffne Google Maps in der leisen, verrückten Hoffnung, dass ich mich falsch erinnere.

Ich erinnere mich richtig.

Also rufe ich an.

„Frau Kasapis, so ist das! Der Job passt super zu Ihrem Profil. Wir würden Sie dort sehr gerne vorstellen. Wie schaut es denn aus bei Ihnen?“

Ich erkläre der guten Frau, dass der Job in Unterföhring ist. Dass ich das schon mal gemacht habe. Dass eineinhalb Stunden einfache Fahrt innerhalb von München für mich schlicht nicht realistisch sind.

Daraufhin macht die gute Frau bei sich Google Maps auf.

Und schaut selber nach.

Von meiner Adresse nach Unterföhring.

Ich rolle mit den Augen und lasse sie machen.

Sie stellt fest:

Es sind tatsächlich eineinhalb Stunden.

„Ja“, sagt sie, „aber andere Kandidatinnen und Kandidaten fahren diese Strecke immer sehr gerne. Das geht ja ganz schnell.“

Ich erkläre ihr, dass ich das schon mal gemacht habe.

Und dass ich es nicht noch mal möchte.

„Andere Kandidatinnen und Kandidaten sind da total motiviert.“

Ich erkläre ihr noch einmal, dass ich das nicht möchte.

Wir verbleiben so, dass ich ihr meine Gehaltsvorstellungen schicken soll und sie sich meldet, wenn sie etwas Passendes für mich hat.

Eine Woche später habe ich nichts gehört.

Andere Kandidatinnen hätten vermutlich nachgefasst.

Ich nicht.

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Mehr aus „Unbeschäftigt“

Die Jobsuche hat noch ein paar andere Geschichten produziert:

→ Jobsuche und Psyche: Die emotionalen Phasen einer Bewerbung
Über Hoffnung, Selbstzweifel, Optimierungswahn – und den Punkt, an dem aus „Bitte wollt mich“ plötzlich „Will ich euch eigentlich?“ wird.

→ Warten bei der Jobsuche: Warum es so zermürbend ist
Über sehr viel freie Zeit, sehr wenig Kontrolle und meine teilweise fragwürdigen Methoden, damit umzugehen.

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Titelphoto von Franziska Freiwald

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