Servus München (Teil 35)

„Wo soll es denn hingehen, die Dame?“ fragt der nette Taxifahrer mich am Münchner Flughafen.

Nach Hause, möchte ich ihm zurufen.

Aber er weiß ja nicht wo das ist. In einer Stadt wie München kann das alles sein – von Erding bis Starnberg. Ich nenne ihm meine Adresse. Und merke dabei dass ich kurz überlegen muss. Fast weiß ich meine Hausnummer nicht mehr.

Es wird ein langer Weg zurück, das weiß ich schon.

Ich klammere mich an meinen Kaffeebecher auf dem „Servus München“ steht und denke an den Moment zurück als meine Schultern im Flieger heruntersanken – als ich die grünen Felder Deutschlands durch das Fenster sah.

Ich hätte viel früher heimkommen sollen, denke ich. Was habe ich mir nur gedacht. Ich habe so viel Zeit verloren. Ich war einfach den ganzen Monat weg.


Zu Hause schleppe ich Stufe für Stufe meinen 30-Kilo-Koffer in den zweiten Stock und schließe die Wohnungstür auf.

Endlich. Endlich.

All meine Sachen. Ich habe einen Kleiderschrank – keine flimsigen Regale mehr. Meine rosa Kommode. Den Rest meiner Klamotten. Ich atme erleichtert auf und schaue in den Kühlschrank.

Leer. Natürlich.

Knuspr muss ich erst bestellen. Das Abendessen hole ich vom Rewe – und verbinde es mit einem kleinen Spaziergang durch mein Viertel.

Alles sieht noch genau so aus wie ich es verlassen habe. In der Konditorei vorne an der Ecke sitzen die üblichen Verdächtigen – Senioren bei Kaffee und Kuchen. Mütter mit Kindern holen sich ihr Eis, Münder rot verschmiert von Erdbeereis.

Auch ich saß hier mit meiner Mutter.

Nach der Beerdigung meines Vaters holten wir dort noch Kuchen.

Ich wusste nicht dass die Trauer in meiner Gegend auf mich gewartet hat. Ich blinzle hinter meiner Sonnenbrille und betrete den Rewe.

Ich weiß gar nicht mehr wie das mit dem Obst wiegen geht, denke ich. Staunend laufe ich durch den aufgeräumten, sauberen Laden. Packe hier was ein, stehe vor dem Tchibo-Regal und frage mich ob ich eine Picknickdecke brauche.

Alles wie immer. Ich bin wieder zu Hause. In meiner echten Heimat.

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