Der stille Dialog (Teil 34)
In der Night Owl, einem Lokal in Arillas hängt ein Foto an der Wand.
Die Großeltern die das Lokal eröffnet haben. Schwarz-weiß, ernst, stolz. Darunter – in Farbe, in der Gegenwart – steht die dritte Generation hinter dem Tresen und schmeißt den Laden. So wie jeden Tag. So wie es immer war und immer sein wird.
Ich sitze da und schaue lange auf dieses Bild.
Und dann, ohne dass ich es plane, beginnt ein stiller Dialog mit meinem Vater.
Papa. Ich glaube ich verstehe dich jetzt.
Du hast Griechenland verlassen weil du keine Wahl hattest. Weil es keine Jobs gab, keine Zukunft, keine Möglichkeit dir selbst etwas aufzubauen das wirklich deins war. Dein Bruder schickte dich nach Deutschland – und du bist gegangen. Nicht weil du wolltest. Weil es keine Alternative gab.
Und dann hast du mir etwas geschenkt das du selbst nie hattest.
Die freie Wahl.
Ich durfte entscheiden was ich arbeiten will. Durfte Umwege machen, Fehler machen, neu anfangen. Durfte ein Buch schreiben statt in die Großmarkthalle zu gehen. Durfte vier Wochen nach Korfu fahren um Griechisch zu lernen – die Sprache die du mir mitgegeben hast ohne es zu wissen.
Ich habe das immer für selbstverständlich gehalten.
Es war alles andere als das.
Die dritte Generation hinter dem Tresen lacht über irgendetwas. Der Abend ist warm. Draußen rauscht das Meer.
Ich vermisse dich, Papa. Und ich bin dir dankbar. Für beides gleichzeitig – das ist neu.
