Die Arillas-Falle (Teil 32)
Piep piep piep, wir haben uns alle lieb. Und sind alle so erleuchtet. Und Geld zählt nicht – nur Energie.
Willkommen in der Welt des Energie-Austauschs. Wo alles fließt, solange jemand anderes die Rechnung bezahlt. Wo „ich schenke dir meine Präsenz“ eine legitime Währung ist. Wo man nicht sagt „ich brauche eine Mitfahrt“ sondern „ich folge dem Fluss des Universums“ – und der Fluss zeigt zufällig in Richtung deines Autos.
Ich war vor ein paar Jahren in Arillas bei einer Ecstatic-Dance-Woche. Keine Ahnung was mich da geritten hat.
Es gab einen Shuttlebus hoch zur Buddha Hall. Manche Teilnehmer:innen entschieden sich trotzdem zu laufen. Auf Google Maps sieht man den Berg nicht den man dafür hochmuss. Spürt nicht wie die Sonne den Asphalt aufwärmt – soweit Asphalt vorhanden.
Ich hatte einen Mietwagen gemietet.
Und verfuhr mich am ersten Tag so gründlich, dass ich auf Eselswegen landete. Reiner Schotter. Kein Netz. Kein Mensch. Nur ich, das Auto und die Überzeugung dass ich hier sterbe. Die schlimmste Autofahrt meines Lebens. Den Tränen nah und zitternd fand ich schließlich den Weg.
Über die folgenden Tage tat mir das Fußvolk leid. Die Ecstatic Dancer die in der Hitze den Berg hochstapften. Also begann ich sie einzusammeln. Ich hielt an, lud ein, fuhr weiter.
Keiner kannte mich. Und da ich allein schon von meiner Kleidung her nicht ins Bild passte – T-Shirt und Shorts statt Flatterkleid oder wallende Hose – erklärte ich jedes Mal dass ich auch Teilnehmerin der Woche war.
Begeistert stiegen sie ein.
Ich fuhr. Sie unterhielten sich. Nicht mit mir.
Ich kam mir vor wie ein selbstkreiertes Taxi. Und schwor mir: nie wieder.
Denn das ist die Arillas-Falle.
Piep piep, wir haben uns alle lieb – und irgendein Doofer wird sich schon finden der uns mitnimmt, uns einlädt, für uns zahlt, uns trägt. Der Fluss des Universums hat nämlich meistens ein menschliches Gesicht. Und das Gesicht schaut gerade ein bisschen müde drein.
