Wo alles anfing (Teil 31)

Nach der letzten Yogastunde rumpele ich erstmal zum Tanken.

Ich hatte keine Ahnung wo an meinem Mietwagen der Tankdeckel war. Also fuhr ich einfach zur Tankstelle und sagte zum Tankwart: I need your help, please. It’s a rental.“

Er lächelte nur. Die Griechen haben mit Touristen schon Schlimmeres erlebt.

55 Euro für einen vollen Tank. Da ich in München nie Auto fahre, weiß ich nicht ob das teuer oder günstig ist. Ich schätze eher günstig.

Na dann kann ich ja auch noch ein bisschen durch die Gegend fahren, denke ich und rolle in Richtung Agios Georgios. Die Nachbarbucht von Arillas.

Hier fing alles an. „Mein Korfu“.

Ein anderer Yogaanbieter damals – ein Pärchen. Sie eine über den Boden schwebende Yogini. Er ein Brocken von einem Mann. Beide verkauften sich als Traumpaar das sich auf Korfu ihr Traumleben aufgebaut hatte. Jeder Gast war ihr neuer bester Freund. Auch ich fiel auf die Nummer rein. Vier Mal, um genau zu sein.

Aber irgendwann begann ich mich zu wundern. Was der Brocken eigentlich für eine Funktion hatte während der Yogawochen. Er aß jeden Morgen mit uns zum Frühstück, blieb bei den Abendessen Essen übrig, nahm er die Reste mit, mit dem Spruch „für den Hund.“ Er bot Ausflüge mit dem Auto über die Insel an, die jedes Mal teurer wurden. Ich machte einen mit, dann zwei – um dann enttäuscht festzustellen dass er immer dieselben Orte anfuhr.

Ich hatte von Ina’s in Arillas gehört. Er meinte, das Lokal sei total scheiße und ich dürfe dort auf gar keinen Fall hingehen.

Über die nächsten Male die ich dort war, hörte ich einige Geschichten über dieses Pärchen. Sah wie der Brocken die Griechen behandelte – wie seine Angestellten. Wie er auf der Bootstour immer viel mehr Geld draufschlug als die Schilder am Bootsverleih auswiesen. Sah, dass die Yogini gar nicht selber Yoga unterrichtete, sondern eine andere Yogalehrerin für sich arbeiten ließ – gegen Kost und Logis natürlich. Bei den Abendessen erzählten beide von UFO-Sichtungen und Verschwörungstheorien (der Corona Virus wäre ein Hoax) – alles klar.

Und das soll eine Yogawoche sein? Nee. Bei aller Liebe, nein.

Aber – und das war das große Geschenk – über die zwei lernte ich Birgit kennen. Erst für eine Massage. Dann für Yogawochen. Dann für diese Woche hier.

An all das muss ich denken als ich die enge 90-Grad-Straße nach Agios Georgios hinunterfahre. Ich parke vor einer Bar. Der Vibe in dieser Bucht ist ein ganz anderer als in Arillas. Normaler, touristischer. Ich sehe die verfallenen Häuser die schon vor vier Jahren verfallen waren – noch immer verfallen, unverändert.

Ich gehe den Weg den ich abends während der Yogawochen dort immer am Strand entlanggelaufen bin.

Die Bucht ist noch wie sie früher war.

Ich bin anders geworden.

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