Die verschollene Wäsche (Teil 29)

Ich muss wieder Wäsche waschen.

Die Plastiktüte von meinem Haus-und-Hof-Supermarkt aus Korfu-Stadt ist randvoll mit durchgeschwitzten Klamotten. Ich überlege meine Optionen.

Birgit fragen ob ich ihre Waschmaschine benutzen darf? Nee. Beim letzten Mal bin ich immer in ihre Innentoilette gegangen und das fand sie auf Grund des erhöhten Wasserverbrauchs nicht so cool. Dieses Mal benutze ich konsequent ihre Außentoilette – ein Kompost-Klo mit Sägespänen, einem kleinen Loch und einem großen Loch. Was in welches kommt, darf sich der Leser selbst denken.

Der Laundry-Laden in Agios Stefanos? Nee. Der sieht schon von außen so abgenutzt aus. Und ich fand es immer irgendwie ekelig, meine Wäsche mit der Wäsche von fremden Leuten zu waschen. Das hatte ich schon in meiner letzten Wohnung so empfunden.

Dann fällt es mir ein: Dimitra. Meine Vermieterin.

Ich schreibe ihr ob es möglich wäre, eine kleine Wäsche waschen zu lassen. Sie antwortet wie immer prompt.

„Yes. Without dryer 10 Euro, with dryer 15 Euro.“

Mit Trockner, auf jeden Fall. Mein Strandhandtuch das einmal Meerwasser in Korfu-Stadt abbekommen hat, ist auch nach mehreren Stunden in der Sonne irgendwie klamm geblieben. Birgit erklärt mir später, dass das Salz im Stoff die Feuchtigkeit aus der Luft anzieht. Wieder was gelernt.

Wir machen also aus: Ich lasse Wäsche und fünfzehn Euro im Zimmer, die Putzfrau Maria gibt beides der Wäsche-Dame Mrs. Daphne weiter. Die kommt nicht immer nach Arillas – ich vergesse die Details, nicke, packe Geld und Klamotten in mein Zimmer und verlasse es.

Als ich wiederkomme sind die Klamotten weg. Ich freue mich auf frisch gewaschene Wäsche.

Ich weiß gar nicht wann ich sie wiederbekomme – also wieder eine WhatsApp an Dimitra. Sie schreibt noch am selben Tag zurück.

Ich gehe zum Yoga, esse zu Mittag, fahre ein bisschen mit dem Auto durch die Gegend, spaziere am Strand. Und freue mich die ganze Zeit auf meine frische Wäsche. So ein kleines Ding. Frisch gewaschene Klamotten. Hier hat das eine Bedeutung die ich mir vorher nicht hätte vorstellen können.

Als ich abends meine Zimmertür aufsperre, sehe ich: mein Küchenchaos. Meinen Koffer. Meine Sneakers. Meine diversen Packing Cubes.

Keine Plastiktüte.

Ich texte Dimitra. Sie antwortet dass Mrs. Daphne mein Zimmer nicht einfach so betreten wollte – und Maria an diesem Tag nicht da war.

Ich stöhne.

Mrs. Daphne – mir fällt es jetzt erst ein – hatte ich sogar gesehen. Sie hatte in der kleinen Kammer Handtücher in Regale einsortiert. Warum habe ich sie nicht einfach gefragt? Weil mir die griechischen Wörter gefehlt haben, deshalb. Sie war eine ältere Dame mit gepflegtem Äußeren – die sprechen meistens kein Englisch. Ich hatte sie sogar noch mit einem fröhlichen „Yassas!“ begrüßt.

Ich, Depp.

Ich schreibe Dimitra zurück dass das nicht so schlimm sei, ich wollte nur Bescheid wissen. Sie entschuldigt sich.

„I was not aware of the situation.“

Nun ja.

Am nächsten Morgen schlafe ich aus. Um sieben Uhr tippe ich in die Yoga-WhatsApp-Gruppe: „Mein Bett ist heute verlockender als die Matte.“ Schicke es ab. Schlafe selig weiter.

Dann Frühstück in aller Ruhe. Dann ein kleiner Ausflug ins Bergdorf Afionas. Es ist heiß. Ich schwitze meine Bluse durch – dieselbe Bluse die ich am ersten Tag des Griechischunterrichts angehabt hatte. Ich esse zu Mittag und fahre zurück in mein klimatisiertes Zimmer.

Am frühen Nachmittag klopft es an meiner Tür.

Woher wissen die eigentlich immer, dass ich da bin? Das hat mich schon in Korfu-Stadt gewundert wenn die Putzfrau geklopft hat. Haben die einen geheimen Spion?

Maria steht völlig verschwitzt und müde vor meiner Tür. In der Hand: meine Plastiktüte. Mit der frischen Wäsche.

Ich bedanke mich. Schließe die Tür.

Und dann – ein Geruch strömt aus der Tüte der so stark ist, dass ich mir wie in einer Waschmittelwerbung vorkomme. So riecht also ein halber Liter Lenor auf Socken, Unterwäsche, T-Shirts und Shorts.

Ich hänge alles auf dem Balkon zum Auslüften auf.

Die verschollene Wäsche ist wieder aufgetaucht.

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