Der nackte Hund und der Urschleim-Typ (Teil 25)

Wer als ahnungslose:r Besucher:in nach Arillas kommt, stellt sich sehr schnell eine Frage – oder nie. Die Frage lautet: Wer sind diese Menschen?

Die mit der Yogamatte unter dem Arm. Die Barfüßigen. Die in wallenden Gewändern. Die die sich mitten im Restaurant lange umarmen um „Liebe zu geben“ während die Kellner:innen mit Tabletts um sie herumnavigieren.

Arillas ist eine Parallelwelt. Oder genauer: mehrere Parallelwelten die zufällig denselben Ort bewohnen. Einmal die Spirituellen, die in die vor Ort vorhandenen spirituellen Zentren pilgern. Einmal die Menschen die einfach einen schönen Urlaub wollen und sich wundern warum der Nachbar meditiert statt Sonnencreme aufzutragen. Und dann die Griechen, die hier leben, arbeiten und das ganze merkwürdige System am Laufen halten – mit der ruhigen Gelassenheit von Menschen die schon alles gesehen haben.

Ich kannte dieses Mischmasch schon von früheren Besuchen.

Meine Mitreisende bei der Yogawoche nicht.

Sie erzählte uns am ersten Morgen von ihrer Begegnung mit dem „nackten Hund“. Ein älterer Herr, nackt am Strand, der den herabschauenden Hund praktizierte.

„Den Anblick werde ich so schnell nicht vergessen,“ sagte sie, mit einem Gesichtsausdruck der irgendwo zwischen Trauma und Erheiterung lag.

Sie war, ohne es zu wissen, in den FKK-Teil des Strandes geraten.

Ich hatte ebenfalls eine Begegnung der besonderen Art – allerdings beim Vorbeigehen, wohlgemerkt, nicht beim versehentlichen Betreten.

Ein junger Typ mit mittellangen Haaren saß am Strand. Nackt, natürlich. Meditierend. Und von Kopf bis Fuß eingeschmiert mit dem Sand dieses Strandabschnitts, der die Qualität von Tonerde hat – das Zeug das ich als teures Schönheitsprodukt aus dem Bioladen kenne. Soll sehr gut für die Haut sein. Sagt man.

Auf meinem Rückweg war er nicht mehr sitzend.

Er lag nun mit der Nase im Sand. Reglos. Den Kopf voraus in die Erde gebohrt als wäre er auf der Suche nach etwas das sehr tief liegt.

In München hätte ich gefragt ob er Hilfe braucht. Hier ging ich vorbei und dachte: Der wird schon wissen was er tut. Das ist ja schließlich der Ort der Heilung und der Spiritualität.

Als ich mir den Sand von den Füßen wasche, fällt mir ein woran er mich erinnert hat.

An das genaue Gegenteil vom Frosch den man küssen muss damit ein Prinz rauskommt.

Kopfschüttelnd starte ich mein Auto und suche mir aus einem der vielleicht zehn Lokale eins zum Abendessen aus.

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