Ohne Agenda
Zu jeder Yogawoche die ich bisher besucht hatte, gehörte ein gemeinsames Abendessen mit der Yogalehrerin.
Auf Ikaria im Mai 2025 gab es nur ein Lokal das gut war und offen hatte – die Gruppe traf sich dort automatisch. Ich hatte das Gefühl dass die Yogalehrerin dort verehrt wurde. Nur sie hatte das Wort, erzählte von ihrem Hauskauf auf Ikaria. Die anderen hörten zu und nickten.
Da ich Birgit und Korfu und ihre Geschichte schon kannte, hörte ich an diesem Abend nur halb zu – und versuchte stattdessen den Ort zu genießen. Das Akrotiri. Ein gepflegtes Lokal auf einem kleinen Hügel, mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Bucht von Arillas und Agios Stefanos. Die Sonne hing tief, das Meer leuchtete.
Irgendwann verabschiedete sich Birgit.
Und die zwei Mitreisenden und ich blieben zurück. Irgendwie wollte keiner gehen. Die Sonne ging malerisch unter, unsere Gespräche waren leicht und gingen über alle möglichen Themen – so wie Gespräche manchmal werden wenn der Abend sich dehnt und niemand auf die Uhr schaut.
Ich weiß nicht mehr was mich geritten hat.
Ich erzählte ihnen die Fritz-Geschichte.
So etwas teile ich eigentlich nicht mit Menschen die ich kaum kenne. Ich spreche lieber mit meiner Therapeutin. Schreibe es auf. Schicke es in den Äther des Internets und denke mir: Das liest eh keiner. Aber aus irgendeinem Grund – vielleicht als Dank für das Vertrauen einer der Teilnehmerinnen die uns vorher ihre eigene Geschichte erzählt hatte – öffnete ich den Mund.
Kein Mitleid wollte ich. Ich wollte die Geschichte einfach teilen. Laut. Mit Menschen die da waren.
Nachdem ich mein Trauma-Vomiting begangen hatte – so nenne ich das wenn es einfach rauskommt ohne Vorwarnung – schaffte ich es das Gespräch nicht darauf verweilen zu lassen. Leitete irgendein anderes Thema ein. Vermögensberatung, glaube ich.
Wir fuhren gemeinsam in einem Auto zurück in unsere separaten Unterkünfte. Kurz bevor wir losfuhren fragte ich sitzend ob es okay sei dass die designierte Fahrerin des Abends mich nach Hause fuhr.
Die anderen lachten mich aus.
„Natürlich ist das okay!“
Ich fand es einfach nur höflich zu fragen. Das sagte ich auch. Was sie noch mehr zum Lachen brachte.
Es war ein lustiger, ehrlicher, leichter Abend. Ein guter Moment auf dieser Reise. Ich fühlte mich den beiden näher als vorher – nicht weil wir Geheimnisse geteilt hatten, sondern weil wir einfach da waren. Zusammen. Ohne Agenda.
Manchmal reicht das.
