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	<title>Emotionale Reise-Archiv - Irene Kasapis</title>
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	<title>Emotionale Reise-Archiv - Irene Kasapis</title>
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		<title>Ich gehe vor Freude und Erleichterung in die Knie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Dec 2024 11:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich einen Tag später in Isabels Wohnung stehe, sehe ich die Aufteilung der Räume, den schönen Parkettboden, das Fenster, von dem ich aus die Kirche sehen kann, vor der ich als Kind im Chor gesungen habe, aber fühlen! Fühlen tue ich: </p>
<p>Sicherheit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/12/01/ich-gehe-vor-freude-und-erleichterung-in-die-knie/">Ich gehe vor Freude und Erleichterung in die Knie</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Als ich einen Tag später in Isabels Wohnung stehe, sehe ich die Aufteilung der Räume, den schönen Parkettboden, das Fenster, von dem ich aus die Kirche sehen kann, vor der ich als Kind im Chor gesungen habe, aber fühlen! Fühlen tue ich:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorbei die schlaflosen Nächte, in denen mich eine Panikattacke nach der anderen aus dem Bett springen lässt, weil ich das Gefühl habe, keine Luft mehr zu bekommen. Meine aktuelle Wohnung war zu einer Belastung geworden. Finanziell, räumlich und zeitlich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorbei die endlosen Stunden auf Immobilienscout24, wo sich auf eine Wohnung, wo das Preis-Leistungsverhältnis so einigermaßen stimmt, 1000 Leute bewerben. Das ist nicht so einfach dahin gesagt, es sind wirklich manchmal 1000 Leute, die den Vermieter/Eigentümer/Immobiliendings kontaktierten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichterung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment weiß ich &#8211; intuitiv &#8211; DAS ist meine neue Wohnung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Bewerbungsunterlagen gehen noch am gleichen Tag an den Vermieter. Meine und noch vier andere. Jetzt heißt es warten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Woche später kommt der Anruf: „ Irene! Der Vermieter hat sich für dich entschieden. Du hast die Wohnung.“ Ich gehe vor Freude und Erleichterung in die Knie &#8211; mitten in Schwabing. Ein sehr untypisches Verhalten zwischen all den Menschen, die gerade auf dem Heimweg sind und von Bus in die U-Bahn eilen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von meinem Gehalt kann ich mich jetzt endlich vollständig alleine finanzieren. Endlich stehe ich auf eigenen Füßen. Endlich fühle ich mich erwachsen&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">mit 43&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">für einen kurzen Moment.</p>
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		<title>Sport ist gut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Nov 2024 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein Leben hüpft neben mir auf und ab. Dabei boxt es gegen einen unsichtbaren Gegner. </p>
<p>“Ich mag nicht.” maule ich. Ein Tag im Home Office und ich bin total faul geworden.</p>
<p>“Sport! Ist! Gut!” Mein Leben macht ein paar Liegestützen. Dass es ihm leichter fällt als mir, lass ich einfach unkommentiert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/11/16/sport-ist-gut/">Sport ist gut</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">“Heute ist wieder Bootcamp!”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben hüpft neben mir auf und ab. Dabei boxt es gegen einen unsichtbaren Gegner.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich mag nicht.” maule ich. Ein Tag im Home Office und ich bin total faul geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Sport! Ist! Gut!” Mein Leben macht ein paar Liegestützen. Dass es ihm leichter fällt als mir, lass ich einfach unkommentiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich war bis gestern noch krank.” Ich lasse mich auf meine Couch plumpsen und klappe meinen Laptop auf. Die neuesten Folgen von Love is Blind USA müssten doch heute online gehen…&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Nichts da!” Mit einem Schwung klappt mein Leben den Laptop wieder zu und joggt in mein Schlafzimmer, zu meinem Kleiderschrank. Mein Leben singt das Lied “It’s the final countdown!”. Ins Wohnzimmer fliegen: mein Sport BH, eine andere Jogginghose, als die, die ich seit heute morgen trage, mein Sport T-Shirt und meine geliebte lila Softshell Jacke.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Auf geht’s!” Mein Leben macht ein paar Ausfallschritte. Erst jetzt fällt mir das Outfit meines Lebens auf: es trägt eine Frottee-Shorts in quietschgelb, darunter eine hellblaue Leggins. Das ganze ziert eine hellblaue Windjacke und stechend grüne Arm- und Stirnbänder und Leggings. Eine pink-schwarz gestreifte Bauchtasche hüpft bei den Ausfallschritten hoch und runter.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben macht einen auf 80er!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss so lachen, dass ich meine Unlust plötzlich vergesse und mir meine, gegen das Outfit von meinem Leben, zugegebener Maßen eher langweiligen Sport Klamotten anziehe. “Los geht’s!” sage ich jetzt, schnappe mir meine Wasserflasche, Hausschlüssel und eine dickere Jacke. Die Zeiten von Shorts und T-Shirt am Abend sind vorbei. Mein Leben springt noch schnell in meinen Fahrradkorb und schon sausen wir in Richtung Treffpunkt vom Bootcamp.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit, als ich mein Buch schrieb, waren die Frauen aus dem Bootcamp, die einzigen “Fremden”, die ich unter der Woche sah. Einmal in der Woche auspowern, war jedes Mal wieder anstrengend, aber mittlerweile möchte ich es nicht mehr missen. Es ist wie eine Frischluftkur für mein ganzes System: mein Geist wird frei, ich habe das Gefühl, ich kann wieder atmen und ein bisschen Kondition habe ich in einem Jahr auch schon aufbauen können. Muskeln? Sehe ich keine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich habe einen Gast mitgebracht! Mein Leben!” sage ich in die kleine Runde, die wie ich und mein Leben 10 Minuten zu früh zum Training erschienen ist. Bei der Buchung des Bootcamps war es mir wichtig, dass ich den Ort für das Training innerhalb kürzester Zeit zu Fuß oder mit dem Rad erreichen kann. Ich kenne mich einfach zu gut, würde das in der Innenstadt von München stattfinden oder auch nur eine U-Bahn Station entfernt, ich würde sehr oft schwänzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Hey, cooles Outfit! Ich bin Verena.” Die Bootcamp Trainerin und mein Leben beäugen sich skeptisch und dann fangen beide an zu grinsen. Mein Leben verwickelt Verena in ein, wie ich annehme, Fachgespräche zur richtigen Kleidung zum trainieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Teilnehmerin stößt zu uns und nach einem kurzen Hallo, platzt es aus ihr heraus: “Sucht vielleicht jemand von Euch eine 2 Zimmer Wohnung in Großhadern?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir schießen spontan die Tränen in die Augen und ich hebe nur wortlos die Hand.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ja? Cool! Ich ziehe nämlich mit meinem Freund zusammen und meine Wohnung wird frei.”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben zwinkert mir verschmitzt zu und formt mit seinen Lippen den Satz: “Sport! Ist! Gut!”</p>
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		<title>Mein Leben schaukelt in einer Hängematte vor sich hin. Es macht mich wahnsinnig.</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2024/08/10/mein-leben-schaukelt-in-einer-haengematte-vor-sich-hin-es-macht-mich-wahnsinnig/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Aug 2024 11:07:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
		<category><![CDATA[Verlust der Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Liebes Leben…”<br />
Ich kaue an meinem geliebten Kugelschreiber und blicke aus meinen bodentiefen Fenstern hinaus in die grünen Blätterwand. Jetzt im Sommer verschont sie meinen Blick auf den gegenüberliegenden Krankenhaus Parkplatz. Ich habe nicht den Mut mit meinem von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und dachte mir, ich als “Autorin” schreibe ihm einfach einen Brief. Kann es ja dann lesen und damit machen was es will. Die sanfte Brise, die an diesem Sommertag durch meinen geöffneten Balkonfenster weht, lässt die Papierbahne mit dem Wort “Wohnung” bedrohlich flackern. Ich habe diese, wie einen Vorhang, schon so oft hin-und her gezogen, dass sie schon ganz zerknüllt ist. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/08/10/mein-leben-schaukelt-in-einer-haengematte-vor-sich-hin-es-macht-mich-wahnsinnig/">Mein Leben schaukelt in einer Hängematte vor sich hin. Es macht mich wahnsinnig.</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben hat sich eine Hängematte in mein Wohnzimmer gehängt. Ich wollte es noch darauf aufmerksam machen, dass mein Vermieter bestimmt etwas dagegen hätte, wenn es so tiefe Löcher bohrt, aber es hat nur mit den Schultern gezuckt und sich mit einem tiefen Stöhnen niedergelegt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schaukelt es das so vor sich hin und lächelt dabei selig. Mein Leben sieht so normal aus. Das Schaukeln verläuft in ruhigen Bahnen. Mein Leben weiß genau, wo und wann es unter der Woche zu sein hat, was es dort zu tun gibt und wer dort sein wird. Es weiß genau, dass am Montag Abend Bootcamp ist und dass es wichtig ist für mich dort auszupowern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles ist so ruhig, routiniert und rund geworden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehe ich da etwa einen kleinen Bauchansatz unter dem grasgrünen T-Shirt hervorragen?<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es macht mich wahnsinnig.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne mein Leben so nicht. Bevor es bei mir eingezogen ist, wusste ich nicht mal, dass ich eins habe. Bei mir muss anscheinend immer sich erst etwas zu mir Zugang verschaffen &#8211; mit der Holzhammer Methode, oder in diesem Falle mit einem plötzlichen Einzug, dass ich erst checke, das es überhaupt existiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben war bis jetzt nämlich so: unstet, von anderen geschaffen und vor allem geprägt von dem Gefühl der extremen:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Tochter mit Mutter zur Tochter ohne Mutter.<br>Von der Partnerin zur Single Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der absoluten Freiheit zurück in die Arbeit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne keine Balance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe seit dem Tod meiner Mutter in Extremen gelebt und jetzt diese Stabilität mit einem festen Einkommen, einer Routine zu haben fühlt sich so… ja wie eigentlich an? Wie eine Pause. Erleichternd. Entspannt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau das macht mir einen heiden Angst. Weil ich es so nicht kenne.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du schon mit deinem Leben geredet?“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fragt mich meine Trauer und reißt mich so aus meinen skeptischen Gedanken.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir beide sitzen auf meiner Couch und beobachten das ruhige Geschaukle meines Lebens. Als Antwort schüttele ich nur mit dem Kopf.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„no Time Like the present.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider klingt das Englisch meiner Trauer eher so: no taim laik se präzend. Ich glaube ich muss mal wieder mehr englisch reden, damit meine Trauer da ein bisschen fitter wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aua!“ Meine Trauer stupst mich nochmal heftig in die Seite. Also stehe ich langsam auf und stelle mich vor mein Leben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat die Augen geschlossen. Ich sehe nur, wie sich seine Finger bewegen, so als würde es auf einer Tastatur schreiben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hrm“ räuspere ich mich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Augen geht auf, ein sanftes Lächeln überzieht das Gesicht meines Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen reden.“ sage ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das andere Auge geht auf und das Lächeln vertieft sich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Waren die Augen meines Lebens immer schon so blau? So blau wie die Augen meiner Mutter? Wasser schwimmt in meinen Augen und die rote Hose, das grasgrüne T-Shirt und die orangenen Socken meines Lebens verschwimmen vor meinen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ich meine Mutter vermisse, denke ich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie sehr bin ich ihr dankbar für dieses bunte Leben, was so lange schwarz getragen hat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen kullern mir die Wangen runter. Ich will meinem Leben erzählen, wie lieb ich es habe und wie sehr ich mich freue, dass es endlich Ruhe gefunden hat und welche tief sitzende Angst ich in mir trage es wieder zu verlieren, dass Tod, Verlust, Männer oder Geld (meine alten Fallen) es wieder auf den Kopf stellen würden. Ich wusste gar nicht, dass meine Verlustangst so groß ist. Sie fühlt sich an wie eine Wunde, die nur hastig von Sanitätern zu getackert wurde und seitdem in meinem Herzen lebt und jetzt wieder aufbricht. Das Blut, das fließt, sind meine Tränen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben steht auf, sieht mich mit einem Blick voller Liebe an und so als wäre ich das größte Geschenk, das es je bekommen hat, und drückt mich fest und sanft und liebevoll an mich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bleibe.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Wörter, die noch nie jemand mir gesagt hat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Wörter, die meine Wunde im Herzen leuchten lassen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Wörter, die direkt in mein Herz gehen, um dort&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleiben.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vielleicht sind meine Erwartungen an mein Leben einfach zu hoch?</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2024/08/03/vielleicht-sind-meine-erwartungen-an-mein-leben-einfach-zu-hoch/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Aug 2024 11:05:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Liebes Leben…”<br />
Ich kaue an meinem geliebten Kugelschreiber und blicke aus meinen bodentiefen Fenstern hinaus in die grünen Blätterwand. Jetzt im Sommer verschont sie meinen Blick auf den gegenüberliegenden Krankenhaus Parkplatz. Ich habe nicht den Mut mit meinem von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und dachte mir, ich als “Autorin” schreibe ihm einfach einen Brief. Kann es ja dann lesen und damit machen was es will. Die sanfte Brise, die an diesem Sommertag durch meinen geöffneten Balkonfenster weht, lässt die Papierbahne mit dem Wort “Wohnung” bedrohlich flackern. Ich habe diese, wie einen Vorhang, schon so oft hin-und her gezogen, dass sie schon ganz zerknüllt ist. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/08/03/vielleicht-sind-meine-erwartungen-an-mein-leben-einfach-zu-hoch/">Vielleicht sind meine Erwartungen an mein Leben einfach zu hoch?</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">“Liebes Leben…”<br>Ich kaue an meinem geliebten Kugelschreiber und blicke aus meinen bodentiefen Fenstern hinaus in die grünen Blätterwand. Jetzt im Sommer verschont sie meinen Blick auf den gegenüberliegenden Krankenhaus Parkplatz. Ich habe nicht den Mut mit meinem von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und dachte mir, ich als “Autorin” schreibe ihm einfach einen Brief. Kann es ja dann lesen und damit machen was es will. Die sanfte Brise, die an diesem Sommertag durch meinen geöffneten Balkonfenster weht, lässt die Papierbahne mit dem Wort “Wohnung” bedrohlich flackern. Ich habe diese, wie einen Vorhang, schon so oft hin-und her gezogen, dass sie schon ganz zerknüllt ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich weiß, ich weiß…” Antworte ich dem Geflattere. Eine neue Wohnung muss her. Die alte, ja die alte… Schon sticht es wieder in meinen Augen, eine Träne verwischt das Wort “Leben” auf meinem Blatt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also neues Blatt, nochmal neu anfangen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder: neu anfangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Liebes Leben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">what the actual fuck? Was willst du eigentlich von mir?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das Gefühl, dass du mit Vollgas fährst und mein Körper und meine Seele und mein Geist kommen gar nicht mehr hinterher.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorbei sind die Tage, an denen ich Zeit hatte. Zeit einfach nur um zu sein, zu atmen. Ich habe das Gefühl in einer Waschmaschine zu stecken, die schleudert und schleudert. Das Wasser dafür kommt aus den vielen Tränen, die ich weine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Veränderungen in meinem Leben so schwer anfühlen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte gedacht, dass die Leichtigkeit endlich einzieht bei mir. Wieso kommt sie nicht? Wieso finde ich am Ende des Regenbogens keinen Goldtopf? Keinen Partner?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verändere mich so schnell und ich habe keine Ahnung, wer ich werde? Die alte Irene, die die so große Erwartungen in ihr Buch hatte (Spiegel Besteller, Millionären &#8211; ich weiß, ich weiß) gibt es nicht mehr, anstatt dessen habe ich jetzt das Gefühl zwei Leben zu haben. Ein Arbeitsleben und ein privat Leben. Wie wird das aussehen? Teilst du dich in zwei Hälften und ich muss die einen Hälfte in meinem Rucksack jeden Tag mit in die Arbeit nehmen? Puh, das wird mir zu schwer.”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder halte ich inne, wieder kaue ich an meinem Kuli. Ich muss an meine letzte Therapie Stunde denken. Die Worte meiner Therapeutin hallen mir durch den Kopf: “Vielleicht sind deine Erwartungen einfach zu hoch? Wie soll ein Job, ein Mensch (Partner oder Freundin) alle deine Bedürfnisse abdecken?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tja, liebe Therapeutin, denke ich, ich hasse es, wenn du Recht hast. Das ist wirklich viel verlangt, das würde ich auch selber gar nicht können und auch nicht wollen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja…&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind meine Erwartungen an mein Leben einfach zu hoch?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja…&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte ich mich mit dem, was ich habe zufrieden geben?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist zufrieden das neue glücklich?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glück ist so flüchtig, ein unbeständiger Gefährte, der kommt und geht, wie es ihm gerade passt und nicht wie ich es möchte. Glück zu halten ist schier unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich, wie an so vielem in meinem Leben, an meinem Glück hart arbeiten muss. Es aktiv suchen, um es dann doch wieder zu verlieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Was machst du da?” Meine Trauer lässt sich neben mich auf die Couch plumpsen. Schnell schiebe ich meinen Brief ans Leben unter ein Sofakissen. “Denkst du lieber wieder zehnmal über alles nach?” Meine Trauer kennt mich einfach zu gut. Ich seufze und nehme meine Trauer in den Arm: “Du bleibst bei mir &#8211; oder?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer drückt mich fest zurück: “Na klar, wir sind doch jetzt Freunde &#8211; Freunde fürs Leben.” Da ich meiner Trauer das Gedanken lesen strengsten verboten habe, denke ich: manchmal wünschte ich es wäre nicht so.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/08/03/vielleicht-sind-meine-erwartungen-an-mein-leben-einfach-zu-hoch/">Vielleicht sind meine Erwartungen an mein Leben einfach zu hoch?</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Meine Trauer hat einen längeren Atem als ich</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2024/08/02/meine-trauer-hat-einen-laengeren-atem-als-ich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Aug 2024 12:15:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
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		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Urch, arch.” stöhne ich. “Dieses frühe Aufstehen." Ich jammere weiter vor mich hin und schlürfe dabei durch meine Wohnung. </p>
<p>“Der frühe Vogel…” beginnt mein Leben. </p>
<p>“Kann mich mal…” vollenden meine Trauer und ich unisono den Satz.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Okay, ich habe nicht mit meinem Leben geredet. Ich habe es nicht so mit Konfrontationen. Stattdessen tue ich das, was ich immer tue: ich lenke mich ab. Arbeiten und Filme gucken. Wie entspanne ich mich nach der Arbeit ist eine der drängenden Fragen, die mich durch die letzte Woche begleitet haben. In solchen Situationen helfen mir die üblichen Verdächtigen: Yoga, Spazieren Gehen, schreiben, Geduld haben (kotz &#8211; aber nun gut) und Schlaf. Ich wußte nicht, dass schlafen so heilsam sein kann.<br><br>Irgendwann ging es am Mittagstisch in der Arbeit um das Thema Hostels. Die Erkenntnis, die ich danach hatte, nämlich, dass ich eine mittelalte, alleinstehende Frau bin, die noch nie im Leben in einem Hostel gewohnt hat und es auch nicht mehr tun wird, liegen mir noch schwer im Magen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Feuerwehreinsatz bei “meiner” U-Bahn Station zwang mich am Freitag zur nächstgelegenen U-Bahn Station zu radeln und so sitze ich jetzt auf dem Rad. Ein duftender Basilikum in meinem Fahrradkorb hinter mir, ein fetter Kloß aus allen Gefühlen in meinem Herz.&nbsp;<br>Irgendetwas muss der Geruch in mir ausgelöst haben, denn während ich da so durch mein Viertel strample, schleicht sich ein Bild in mein Gedächtnis. Erst ist es noch ganz verschwommen, ich kann nur die Farben von etwas erkennen: lila-blaulich, etwas hängt über mir. Ich fühle die Kinder-Ichs meiner Brüder neben mir, vor mir sehe ich meinen Wasserfarbkasten. Lauter bunte Farben in meinem Kopf &#8211; verwischt. Noch nicht ganz klar.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich sehe ich, dass jemand neben mir joggt. Ich höre Flip-Flops neben mir auf den Asphalt klatschen. Ein schneller Blick nach rechts verrät mir: es ist in meine Trauer. Sie ist selten mit mir in der echten Welt unterwegs. Meistens treffen wir uns nur auf meiner Couch. Eigentlich ist sie auch unsichtbar hier draußen.<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">“Was machst du denn hier?” stöhne ich. Das viele Sitzen im Büro hat meiner mühevoll aufgebauten Kondition einen tüchtigen Dämpfer versetzt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich bin hier um dich zu erinnern.” Meine Trauer hat anscheinend einen langen Atem. Sie sieht topfit aus, wie sie da neben mir durch die Straße joggt. Wie immer hat sie auch das passende Outfit an: eine dunkelblaue kurze Jogginghose mit dem weißen Emblem der TU &#8211; ihrem eigentlichen Arbeitsplatz: die Trauer Uni. Ich hatte mich schon gefragt, warum sie immer noch bei mir wohnt und wir unsere Beziehung nicht weiter über WhatsApp Nachrichten führen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Erinnern? An was?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild in meinem Kopf wird jetzt stärker. Ich höre das Meer im Hintergrund rauschen, kann den feinen Sand zwischen meinen Zehen spüre. Eine Hand streichelt mir über den Kopf. Ich sehe das breite Lachen, die blauen Augen meiner Mutter.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Koukla mou.” höre ich sie sagen. Meine Mutter schimpfte immer, wie schwierig griechisch zu lernen sei, aber diese Wörter gingen ihr immer leicht über die Lippen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Was? Was passiert hier?” Ich strample immer noch auf dem Rad, meine Trauer joggt lässig neben mir, gerade springt sie über einen Müllbeutel. “Das nennt sich Sturm.” schreit sie mir von der anderen Straßenseite rüber, wohin sie aus gewichen ist, nachdem uns ein Auto entgegen gekommen ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sturm? denke ich. Von meiner Trauer? Die sonst immer so lieb ist?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss kurz an einer Ampel anhalten, als ich es verstehe: in mir tobt gerade ein Trauer Sturm &#8211; auf offener Straße. Für alle anderen unsichtbar.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort spüre ich das übliche Druckgefühl in meinen Augen, mein Hals wird eng und meine Mundwinkel verziehen sich nach unten. Ich bin froh darüber, dass ich meine Sonnenbrillen trage. Meine Tränen können &#8211; für andere &#8211; auch Schweiß sein.<br><br>Als ich den Fuß auf die Pedale setzte und in Richtung meines geliebten Bio-Supermarktes radle, fällt die Erinnerung, wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammen und ich sehe, das ganze Bild ganz klar und deutlich vor mir:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">es ist ein Moment aus einem unserer unzähligen Familien Griechenland Urlaube. Ein Moment, in dem ich mich so geliebt, so gesehen und so wohl gefühlt haben muss, dass ich ihn in den tiefen meiner Seele abgespeichert haben muss. Denn das Gefühl was ich spüre, als mir meine Mutter über den Kopf streicht, ist: Liebe.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Logo des Bio Supermarktes, der, als meine Mutter noch lebte, ein Tengelmann war, wo ich oft an ihrer Hand beim Einkaufen war, verschwimmt vor meinen Augen, alle Farben aus der Realität verschwimmen mit den Farben aus dem Wassermalkasten aus meiner Erinnerung. Nur ein gelber Fleck kristallisiert sich ganz klar heraus. Ganz robust steht der gelbe Fleck an der Tür des Supermarktes und scheint auf mich zu warten. Als ich an meinem üblichen Radparkplatz anhalte und mir die Tränen aus den Augen wische, erkenne ich: es ist mein Leben. Ein gelbes T-Shirt, orange Short, dazu Adiletten und grass grüne Socken über die Knöchel gezogen, genauso wie meine Neffen immer ihre Socken tragen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss grinsen. “Wo wart ihr denn?” Ungeduldig tippt mein Leben mit den Zehen auf den Boden. “Es ist Feierabend! Wir haben noch viel vor.” Mein Leben deutet in Richtung der dunkelschwarz glänzenden Kirschen und den süßlich duftenden Melone. Der Duft vermischt sich mit meinem Basilikum. So wie meine Erinnerungen an meine Mutter sich mit meinem Leben vermischen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer dagegen ist verschwunden. Sie ist wohl schon zurück auf unserer Couch. Als ich den Draht Einkaufskorb nehme, flüstert mein Leben leise neben mir: “Eine Million Euro oder die Möglichkeit für immer in dieser Erinnerung zu leben?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Frag mich später nochmal an.&#8220; flüstere ich zurück.</p>
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		<title>&#8222;Ich habe Angst, dass mein Leben wieder geht.&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jul 2024 10:50:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
		<category><![CDATA[Verlust der Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Urch, arch.” stöhne ich. “Dieses frühe Aufstehen." Ich jammere weiter vor mich hin und schlürfe dabei durch meine Wohnung. </p>
<p>“Der frühe Vogel…” beginnt mein Leben. </p>
<p>“Kann mich mal…” vollenden meine Trauer und ich unisono den Satz.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><br>“Urch, arch.” stöhne ich. “Dieses frühe Aufstehen.&#8220; Ich jammere weiter vor mich hin und schlürfe dabei durch meine Wohnung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Der frühe Vogel…” beginnt mein Leben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Kann mich mal…” vollenden meine Trauer und ich unisono den Satz.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer fläzt auf meiner Couch. Die Bettdecke und das Kissen, das ihr schon eigentlich fast gehören von ihrem letzten Dauerbesuch, liegen achtlos zusammen geknüllt vor ihr auf dem Boden. Ich verdrehe genervt die Augen und lasse mich dann weiter klagend neben meine Trauer auf die Couch plumpsen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Wieso bist du eigentlich noch hier?” frage ich meine Trauer. Mein Leben hat gerade wieder einen hyperaktiven Anfall und räumt die Wohnung auf. Im Hintergrund plätschert leise Wasser. Mein Leben macht den Abwasch und pfeift leise dabei.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer schiebt sich seine Lesebrille in die Haare und sieht mich mit diesem Blick an, von dem ich weiß, dass das, was sie sagen wird, mir nicht gefallen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Weil du dich veränderst.” spricht meine Trauer und sieht mich einfach nur weiter an.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Verändern? Wie? Ich bin doch noch ich &#8211; oder etwa nicht?” Schnell scannt mein Blick mein Outfit des Tages: ein bunter Blazer, eine weite schwarze Leinenhose dazu und eine weiße kurzärmlige Bluse.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer folgt meinem Blick und schmunzelt: “Klar bist du noch du. Aber hast du wirklich geglaubt, dass dich der neue Job nicht verändert? Das er nichts “mit dir macht”?”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Puh &#8211; keine Ahnung. Ich war so fokussiert darauf, ihn überhaupt erstmal zu kriegen, dass ich mir um das “danach” keine Gedanken gemacht habe. Ich wußte auch nicht, dass ich mich so einsam fühlen würde, so verloren…” Ich senke die Stimme “mit meinem Leben.”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer nickt ernst. Ihr Kopf deutet in Richtung Küche: “Weiß dein Leben schon davon?” Ich schüttele nur den Kopf und fühle kleine Stiche in meinen Augen. Wieder Tränen. Es scheint mir manchmal, dass mein ganzer Lebensweg nur mit Tränen gepflastert ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">“Vielleicht solltet ihr mal miteinander reden? Du und dein Leben?”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Ich traue mich nicht.” Flüstere ich. Verlegen stupse mit meinen Zehen die Bettdecke meiner Trauer auf dem Teppich ein bisschen hin und her.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Na aber wenn du es nicht tust, dann denkt dein Leben alles ist Bombe &#8211; oder?” Sanft streicht meine Trauer mir eine Träne von der Wange. “Ich habe Angst, dass es dann wieder geht.” Flüstere ich. “Ich habe mich doch so gefreut, dass es bei mir eingezogen ist. Auch wenn ich es ihm so nie gesagt habe und es schon gleich dreimal nicht fühlen hab lassen.” Ich schniefe.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Hier.” Elegant reicht mir meine Trauer ein rot-weiß kariertes Taschentuch. Meine Trauer ist einfach immer auf meine Tränen vorbereitet. “Rede mit deinem Leben. Ihr müsst das klären. Du machst dich ja kaputt mit deinem Schweigen.”&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Okay.”</p>
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		<title>&#8222;Ich bin jetzt Lebensmillionärin!&#8220;</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2024/07/20/ich-bin-jetzt-lebensmillionaerin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jul 2024 12:02:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
		<category><![CDATA[Verlust der Mutter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich komme am Ende meiner ersten Arbeitswoche nach Hause und bin völlig fertig. So viel neues! </p>
<p>Ein neuer Rythmus.<br />
Ein neuer Job.<br />
Neue Aufgaben.<br />
Neuer Weg in die Arbeit.<br />
Neue Menschen um mich rum.<br />
Neu, neu, neu.<br />
Ich hatte mir solche Sorgen um alles mögliche im Vorfeld meines neuen Jobs gemacht, nur daran, was für eine Umstellung es werden wird, daran hatte ich keinerlei Gedanken verschwendet.<br />
“Ich bin wieder da!” Rufe ich in die Wohnung und eile schnell auf die Toilette.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich komme am Ende meiner ersten Arbeitswoche nach Hause und bin völlig fertig. So viel neues!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein neuer Rythmus.<br>Ein neuer Job.<br>Neue Aufgaben.<br>Neuer Weg in die Arbeit.<br>Neue Menschen um mich rum.<br>Neu, neu, neu.<br>Ich hatte mir solche Sorgen um alles mögliche im Vorfeld meines neuen Jobs gemacht, nur daran, was für eine Umstellung es werden wird, daran hatte ich keinerlei Gedanken verschwendet.<br>“Ich bin wieder da!” Rufe ich in die Wohnung und eile schnell auf die Toilette. Auch meinem Magen macht die Umstellung zu schaffen und ich habe Durchfall.<br><br>Als ich mich müde auf die Couch fallen lassen, materialisiert sich meine Trauer neben mir. “Herzlichen Glückwunsch! Ich bin so stolz auf dich!” Sie nimmt mich fest in den Arm und zusammen lassen wir es regnen. Meine Tränen gelten der Erleichterung meinem Ziel der finanziellen Unabhängigkeit einem Stück näher gekommen zu sein durch den neuen Job, einer irren Erleichterung, dass ich mich nicht mehr bewerben muss und einfach weil ich völlig übernächtigt bin. <br><strong><br>Ein Jetlag von dem Sprung von einem Kapitel in meinem Leben ins nächste.</strong><br><br>“Deine Mama sagt sie ist auch stolz auf dich. Sie freut sich so für dich.” Flüstert meine Trauer in meine Haare, die bestimmt noch nach Büro, U-Bahn und Rauch riechen.<br>“Meine Mama?” Frage ich ungläubig nach. “Aber… woher? Seit wann…?”<br>“Du wolltest doch schon lange wissen, wer meine Quelle ist, von der ich meine “Anweisungen” bekomme.” Sanft wischt meine Trauer mir die Tränen mit dem Zipfel ihres dunkelblauen T-Shirts vom Gesicht. Ich nicke. “Jetzt weißt du es.”<br>“Aber, wie geht das?”<br>“Magie, Irene. Magie!”<br>“Ach ja stimmt. Ich vergass.” Schon beim Einzug meiner Trauer hatte sie mir versprochen, dass wir gemeinsam die Magie des Lebens wieder finden würde, dass ich erstmal alleine in einer Zeitreise in meinem ersten und unvergesslichen Bali Urlaub landen würde, konnten weder meine Trauer und ich vorhersehen. Und dass mein Leben ein paar Monate danach bei mir einziehen würde, schon erst Recht nicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">“Weißt du, ich wünschte, mein Vater würde auch mal sowas zu mir sagen.” Ich denke zurück an das letzte Mittagessen mit meinem Vater. Seine Worte <em>Du bist zu alt, du hast den Anschluss an die Arbeitswelt und du warst zu faul die letzten Jahren </em>wabern nur noch lose durch mein Gedächtnis. Zurück bleibt ein Schmerz, der so uralt ist, dass ich ihn wie einen Stein in meinem Magen fühle. Der Schmerz nicht so geliebt zu werden, wie “es eigentlich sein sollte” &#8211; bedingungslos. Ohne dass ich mich auf irgendeine Art und Weise vor meinem Vater beweisen muss, mich anpassen muss und/oder das Gefühl habe noch “mehr” geben zu müssen. Mein immerwährender Kampf um seine Liebe.<br><br>Erneut steigen Tränen in meine Augen.<br>“Was ist denn hier los?” Mein Leben steht plötzlich vor der Couch auf der meine Trauer und ich sitzen. Durch meine vom Weinen verquollenen Augen erkenne ich ein gelbes Paket in den Händen meines Lebens.<br>“Was ist das?” Frage ich schniefend.<br>“Eine Überraschung von…” Mein Leben kneift die Augen zusammen und liest die Absender Adresse vor: “Vera. Ich dachte ich helfe dir diese Woche und war für dich auf der Post und habe das Paket abgeholt.” </p>



<p class="wp-block-paragraph">Freude schwappt in mein Herz, das so eben noch restlos mit dem grasgrünen Schmerz um die fehlenden Liebe meines Vaters gefüllt war. Rosa farbene Freude, die meine Herz jetzt restlos auffüllt. Ich springe auf und reiße meinem Leben das Paket aus der Hand. “Gib her.” Schnell reiße ich die gelbe Box auf und blicke staunend auf den Inhalt: ein Buch in englisch über Liebe, genauso wie ich es immer lese, ein Tee für den Feierabend und eine goldene Daruma (ein japanischer Glücksbringer).</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Wieso kennt sie mich so gut?” Heule ich auf. “Das bin genau ich. Alles was mir am Herzen liegt und mir wichtig ist in einer Box. Verrückt!” In mir spüre ich eine Stimme die mir sagt, dass ich das nicht verdient habe, dass es “doch keine große Sache war den neuen Job anzufangen” dass “ich mich nicht so anstellen soll” Ich schüttele mich und sage mir in Gedanken “Stop! Ich hatte genug Menschen in meinem Leben, die mir meine Gefühle abgesprochen haben. Ich darf mich genauso fühlen, wie ich mich gerade fühle und sei es einfach nur stolz auf mich selber und hundemüde und dankbar. Vor allem dankbar! Für diese Chance neu im Leben anfangen zu dürfen, für das Gefühl auf dem Weg zu sein, auf meinen eigenen Füßen zu stehen und von niemanden abhängig zu sein.<br><br>Ich will Vera eine Sprachnachricht schicken, um mich bei ihr zu bedanken und halte inne. Ich betrachte mein Leben, wie es da so vor mir steht mit seinem grasgrünen T-Shirt und den knall pinken Shorts, mich freundlich anlächelnd, immer nur das im Sinne für mich, was jetzt eben gerade ansteht. Spontan falle ich meinem Leben um den Hals: “Danke dir!” Ich schmatze ihr einen feuchten Kuß auf die Wange: <br><strong>“Ich bin jetzt Lebensmillionärin!”</strong><br><br>“Ach du.” Die Wangen meines Lebens bekommen rosa Flecken, die sich mit seinem restlichen Outfit stechen. Verlegen schlägt mein Leben die Augen zu Boden und mustert die Reste von meinem Frühstück to-go.<br>Ich sprinte ins Wohnzimmer und reiße die Papierfahne mit dem Wort “Job” vom Fenster: “Der Job is in the books!” Ich ziele auf meinen Papierkorb und der zusammengeknüllte Ball landet dort mit einem “Umpf”.</p>
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		<title>Meine Trauer führt mich zu einer Schwimmstunde &#8211; auf dem Trockenen</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2024/07/07/meine-trauer-fuehrt-mich-zu-einer-schwimmstunde-auf-dem-trockenen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jul 2024 11:16:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionale Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Neubeginn]]></category>
		<category><![CDATA[Verlust der Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Plötzlich wirkt mein Leben ganz blass. „Geht’s dir nicht gut?“ frage ich besorgt. Auch wenn ich gerade tierisch stinkig auf mein Leben bin, ist es immer noch, naja, mein Leben. Das soll ja nicht umkippen, vor allem, weil ich kein Blut sehen kann.</p>
<p>„Mir ist so…“ Mit großen Augen sehe ich mein Leben an, da es eine Pause macht.<br />
„So…?“<br />
„Ich weiß auch nicht. Ich fühl mich auf einmal so …?“<br />
„Ja, wie denn nun?“ Meine Ungeduld wächst und schlägt schon fast ins Aggressive um.<br />
„Transluzid?“<br />
„Transzu-was?“ Dass mein Leben jetzt mit solchen Wörtern, die ich erst mal googeln muss, um sich wirft, muss ja jetzt auch nicht sein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2024/07/07/meine-trauer-fuehrt-mich-zu-einer-schwimmstunde-auf-dem-trockenen/">Meine Trauer führt mich zu einer Schwimmstunde &#8211; auf dem Trockenen</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich wirkt mein Leben ganz blass. „Geht’s dir nicht gut?“ frage ich besorgt. Auch wenn ich gerade tierisch stinkig auf mein Leben bin, ist es immer noch, naja, mein Leben. Das soll ja nicht umkippen, vor allem, weil ich kein Blut sehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mir ist so…“ Mit großen Augen sehe ich mein Leben an, da es eine Pause macht.<br>„So…?“<br>„Ich weiß auch nicht. Ich fühl mich auf einmal so …?“<br>„Ja, wie denn nun?“ Meine Ungeduld wächst und schlägt schon fast ins Aggressive um.<br>„Transluzid?“<br>„Transzu-was?“ Dass mein Leben jetzt mit solchen Wörtern, die ich erst mal googeln muss, um sich wirft, muss ja jetzt auch nicht sein. Beim Aufstehen, um mein Handy aus der Küche zu holen, schaue ich mir mein Leben genauer an. Und tatsächlich! Es ist ganz durchsichtig geworden. Ich sehe nur noch seine Umrisse und durch seinen Körper hindurch schimmern die grünen Blätter der gegenüberliegenden Bäume. Ich versuche es anzufassen und greife wie durch Spinnweben. „Igh!“ Erschrocken ziehe ich meine Hand zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn mit dir los?“<br>Mein Leben zuckt mit den Schultern, seine Stimme ist auch schon kaum mehr hörbar: „Das müssen die Reisen in die Vergangenheit sein. Die ziehen mir die ganze Energie.“<br>„Shit! Und jetzt?“<br>„Ich habe da vielleicht eine Lösung.“ Meine Trauer, die die ganze Zeit still gewesen ist und uns nur beobachtet hat, springt auf und kramt in ihrer Reisetasche herum. Es fliegen heraus: eine Zinksalbe, ein Podcast-Mikro und ein braunes kleines Medizinfläschchen. Alles sieht noch oller und angegriffener aus als beim Einzug meiner Trauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich dachte, diese ganzen Erinnerungsstücke wären alle schon längst verloren gegangen?!“ Vorsichtig hebe ich das braune Medizinfläschchen auf. In dem Moment, als ich es anfasse, kommen mir drei Sätze in den Kopf: „Entweder du gehst in eine psychosomatische Klinik oder du nimmst Antidepressiva. Selbstbestrafung durch Essensentzug ist scheiße. Wir fliegen nach Mauritius!“ Ich werde plötzlich müde und schließe kurz die Augen. Schon sehe ich den Start dieser Geschichte aus meiner Vergangenheit, wie in einem Film vor mir ablaufen. Er beginnt mit einer Panikattacke auf dem Heimweg von meinem damaligen Job.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht jetzt, Irene!“ Meine Trauer reißt mir das Fläschchen aus der Hand. Ich schlage die Augen auf und stehe wieder in meiner Wohnung, mein durchsichtiges Leben vor mir.<br>„Ah, da ist es ja!“ Mit einem zufriedenen Lächeln zieht meine Trauer nun ein flaches braunes Kästchen aus Holz aus ihrer Tasche. Es klappert leise. Mit einem Wisch fegt meine Trauer meine Zen-Dekoration vom Couchtisch und klappt das Kästchen auf. In rasender Geschwindigkeit stellt meine Trauer Spielfiguren auf. 15 auf der einen Seite des Brettes und 15 auf der anderen. Schach war noch nie meins. „Ihr müsst spielen!“ ruft meine Trauer und zeigt auf das Brettspiel.<br>Genervt verdrehe ich die Augen: „Ich hasse Brettspiele!“<br>„Es geht um dein Leben, Irene!“ Meine Trauer deutet auf mein Leben, und tatsächlich ist es irgendwie noch blasser geworden. Es ist fast schon mit der Umgebung verschmolzen und nahezu unsichtbar geworden. Ich kann nur noch ganz schwach den Umriss seiner Hand erkennen, wie es mir zuwinkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das geht ja gar nicht!“ Ich haste zu meinem Leben, greife es an seiner durchsichtigen Hand und manövriere das zarte Etwas ganz vorsichtig in Richtung Couchtisch. Schnell werfe ich noch mein Kissen mit den goldenen Palmen auf den Boden, damit mein Leben es bequem hat. „Setz dich.“ Das feine, wabernde Etwas nimmt Platz. Meine Berührung muss wohl etwas in meinem Leben ausgelöst haben. Die Konturen verstärken sich leicht wieder, so als hätte jemand Punkte mit einem Stift verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Spiel, Irene.“ fordert mich meine Trauer auf und drückt mich unsanft auf meinen Wohnzimmerteppich.<br>„Ich weiß nicht wie!“ jammere ich und verstecke meine Hände hinter meinen Fingern.<br>„Learning by doing.“ Das Englisch meiner Trauer war auch schon mal besser. So wie sie es gerade ausgesprochen hat, hört es sich eher wie „Lörning bei tuing“ an. Ich schmunzle und löse meine Hände von meinem Gesicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben eröffnet das Spiel. Fasziniert sehe ich dabei zu, wie seine Hand, sobald sie eine Spielfigur berührt, wieder ganz sichtbar wird. Dabei entgeht mir, dass die Spielfiguren nicht die sind, die ich von meinen mangelnden Schachkenntnissen kenne, sondern aus Firmenlogos bestehen. Mein Leben hat soeben das Logo eines Museumsshops aus der Reihe der übrigen nach vorne gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich an den langen, komplizierten Bewerbungsprozess für diesen Shop, inklusive Probearbeiten, auf das eine Absage erfolgte. Ach, darum geht es hier! Verstehend setze ich ziel- und planlos eine Figur nach vorne. Es ist das Logo einer Fahrradfirma, bei der ich mich &#8211; ebenfalls erfolglos &#8211; beworben hatte. Immerhin habe ich in diesem Bewerbungsprozess verstanden, dass es viel Wert ist, wenn man beruflich etwas tut, was sich im Kontext seiner liebsten Freizeitbetätigung bewegt. Eine sogenannte Blase. Was meine Blase sein könnte, wusste ich damals nicht. Ich habe ja nur ein Buch geschrieben, poste regelmäßige Beiträge und Reels über meine Trauer auf Instagram, bin kreativ in Canva und habe mir die Grundzüge von WordPress selbst beigebracht &#8211; keine große Sache. Nichts, womit ich denke, Geld verdienen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mein Leben scheint einen Plan zu haben. Zug um Zug kickt es meine immer noch wahllos aufgestellten „Schachfiguren“ vom Brett. Meine Trauer hat es sich mal wieder auf meiner Couch gemütlich gemacht und blickt nur ab und an zu unserem Spiel. Leise höre ich sie auf ihr Handy tippen. Wahrscheinlich benutzt sie genau diese Situation wieder für einen ihrer Kurse an der TU &#8211; der Trauer Universität. „Planlos leben“ oder so wird der Kurs heißen. Mit Titeln, die sich gut verkaufen, hat es meine Trauer nicht so, dafür hält sie ihre Kurse mit ganz viel Liebe und diese sind immer restlos ausgebucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben hat wieder Farbe bekommen. Ich sehe es nun wieder ganz deutlich vor mir sitzen. Das gelbe T-Shirt beißt sich mit der roten Weste. Dazu hat es eine hell-lila Hose an. Ich muss grinsen. Meine innere Perfektionistin scheint nicht auf mein Leben übergesprungen zu sein.<br>„Was grinst du so?“ Mein Leben hat auch wieder seine Sprache gefunden und hält kurz inne.<br>„Nichts, nichts.“ winke ich ab. Erstaunt stelle ich fest, dass ich mittlerweile nur noch eine Figur auf meinem Brett stehen habe. Mein Leben hält ebenfalls nur noch eine Figur in der Hand. Ungläubig sieht es mich erst an, dann die Figur. Es kneift die Augen zusammen und liest langsam das Firmenlogo vor.<br>„NURIA? Schon wieder?“<br>„Nein, nein. Nicht die Nuria, eine andere. Aber auch Coaching und so.“<br>„Nein!“ Entschieden kickt mein Leben Nurias Figur vom Brett. „Schachmatt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Leben hat gewonnen.<br>Stolz setzt mein Leben die letzte Figur vor mir ab. Ich nehme sie in die Hand und lese, was darauf steht: „Schreiben, kreativ sein, Social Media und Kundenkontakt.“<br>„Was? Das gibt&#8217;s doch nicht!“<br>„Doch!“ Mein Leben springt nun auf und vollführt einen Freudentanz, dabei kippt der Couchtisch um und alle Figuren samt Brett landen auf dem Boden. Ich muss kurz daran denken, dass meine Mutter immer die Geschichte erzählt hat, wie mein großer Bruder sich beim Brettspiel so geärgert hat, wenn er verlor, dass er &#8211; aus Wut &#8211; das gesamte Brettspiel an die Wand geknallt hat, heulend vom Tisch aufgestanden ist und sich in sein Zimmer gesperrt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Träne kullert mir die Wange herunter. Sofort ist meine Trauer bei mir und streichelt mir sanft die Schultern. „Freust du dich denn gar nicht? Ich meine über den neuen Job?“<br>Ich wische mir die Tränen weg: „Doch, doch. Es ist nur wieder so ein Meilenstein in meinem Leben, bei dem meine Mutter fehlt.“<br>„Ich verstehe.“ Meine Trauer legt kurz den Kopf zur Seite, so als würde sie jemandem konzentriert zuhören. Ich kenne das schon. So empfängt meine Trauer ihre „Anleitungen“. Welche Quellen sie hat, hat sie mir bis heute nicht verraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer nickt kurz und sieht mich dann mit diesem Blick an, von dem ich weiß, dass was sie sagen wird, mir nicht gefallen wird.<br>„Lass uns einen Brief schreiben!“ Meine Trauer klatscht freudig in die Hände.<br>„Einen Brief?“ Atemlos lässt sich nun auch mein Leben wieder zu uns auf den Teppich sinken.<br>„Was ist los?“ fragt es meine Trauer und mich.<br>„Irene kann sich nicht so recht über den neuen Job freuen, weil sie die Nachricht nicht mit ihrer Mutter teilen kann.“<br>„Hey! Ich kann für mich selbst sprechen.“ Ich stupse meine Trauer in die Seite: „Ich war nur einfach noch nicht so weit.“<br>„Okay! Bitte entschuldige.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer nimmt mein Notizbuch, in das ich täglich schreibe, und drückt mir einen goldenen Füller in die Hand. Dieser Füller hat mir schon mal das Leben gerettet, damals als ich…<br>„Schreib lieber, Irene, als diesen alten Geschichten hinterherzuhängen.“ flüstert mir meine Trauer leise, aber bestimmt ins Ohr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Liebe Mama,“ beginne ich, und in meiner Nase beginnt es sofort zu kribbeln und meine Augen füllen sich mit Wasser, so dass meine Schrift verschwimmt. Ich schreibe weiter: „Morgen beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Ich hoffe, du bist stolz auf mich und freust dich für mich. Ich bin es und tue es.“<br>Eine Träne läuft mir die Wange herunter und landet mit einem fetten Klatscher auf dem Wort „stolz“, was jetzt eher wie „stooooooooolz“ aussieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist einfach so traurig.“ schniefte ich. „Seit Jahren ist sie bei keinem meiner wichtigen Ereignisse da. Von der Abifeier bis zur letzten Trennung. Alles muss ich alleine machen.“ Hastig wische ich mir die Tränen von den Wangen. Scheiß Tränen immer. „Wieso fühle ich das dieses Mal so stark? Diese Traurigkeit, dass sie nicht da ist?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Trauer zuckt mit den Schultern: „Weil es halt auch einfach traurig ist.“ Sanft legt sie ihren Arm um mich und zieht mich an sich. „Wein ruhig noch ein bisschen, wenn du magst.“ Meine Schultern beginnen zu zucken, wie immer, wenn mich eine kleine Welle erwischt, so als würde mein Körper versuchen, mir zu helfen, mich freizuschwimmen. „Weißt du …“ flüstert meine Trauer „in gewisser Weise ist deine Mama ja doch da…“<br>„Wie meinst du das?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Handy klingelt und reißt mich aus meiner Schwimmstunde auf dem Trockenen.<br>Caller ID: Meine Tante, die Schwester meiner Mutter.</p>
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