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	<title>Leben mit Trauer-Archiv - Irene Kasapis</title>
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	<title>Leben mit Trauer-Archiv - Irene Kasapis</title>
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		<title>Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 11:17:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer ABC]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich wollte nach Bali auswandern – und musste diesen Traum loslassen. Warum sich unerfüllte Träume wie Trauer anfühlen und was wirklich hilft, damit umzugehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/21/unerfuellte-traeume-loslassen-wie-ich-meinen-bali-traum-gehen-lassen-musste/">Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Du hast dir dein Leben anders vorgestellt. Vielleicht nicht nur ein bisschen anders – sondern komplett.</p>



<p>Ein anderes Land.<br>Ein anderes Gefühl.<br>Ein anderes Ich.</p>



<p>Ich war mir lange sicher, dass ich nach Bali auswandern würde.<br>Es war nicht einfach nur ein Traum – es war der Plan.</p>



<p>Und dann ist es nicht passiert.</p>



<p>Was mir niemand gesagt hat:<br>Dass sich so etwas nicht nur wie Enttäuschung anfühlt.<br>Sondern wie Trauer.</p>



<p>Wie der Verlust eines Lebens, das nie wirklich da war –<br>und trotzdem alles für dich bedeutet hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum sich unerfüllte Träume wie Trauer anfühlen</h2>



<p>Die meisten verbinden Trauer mit dem Verlust eines Menschen.<br>Aber es gibt auch eine andere Art von Verlust, über die kaum gesprochen wird:<br>den Verlust eines Lebens, das nie stattgefunden hat.</p>



<p>Ein Traum ist nicht nur eine Idee.<br>Er ist eine Richtung. Eine Hoffnung. Eine Version von dir selbst.</p>



<p>Wenn dieser Traum zerbricht, verlierst du nicht nur einen Plan.<br>Du verlierst oft auch ein Stück Identität.<br>Eine Vorstellung von Zukunft.<br>Und das Gefühl, dass irgendwann alles genau so wird, wie es für dich richtig wäre.</p>



<p>Genau deshalb kann es sich anfühlen wie Trauer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum dieser Verlust oft nicht ernst genommen wird</h2>



<p>Das Schwierige an unerfüllten Träumen ist: Viele Menschen verstehen diesen Schmerz nicht.</p>



<p>Von außen wirkt es oft wie „nur ein Wunsch“ oder „nur ein Plan“.<br>Aber für die Person, die diesen Traum getragen hat, war es viel mehr als das.</p>



<p>Es war ein inneres Zuhause.<br>Eine Hoffnung.<br>Vielleicht sogar die Vorstellung eines Lebens, das sich endlich leichter und richtiger anfühlen sollte.</p>



<p>Wenn so etwas wegbricht, tut das weh.<br>Auch wenn es von außen nicht immer nachvollzogen wird.</p>



<p>Genau deshalb fühlen sich Sätze wie „Dann mach halt etwas anderes“ oft nicht hilfreich an, sondern leer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mein Bali-Traum – und was sein Verlust in mir ausgelöst hat</h2>



<p>Ich war mir lange sicher, dass ich nach Bali auswandern würde.</p>



<p>Nach meinem ersten Urlaub dort – ich war Anfang 30, frisch raus aus <a href="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/">einer toxischen Beziehung</a> –<br>hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, wirklich frei zu sein.</p>



<p>Bali hat mich verzaubert.<br>Das Lächeln der Menschen.<br>Die fremde Kultur, die sich gleichzeitig so verführerisch angefühlt hat.<br>Der Duft von Räucherstäbchen in der Luft.<br>Diese warme, schwere Tropenluft, die alles langsamer gemacht hat.</p>



<p>Und da war dieses Bild von mir:<br>ein anderes Leben.<br>Leichter. Freier. Mehr ich.</p>



<p>Ich habe dort auch jemanden kennengelernt.<br>Eine neue Liebe. Sein lifestyle hätte exakt zu diesem neuen, besseren Leben gepasst.<br>Und auch sie ist wieder zerbrochen.</p>



<p>Trotzdem hat mich dieser Ort nicht mehr losgelassen.</p>



<p>Zehn Jahre lang habe ich nach einem Weg gesucht,<br>wie ich mir dieses Leben aufbauen kann.</p>



<p>Und dann war ich plötzlich ganz nah dran.</p>



<p>Ein Job als General Manager in einem Yoga-Haus – für mich war das das Ticket.</p>



<p>Ich habe ein Teil vom Schmuck meiner verstorbenen Mutter verkauft, um mir das Ticket leisten zu können und habe sogar eine geplante Indienreise abgesagt, um nach Bali zu fliegen und mir alles vor Ort anzuschauen.</p>



<p>Ich wollte, dass es funktioniert.</p>



<p>Aber schon im Gespräch wurde klar: Das passt nicht.</p>



<p>Die Besitzerin hatte ein anderes Bild von der Person, die sie suchte.<br>Und ich habe gemerkt, dass ich versucht habe, jemand zu sein, der ich eigentlich gar nicht bin.</p>



<p>Ich bin zurück nach München geflogen. Mit diesem leisen Gefühl, dass es nichts wird.</p>



<p>Und ein paar Tage später kam die endgültige Absage.</p>



<p>Bali war für mich nie einfach nur ein Ort.<br>Es stand für Freiheit. Für Leichtigkeit.<br>Für ein Leben, das sich endlich richtig anfühlen sollte.</p>



<p>Vielleicht sogar für eine Version von mir, die ich unbedingt werden wollte.</p>



<p>Und genau deshalb hat es so wehgetan.</p>



<p>Weil ich in diesem Moment verstanden habe:<br>Ich bin nicht nur enttäuscht.</p>



<p>Ich trauere.</p>



<p>Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Dass du nicht nur etwas verlierst, das real war – sondern etwas, das in dir schon längst ein Zuhause hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was wirklich hilft, wenn ein Lebenstraum zerbricht</strong></h2>



<p>Was mir am meisten geholfen hat, war nicht, schnell eine Lösung zu finden.<br>Sondern aufzuhören, so zu tun, als wäre es „nicht so schlimm“.</p>



<p>Ich habe lange versucht, mir einzureden, dass es doch nur ein Ort ist.<br>Dass ich einfach einen neuen Plan machen kann.</p>



<p>Aber so hat es sich nicht angefühlt.</p>



<p>Es hat sich angefühlt wie ein Verlust.</p>



<p>Und erst als ich mir erlaubt habe, das genau so zu sehen, hat sich etwas verändert.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>1. Es Trauer nennen</strong></h3>



<p>Ich musste mir eingestehen: Ich bin nicht einfach nur enttäuscht.</p>



<p>Ich trauere.</p>



<p>Nicht um Bali als Ort – sondern um das Leben, das ich damit verbunden habe.</p>



<p>Allein das hat Druck rausgenommen. Weil ich nicht mehr versucht habe, „schnell darüber hinwegzukommen“.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>2. Aufhören, sofort einen neuen Plan zu brauchen</strong></h3>



<p>Dieses „Dann mach halt was anderes“ hat mich eher noch unruhiger gemacht.</p>



<p>Weil es so wirkt, als müsste sofort etwas Neues entstehen, damit das Alte nicht mehr weh tut.</p>



<p>Aber das stimmt nicht.</p>



<p>Manchmal gibt es einfach eine Phase dazwischen.<br>Ohne Plan. Ohne Richtung.</p>



<p>Und die darf da sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>3. Verstehen, dass Loslassen nicht Vergessen bedeutet</strong></h3>



<p>Ich hatte lange das Gefühl, ich müsste diesen Traum komplett hinter mir lassen, um weitermachen zu können.</p>



<p>Aber das hat sich falsch angefühlt.</p>



<p>Heute sehe ich das anders:</p>



<p>Dieser Traum war ein Teil von mir.<br>Und er darf ein Teil von mir bleiben.</p>



<p>Auch wenn ich ihn nicht gelebt habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>4. Mir selbst erlauben, dass es weh tun darf</strong></h3>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Nicht alles muss sofort Sinn ergeben.<br>Nicht alles passiert „aus einem Grund“, den ich direkt verstehen muss.</p>



<p>Manche Dinge tun einfach weh.</p>



<p>Und vielleicht geht es weniger darum, das schnell aufzulösen…</p>



<p>sondern eher darum, einen Weg zu finden, damit zu leben, ohne daran hart zu werden.</p>



<p>Vielleicht geht es also gar nicht darum, jeden Traum festzuhalten oder ihn perfekt loszulassen.</p>



<p>Vielleicht geht es darum, ehrlich anzuerkennen, was er für dich bedeutet hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn sich das Leben anders entwickelt als geplant</strong></h2>



<p>Heute kann ich sagen, dass ich dankbar bin, dass es damals nicht geklappt hat.</p>



<p>Nicht, weil es „so sein sollte“.<br>Und auch nicht, weil es nicht wehgetan hat.</p>



<p>Sondern weil ich mit etwas Abstand sehen kann, dass dieser Weg einfach nicht meiner war.</p>



<p>Mein Leben sieht heute anders aus, als ich es mir damals vorgestellt habe.</p>



<p>Und lange Zeit hätte ich genau das als Scheitern gesehen.</p>



<p>Heute sehe ich es anders.</p>



<p>Veränderung gehört zum Leben dazu.<br>Nicht nur im Außen – sondern vor allem im Innen.</p>



<p>Manche Träume begleiten uns eine Zeit lang, weil sie uns in eine bestimmte Richtung ziehen.</p>



<p>Und irgendwann verändern wir uns.<br>Oder das Leben verändert uns.</p>



<p>Und plötzlich passt dieser Traum nicht mehr – auch wenn wir ihn einmal unbedingt wollten.</p>



<p>Das macht ihn nicht weniger wichtig.</p>



<p>Aber vielleicht bedeutet Loslassen manchmal nicht,<br>dass etwas falsch war.</p>



<p>Sondern dass sich etwas weiterentwickelt hat.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Und vielleicht ist genau das auch ein Teil von Trauer:<br>nicht nur Abschied zu nehmen,<br>sondern anzuerkennen, wer man auf dem Weg geworden ist.</p>
</blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/21/unerfuellte-traeume-loslassen-wie-ich-meinen-bali-traum-gehen-lassen-musste/">Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<title>Trauer und Einsamkeit: Warum beides oft zusammengehört</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/01/05/trauer-und-einsamkeit-warum-beides-oft-zusammengehoert/</link>
					<comments>https://irenekasapis.de/2026/01/05/trauer-und-einsamkeit-warum-beides-oft-zusammengehoert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 09:37:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trauer und Einsamkeit gehen oft Hand in Hand. Nach einem Verlust fühlt sich die Welt fremd an, während innen alles in Bewegung ist. Dieser Text zeigt, warum Einsamkeit zur Trauer gehört und was helfen kann, mit ihr zu leben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/01/05/trauer-und-einsamkeit-warum-beides-oft-zusammengehoert/">Trauer und Einsamkeit: Warum beides oft zusammengehört</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Trauer und Einsamkeit</strong> sind zwei Worte, die im ersten Moment wie stille Nachbarn wirken. Beide sprechen leise, beide treten oft dann auf, wenn wir es am wenigsten wollen. Und doch sind sie verbunden wie zwei Schatten, die sich gegenseitig länger erscheinen lassen.</p>



<p>Viele Menschen erleben nach einem Verlust nicht nur Trauer, sondern eine tiefe Form der Einsamkeit, die anders ist als das übliche Alleinsein. Sie ist nicht leer. Sie ist voll. Voll von Erinnerungen, Gedanken, Emotionen und inneren Gesprächen, die man vorher vielleicht gar nicht kannte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum Trauer so oft einsam macht</strong></h2>



<p>Wenn jemand&nbsp; durch Tod, Trennung oder ein anderes Ende geht, entsteht eine Lücke, die sich nicht sofort füllen lässt. Die Welt läuft weiter, aber deine eigene bleibt kurz stehen. Du siehst Menschen, die lachen, arbeiten, einkaufen, leben. Und du fragst dich vielleicht: <em>Warum fühlt sich alles so weit weg an?</em></p>



<p>Einsamkeit in der Trauer entsteht, weil:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>der Mensch fehlt</strong>, mit dem du früher deine Welt geteilt hast</li>



<li><strong>das Umfeld oft unsicher reagiert</strong> – viele wissen nicht, wie sie mit Trauer umgehen sollen</li>



<li><strong>deine innere Welt sich verändert</strong>, während dein Umfeld gleich bleibt</li>



<li><strong>du plötzlich mehr Zeit mit dir selbst verbringst</strong> – ob du willst oder nicht</li>
</ul>



<p>Diese Einsamkeit ist nicht „falsch“. Sie ist ein Teil des Prozesses. Ein Raum, in dem sich die Trauer ausbreiten darf, um irgendwann einmal kleiner zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die stille Seite der Trauer</strong></h2>



<p>Trauer ist nicht nur laut, schmerzhaft oder dringlich. Sie hat auch eine leise Seite. Viele Betroffene berichten von Tagen, an denen äußerlich nichts passiert – die <em>unsichtbaren Tage</em> –, aber innerlich alles in Bewegung ist.</p>



<p>Einsamkeit macht diese Tage intensiver:<br>Plötzlich hörst du Gedanken, die früher im Alltagslärm verschwunden sind. Du bemerkst Gefühle, die lange keinen Platz hatten. Du erinnerst dich an Momente, die du kaum ausgehalten hast – und an solche, die du nie verlieren willst.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum Einsamkeit auch etwas zeigen kann</strong></h2>



<p>Auch wenn sie weh tut: Einsamkeit kann ein Spiegel sein.</p>



<p>Sie zeigt dir:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>was dir wirklich wichtig ist</strong></li>



<li><strong>welche Verbindungen dir fehlen</strong></li>



<li><strong>welche du neu knüpfen willst</strong></li>



<li><strong>wo du dich selbst verloren hast</strong></li>



<li><strong>wo du dich selbst wiederfinden kannst</strong></li>
</ul>



<p>Einsamkeit zwingt dich, nach innen zu schauen. Und viele entdecken dort nicht nur Schmerz, sondern auch Mut. Mut, Hilfe zu suchen. Mut, zu gehen, wenn etwas nicht mehr passt. Mut, Unterstützung anzunehmen. Mut, neue Rituale zu finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie du mit Trauer und Einsamkeit umgehen kannst</strong></h2>



<p>Es gibt keinen festen Plan, aber es gibt Wege:</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>1. Verbindungen, die echt sind</strong></h3>



<p>Suche Menschen, die zuhören, nicht reparieren wollen. Die aushalten können, dass du gerade nicht funktionierst wie sonst.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>2. Rituale, die dich tragen</strong></h3>



<p>Ein Tee auf der Couch. Ein Spaziergang zu einer bestimmten Uhrzeit. Ein Satz, den du dir selbst sagst. Kleine Dinge können wie Anker sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>3. Schreiben – um Raum zu schaffen</strong></h3>



<p>Ob Tagebuch, Notiz, Blog oder ein Gespräch mit deiner Trauer selbst: Schreiben holt Licht in das Dunkel.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>4. Hilfe annehmen</strong></h3>



<p>Trauer ist keine Schwäche. Und Einsamkeit auch nicht. Manchmal braucht es jemanden, der den Weg ein Stück mitgeht.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>5. Die Magie erkennen, die trotzdem da ist</strong></h3>



<p>Vielleicht nicht sofort. Vielleicht erst, wenn der Sturm leiser wird. Aber sie kommt – ein Moment, der dich erinnert:<br><em>Es gibt wieder Leben. Und es darf wieder leicht sein.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn Trauer und Einsamkeit zu viel werden</strong></h2>



<p>Manchmal wird der Schmerz so groß, dass du ihn nicht mehr allein halten kannst.<br>Dann ist es wichtig, dass du weißt: <strong>Du musst das nicht. Und du darfst jederzeit Hilfe holen.</strong></p>



<p><strong>Kostenfreie, anonyme Hilfe in Deutschland – rund um die Uhr:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>📞 <strong>TelefonSeelsorge</strong><strong><br></strong>0800 111 0 111<br>0800 111 0 222<br>116 123</li>



<li>📞 <strong>Krisendienst Psychiatrie (24/7 in vielen Regionen, u. a. München &amp; Bayern):</strong><strong><br></strong>0800 655 3000</li>



<li>🚑 <strong>Im akuten Notfall: 112</strong></li>
</ul>



<p>Du bist nicht allein. Und du musst diesen Weg nicht ohne Unterstützung gehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/01/05/trauer-und-einsamkeit-warum-beides-oft-zusammengehoert/">Trauer und Einsamkeit: Warum beides oft zusammengehört</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>9 Trauerrituale, die mir geholfen haben, weiterzugehen</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/11/16/9-trauerrituale-die-mir-geholfen-haben-weiterzugehen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Nov 2025 11:18:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trauer bleibt, aber sie verändert sich. Hier erzähle ich von 9 Trauerritualen, die mir geholfen haben, weiterzugehen – leise, alltagstauglich und nah an meinem eigenen Weg</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/11/16/9-trauerrituale-die-mir-geholfen-haben-weiterzugehen/">9 Trauerrituale, die mir geholfen haben, weiterzugehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In diesem Artikel geht es um persönliche <strong>Trauerrituale</strong>, die mich seit 30 Jahren begleiten. Ohne Muss, ohne Anleitung. Nur Erfahrungen.<br><br>Wenn jemand stirbt, funktioniert man erst einmal. Beerdigung organisieren, <a href="https://irenekasapis.de/2025/02/19/der-kranz/">Blumen aussuchen</a>, Karten drucken, Behörden informieren, vielleicht noch einen Leichenschmaus planen. Ein absurdes Abhaken von To-dos. Viele klappen danach zusammen, weil erst dann klar wird, was <em>wirklich</em> passiert ist.</p>



<p>Aber was passiert <strong>nach</strong> diesem organisatorischen Ausnahmezustand?<br>Wie erinnern wir uns <strong>im Alltag</strong> an die Menschen, die wir verloren haben?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="483" height="1024" src="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale-483x1024.png" alt="9 Trauer Rituale, die mir geholfen haben weiterzugehen" class="wp-image-2130" srcset="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale-483x1024.png 483w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale-141x300.png 141w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale-768x1629.png 768w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale-724x1536.png 724w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2025/11/9-Trauer-Rituale.png 943w" sizes="(max-width: 483px) 100vw, 483px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was Rituale in der Trauer für mich bedeuten</strong></h2>



<p>Ein Ritual wird oft definiert als <em>„formelle Handlung mit hohem symbolischen Gehalt“</em>.<br>Trauer hält sich aber selten an Regeln. Was bleibt, ist der <strong>symbolische Teil</strong>: eine kleine Handlung, die die Vergangenheit in das Jetzt holt.</p>



<p>Für mich sind Trauerrituale kein Versprechen, dass etwas leichter wird. Sie sind eher ein <strong>Ort</strong>, an dem ich meine Trauer ablegen oder wieder aufnehmen kann. Ein Baby Step, ein Tränchen, ein Atemzug.<br>Und manchmal auch ein bisschen Magie.</p>



<p>Trauer bleibt. Ein Leben lang — nur anders.<br>Und jede*r trauert im eigenen Tempo. Das ist völlig okay.</p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-0aef3e9e93941b3ac6cf7a4a528cfc6b">Ein Trauerritual ist eine kleine Handlung, die die Vergangenheit in das Jetzt holt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Meine persönlichen Trauerrituale</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mein neuestes Trauerritual: Mit den Verstorbenen sprechen</strong></h3>



<p>Ich spreche laut mit meinem Vater.<br><br>Manchmal ist es nur ein „Hallo?“, manchmal erzähle ich ihm, was in meinem Leben los ist. Es fühlt sich an wie <strong>eine Sprachnachricht in die Stille</strong>. Ohne Antwort, aber mit Wirkung. Für mich.</p>



<p>Ich mache das an Orten, wo mich niemand hört: zu Hause, im parkenden Auto, manchmal auf einer abgeschlossenen Toilette.<br><br>Das laute Aussprechen hilft mir, Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Vater mir jetzt wirklich zuhört – anders als zu Lebzeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Einen festen Ort schaffen</strong></h3>



<p>In meinem Wohnzimmer, zwischen meinen Lieblingsbüchern, stehen Bilder meiner Mutter, meiner Oma und meines Vaters – hinter einer Tür, die ich selbst öffnen kann, wenn ich möchte.</p>



<p>Von meinem Vater habe ich eine alte Standuhr geerbt. Kitschig, aber sie hat ein pinkes Regal bekommen, so wie meine Lieblingsfarbe. An seinem Todestag stelle ich eine Blume dazu. Dieser Platz verbindet mein Früher und mein Heute.</p>



<p>Früher hatte ich überall Fotos stehen. Irgendwann wurde es zu viel. Heute tut mir ein <strong>bewusst gestalteter Ort</strong> besser, weil ich selbst bestimmen kann, wann ich Kontakt möchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine Kerze anzünden</strong></h3>



<p>Im Herbst und Winter brennen bei mir fast jeden Abend Kerzen. Der Tanz der Schatten fühlt sich an, als wäre ich weniger allein. </p>



<p>Wenn ich besonders an meine Oma denke, zünde ich eine Bienenwachskerze an. Ihr Geruch bringt mich zurück in unsere Kartenspiel-Sonntage.<br>Ich mag besonders Dip-Dye-Kerzen – der Farbverlauf erinnert mich daran, dass Gefühle gleichzeitig existieren dürfen.</p>



<p>In jedem Land, das ich bereise, zünde ich auch eine Kerze in einer Kirche an. Nicht aus Glauben, sondern aus Respekt. Ohne meine Ahnen gäbe es mich nicht.</p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-e9e812553144c8725af5f374921e3c2c">Denn ein Trauerritual kann auch gleichzeitig zu einem Dankbarkeitsritual werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Weinen (oder auch nicht)</strong></h3>



<p>Weinen ist mein “Go-to”-Trauerritual, wenn es zu viel wird.<br>Ob versteckt hinter meiner Sonnenbrille, auf der Couch, am Boden liegend, im Bett – und dann: Salzwasser.<br>Die Schriftstellerin Karen Blixen sagte: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><br><em>„Die Lösung für alles ist Salzwasser. Schweiß, Tränen oder Meer.“<br></em></p>
</blockquote>



<p>Und ja, danach fühle ich mich ein bisschen freier. Manchmal nur ein Mü. </p>



<p><strong>Aber Weinen ist kein Muss.</strong><br><br>Als mir mein Rad geklaut wurde, habe ich erst eine Woche später geweint. Der Schmerz brauchte Zeit. Denn ja: </p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-ee52d640dce47830b7cc6ff10096a7f0">Trauern kann man nicht nur um Menschen, sondern auch um Gegenstände.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Spazierengehen</strong></h3>



<p>Wenn die Trauer laut wird, gehe ich in den Wald. Dem Wald ist es egal, wie ich aussehe, ob ich erfolgreich bin oder nicht, ob ich traurig oder wütend bin. Er ist einfach da. <br><br>Mein eigenes Tempo beim Gehen beruhigt mich.<br><br>Und Schritt für Schritt zu gehen, ist <strong>symbolisch für den Trauerprozess</strong>. Die Jahreszeiten erinnern mich daran, dass das Leben ein Kreislauf ist und dass der Tod ein Teil davon ist.</p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-0f7dfa1088924d179e6bfc123c76d4c3">Das Spazierengehen ist für mich ein Trauerritual, das mich aus dem Kopf in meinen Körper bringt, denn Trauer kann nicht “zerdacht” werden, sie möchte gefühlt werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zum Grab gehen</strong></h3>



<p>In unserer Gesellschaft ist das Trauerritual Nummer 1: Zum Grab gehen.&nbsp;Ich gehe selten zu dem Grab meiner Eltern, weil ich sie dort nicht spüre.<br><br>Sie leben in meinen Erinnerungen weiter, in meinen Geschichten. <br><br>Wenn ich hingehe, dann wie ein kurzer Anruf: vor einer Reise, oder zu Weihnachten.</p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-0b0f877f3b726fbfa381129937d33210">Was ich <strong><em>nicht</em></strong> empfehlen kann: obsessives zum Grab gehen.<br>Während meines Burnouts 2013 war ich jeden Tag dort – morgens und nachmittags.<br>Es war schmerzhaft, aber es hatte einen Sinn: Ich habe begonnen, mich mit meiner Trauer auseinanderzusetzen.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Einen Gegenstand bei sich tragen</strong></h3>



<p>Meine Mutter und Oma haben auf ihren Reisen immer Schmuckstücke mitgebracht. Viele lagen jahrzehntelang in einer Schublade. Einige habe ich später in Geldnot verkauft, um mir ein Ticket nach Bali zu kaufen. Ein paar Ringe und vor allem eine Kette meiner Mutter habe ich behalten.</p>



<p>Diese <strong>Kette</strong> trug ich auf all meine Reisen mit meiner Trauer. Zwei kleine Anhänger hängen an der Kette: das blaue Auge für Schutz und eine Perle von einem kleinen goldenen Kranz umrandet. Meine persönliche Bedeutung dahinter ist, dass meine Mutter immer ”ein Auge auf mich hat” und dass die Perle mein Steuerrad über mein Leben ist.&nbsp;</p>



<p>Von meinem Vater habe ich einen silbernen <strong>Christophorus-Schlüssel Anhänger</strong> geerbt. Fast hätte ich ihn verloren. Jetzt trage ich ihn zusammen mit einem neuen Anhänger.<br><br>Wenn der Schmerz groß ist, reibe ich über die raue Oberfläche.<br>Wenn er klein ist, bedanke ich mich.<br><br>Beides ist Kontakt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein alltägliches Ritual: Die Khaki-Schüssel</strong></h3>



<p>Mein Papa hatte im Herbst immer eine Schüssel mit Khakis auf der Anrichte.<br>Nichts Besonderes. Einfach nur Khakis. Aber sie lagenn da. Jedes Jahr. Immer zur selben Zeit.</p>



<p>Und dann – letzte Woche – stehe ich im Supermarkt …<br>… und sehe diese eine Frucht.</p>



<p>Und plötzlich war er wieder da.<br>Nur für einen Moment.<br>Und mir liefen die Tränen runter. Einfach so. Zwischen Joghurt und Zwiebeln.</p>



<p>Ich hab die Schüssel jetzt bei mir.<br>Und ich fülle sie mit Khakis.</p>



<p>Weil Trauer manchmal genau so aussieht:<br>still.<br>unauffällig.<br>aber lebendig.</p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-c84fb519c197ece3eebb409bd51487c5">Und wie du siehst, können auch neue Trauerrituale einfach so im Alltag entstehen. Denn Trauer hat keine Regeln und ist im ständigen Wandel.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Schreiben als Trauerritual</strong></h3>



<p>Während der Pandemie bin ich mit 40 zum ersten Mal in meine eigene Wohnung gezogen und habe „The Artist’s Way“ von Julia Cameron durchgearbeitet. Eine Übung daraus ist, jeden Tag zu schreiben. Am besten morgens. Alles, was in den Sinn kommt.</p>



<p>Ich habe damit angefangen — und bis heute nicht aufgehört.</p>



<p>Schreiben hilft mir, mich selbst zu reflektieren, Erlebtes festzuhalten und vor allem: das <strong>Unausgesprochene auszusprechen</strong>.<br><br>Gerade in meiner Trauer war das wichtig. Ich hatte ja 20 Jahre nichts gefühlt, nichts gesagt.<br>So viele offene Geschichten haben durchs Schreiben endlich einen Platz gefunden. Eine Form von closure. <br><br>Auch heute schreibe ich jeden Morgen.<br>Es ist wie ein täglicher Check-in mit einer besten Freundin, die nur zuhört.<br>Die Freundin ist das leere Papier.<br>Und der Stift bin ich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum Trauerrituale wirken <br>(mein persönliches Warum)</strong></h2>



<p>Trauerrituale sind für mich kein Werkzeug, das etwas repariert.<br><br>Sie sind eher:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>ein <strong>innerer Anker</strong>, wenn alles wackelt</li>



<li>ein <strong>Stück Kontrolle</strong>, wenn nichts kontrollierbar ist</li>



<li>eine kleine <strong>Brücke</strong>, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet</li>



<li>ein <strong>Ort für Gefühle</strong>, die sonst keinen Platz finden</li>
</ul>



<p>Sie verändern nicht die Trauer.<br><br>Aber sie verändern, <strong>wie</strong> sie in mein Leben passt. </p>



<p class="has-theme-palette-9-color has-theme-palette-4-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-abd429064dea5f91d1ec700ff6a7d51d">Trauer ist ein Marathon.<br>Rituale sind die kleinen Stationen unterwegs.</p>



<p>Ich danke DIR, dass du bis hierhin gelesen hast.<br>Vielleicht magst du auch deine persönlichen Trauerrituale in den Kommentaren mit mir teilen?&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/11/16/9-trauerrituale-die-mir-geholfen-haben-weiterzugehen/">9 Trauerrituale, die mir geholfen haben, weiterzugehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<title>Der erste Todestag</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/10/21/der-erste-todestag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 12:36:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie fühlt sich der erste Todestag wirklich an? Dieser Text zeigt, warum die Trauer oft schon am Tag davor beginnt und warum Gedenken kein äußeres Ritual ist, sondern ein innerer Prozess der Identität.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/10/21/der-erste-todestag/">Der erste Todestag</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der Tag davor – Warum der erste Todestag mehr auslöst als der eigentliche Tag des Abschieds<br><br>Der Tag&nbsp;<strong>davor</strong>&nbsp;ist immer schlimmer als der eigentliche Todestag.<br>Diesen Satz hatte ich mir mit Bleistift ganz oben in meinen Kalender geschrieben – für den Fall, dass ich es vergessen sollte.<br>Darunter, mit lila Filzstift:&nbsp;<em>Oktoberfest, 15 Uhr</em>.</p>



<p>Es ist die Uhrzeit, zu der ich in den&nbsp;<strong>Blumenweg</strong>&nbsp;einbiege – die Straße meiner Kindheit. Nur zehn Minuten von meiner heutigen Wohnung entfernt und doch eine ganz andere Welt. Eine Welt, die früher mein Leben war.</p>



<p>Schon aus der Ferne sehe ich das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Mein Blick wandert instinktiv zu den Vorhängen im Erdgeschoss – dem alten Schlafzimmer meines Vaters. Früher bewegten sie sich, wenn er mich kommen sah. Heute bleiben sie still. Die Stille schneidet mir die Luft ab.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mein Leben in drei Akten – und wie der Tod den Vorhang verschiebt</strong></h2>



<p>Dieses Haus ist kein Gebäude.<br>Es ist ein&nbsp;<strong>Seismograph meiner Trauer</strong>.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Akt 1: Die farbige Welt</strong></h3>



<p>Ich war Kind. Wir waren zu fünft: Mutter, Vater, drei Kinder – und oben im Dachgeschoss: meine Oma. Das Haus war erfüllt von Geborgenheit, Ritualen, Duft von frisch gebrühtem Kaffe und dem sicheren Gefühl:&nbsp;<em>Hier gehöre ich hin.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Akt 2: Der Boden beginnt zu beben</strong></h3>



<p>Ich bin 13. Meine Pubertät, meine erste große Liebe (Robbie!), mein Leben kreist um Freundinnen, Bravo-Stars, Schulhofdramen.<br>Währenddessen beginnt meine Mutter, aus dem Leben zu verschwinden – erst äusserlich, dann innerlich. Krankenwagen, Reha, Rückfälle. Der Seismograph schlägt aus.</p>



<p>Mit 16 reißt ein einziger Anruf alles auseinander.<br>Darmkrebs. Krankenhaus. Kruzifix über der Tür.<br><strong>Tod.</strong><br>Die Skala bricht. Mein inneres Messgerät ist kaputt. Die Welt verliert ihre Farbe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Akt 3: Flucht, Rückkehr, Zusammenbruch</strong></h3>



<p>Ich ziehe mit Anfang 20 aus – in der Hoffnung, mein Leben zu retten. Jahre später flüchte ich aus einer zerstörerischen Beziehung zurück in den Blumenweg. Erst in den Keller, dann ins Dachgeschoss meiner verstorbenen Oma. Zehn Jahre bleibe ich dort – zwischen Familie, Pandemie und der ständigen Erinnerung daran, dass meine Trauer nie verarbeitet wurde.</p>



<p>Ich werde krank. Burn-out. Depression. Panikattacken.<br>Das Haus, einst Heimat, wird zum&nbsp;<strong>Ort des inneren Erstickens</strong>.<br><br>Doch ich beginne die Trauer um meine Mutter aktiv zu integrieren: Therapie, Pferdearbeit, spirituelle Reisen, Schwimmen mit Walen in Sri Lanka, Delfinen in Ägypten. Ich finde langsam zu mir zurück. Der Seismograph wird ruhig.</p>



<p>Mit 40 ziehe ich endgültig aus. Meine erste eigene Wohnung.<br>Stille. Freiheit. Angst.<br>Aber auch: ein erster Atemzug.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Seismograph stabilisiert sich – bis zum ersten Todestag</strong></h2>



<p>Bis zu jener Nacht im Oktober 2024.<br>Ein random Montag. Herzstillstand. Mein Vater stirbt.<br>Mit ihm stirbt meine Kindheit – diesmal endgültig.</p>



<p><strong>Der erste Todestag meines Vaters</strong>&nbsp;ist mehr als ein Datum.<br>Er ist ein inneres Beben. Eine 7 auf der Richterskala.</p>



<p>Das erste Todesjahr stellt mich vor die Frage:&nbsp;<em>Wer bin ich ohne ihn? Was ist mir wirklich wichtig? Welche Werte trage ich – wenn kein Elternteil mehr über mir steht?</em><br><br>An diesem Nachmittag davor, geht mein Leben weiter. Mitten in der Freude meines Neffens beim Achterbahn fahren, Ochsensemmeln und Erinnerungen an ein Oktoberfest als mein Vater mich auf seinen Schulter trug und der Bedienung 50 Mark gab für einen Tisch in der Fischer Vroni. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der erste Todestag – der Versuch, ihn richtig zu begehen</strong></h2>



<p>Man soll sich einen Plan machen für den ersten Todestag, heißt es.&nbsp;<strong>Und sich erlauben davon abzuweichen</strong>. Also fasse ich am Vorabend den Plan, ins Museum zu fahren. 11:50 Uhr, Zug nach Murnau. Ein Plan, der mir Struktur geben soll. Ein Plan, von dem ich gleichzeitig weiß: Er ist nur ein Platzhalter für etwas, das sich nicht planen lässt.</p>



<p>Am Morgen fühle ich mich wie erschlagen. Nicht müde – sondern schwer. Ich zwinge mich aus dem Bett, mache meine Morgenroutine. Ich hatte mir versprochen, meinem Vater einen Brief zu schreiben, so wie ich es durch das gesamte Trauerjahr getan hatte. Also schreibe ich:&nbsp;<em>Lieber Papa…</em>&nbsp;Ich erzähle ihm, wie sehr meine kleine Irene ihn vermisst und dass die große Irene anfängt zu akzeptieren, dass unsere Zeit zusammen begrenzt war. Was er alles verpasst. Die Antwort bleibt aus – und genau dieses Schweigen tut weh.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trauer, die keinen Raum bekommt</strong></h3>



<p>Während ich noch schreibe und mir die Tränen über die Wange laufen, ruft meine Tante an.<br>„Na, wie geht’s dir?“<br>Ich will vom Brief erzählen, doch sie fällt mir ins Wort und erzählt von ihrer Kerze, ihrem Weinen, ihrem Ritual. Wieder dieses Gefühl, dass meine Trauer keinen eigenen Raum bekommt. Als ich auflege, sehe ich:&nbsp;<strong>Zug verpasst.</strong>&nbsp;Ich beschließe, mich nicht zu stressen. Heute zwinge ich mich zu nichts.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Erinnerungen, die schwerer wiegen als jeder Plan</strong></h3>



<p>Mein Magen knurrt. Trauer macht hungrig, denke ich, während ich in der Metzgerei stehe, umgeben von grauen Köpfen der Nachbarschaft. Was würde Papa jetzt bestellen? Leberkäs, separat eingepackt. Die eine bestimmte Semmel. Ich spüre ihn neben mir, sehe ihn vor mir – lebendig und gleichzeitig unerreichbar.</p>



<p>Ich fahre nach Starnberg. Setze mich an den See. Die Sonne scheint, als wüsste sie nichts von diesem Tag. Das Bild meiner Eltern bei ihrer Hochzeit taucht in mir auf: meine Mutter im grünen Samtkostüm, mein Vater im Siebzigerjahre-Anzug. Meine Kindheit. Ihre Liebe. Mein Herz trägt Wackersteine, zusammengeschichtet aus all dem, was war und nie wieder kommt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mein eigenes Gedenken</strong></h2>



<p>Ich sitze. Ich atme. Kein offizielles Ritual, keine spirituelle Eingebung. Nur ich und der See und die Erinnerung an ein Leben, das mich geprägt hat. Am Abend packe ich meinen Koffer für den Flug nach Korfu. Im Flugzeug nehme ich mir vor, nach meiner Rückkehr ans Grab zu gehen und meinem Vater einen Ouzo hinzustellen – in Erinnerung an all die Mahlzeiten, die uns verbunden haben.</p>



<p><strong>Vielleicht ist das mein Ritual. Kein Plan, den man abhakt. Sondern ein Moment echter Verbindung.</strong> In mir.</p>
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		<title>„Es ist Sommer!“ – rufe ich meiner Trauer zu.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Aug 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweigen.Decke über den Kopf.Ein stummes Umdrehen ist alles, was ich als Antwort bekomme. „Wir könnten an die Isar!Nein, besser: an den See!Einfach nur lesen.Nur in die Wolken schauen!“ Ein Schnauben unter der Bettdecke.Dann etwas, das klingt wie: „aschobdudakönntescht.“ Ich hole ein rotes T-Shirt aus dem Schrank, dazu eine kurze Hose. Verächtlich lasse ich meine geliebten...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>Schweigen.<br>Decke über den Kopf.<br>Ein stummes Umdrehen ist alles, was ich als Antwort bekomme.</p>



<p>„Wir könnten an die Isar!<br>Nein, besser: an den See!<br>Einfach nur lesen.<br>Nur in die Wolken schauen!“</p>



<p>Ein Schnauben unter der Bettdecke.<br>Dann etwas, das klingt wie: „aschobdudakönntescht.“</p>



<p>Ich hole ein rotes T-Shirt aus dem Schrank, dazu eine kurze Hose. Verächtlich lasse ich meine geliebten Sneakers in der Ecke stehen und krame in der blauen IKEA-Tüte, in der ich immer meine Sommersachen aus dem Keller hole, nach den Sandalen. Etwas abgetragen sehen sie aus. Ich schüttle sie – Sand rieselt auf meinen bunten Teppich.</p>



<p>„Ischnochauskorfu“, nuschelt meine Trauer und dreht sich auf den Rücken. Die Augen noch geschlossen, aber wie immer weiß sie genau, was gerade passiert. Sie hat mir mal erklärt, dass das ähnlich ist wie bei Delfinen – die schlafen mit einem offenen Ohr, immer bereit, ihre Umgebung abzuchecken.</p>



<p>Ein Kloß steckt mir im Hals, plötzlich. Meine Augen werden feucht. Ich blinzele ein paar Mal, bis ich wieder klar sehe, und lasse mich ans Fußende meines Betts fallen. Mit einem Mal fühle ich mich wieder so schwer wie damals auf Korfu – eine Woche nach dem Tod meines Vaters.</p>



<p>„Was soll ich jetzt mit meinem Urlaub machen?“ hatte ich meinen Bruder am Telefon gefragt.<br>Die Nachricht vom Tod meines Vaters hatte mich auf dem Weg zur Arbeit erwischt. Ich lag einfach vor der Eingangstür, als hätte mich jemand umgehauen.<br>„Du rufst jetzt in der Arbeit an und meldest dich krank. Und dann kommst du her, wenn du magst, verabschiedest dich von Papa – und dann schaust du weiter“, hatte mein Bruder gesagt.</p>



<p>Ich flog nach Korfu – blind, taub vor Schmerz. Meine Trauer hatte sich heimlich wieder in meinen Rucksack geschlichen und wog schwer, als hätte sie die ganze Bäckerei leer gefressen, bei der ich jeden Morgen mein Frühstück kaufte.<br>Das Schlimmste: Die Beerdigung stand mir noch bevor.<br>Und so schleppte ich mich in pinken Wandersandalen durch die Olivenhaine – zur besten Yogalehrerin der Welt.</p>



<p>„Nein!“ Hastig springe ich vom Bett auf. „Ich lasse mir von dir nicht auch noch den Sommer verderben!“<br>Ich stolpere – entweder über das Ende meines Teppichs oder über diesen Entschluss, der gerade laut ausgesprochen wurde und sich noch ganz schön wackelig anfühlt.</p>



<p>„Duweischt …“<br>Gar nichts weiß ich. Ich schließe die Tür hinter mir. Plötzlich bin ich sauer. Nein, falsch – ich bin stinksauer auf meine Trauer.</p>



<p>Ich zünde mir am offenen Küchenfenster eine Zigarette an und puste den Ärger in die warme Morgenluft. Mein Blick fällt auf die Kirchturmuhr.</p>



<p>Neun Monate ist Papa nun schon tot.<br>Und es tut immer noch weh. Immer wieder.<br>Die Uhr vor meinen Augen beginnt zu verschwimmen. Ich denke an das Gespräch mit meiner Tante – der Schwester meiner Mutter. Sie hatte mir versichert, dass meine Mutter früher ein Ehrenamt in der Bücherei meines alten Viertels hatte.<br>Ich habe keine einzige Erinnerung daran.<br>Der Kirchturm vor mir löst sich in ein Gemisch aus Beige, Grün und Braun auf.</p>



<p>„Verdammt!“<br>Die Zigarette hat mir die Finger verbrannt. Hastig drücke ich sie in das Altglas, das ich zum Aschenbecher umfunktioniert habe.</p>



<p>„Hey? Alles okay?“<br>Meine Trauer steht plötzlich in der Tür. Das Gewicht ihres Körpers trägt noch die Spuren meines Kissens. Meine rosa geblümte Bettdecke hat sie sich um die Schultern geworfen – sie schleift über den Boden. Ihre Haare stehen ab wie bei einem Igel. Ich muss mir ein Lächeln verkneifen.</p>



<p>„Du verdirbst mir nicht den Sommer!“<br>Mit dem Rücken zu ihr reiße ich die Kühlschranktür auf und kühle meine Tränen mit der Suche nach der Milch.</p>



<p>Ein leises Klicken – die Küchentür fällt zu.<br>Meine Trauer ist verschwunden.</p>



<p>Was ist jetzt los?<br>Meine Trauer hat sich noch nie einem verbalen Schlagabtausch entzogen.<br>Neugierig öffne ich die Tür, linse ins Schlafzimmer – leer.</p>



<p>Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ist sie etwa …?<br>Hat sie mich wieder?</p>



<p>Mein Blick fällt zur Eingangstür – nein, die Kette hängt noch genauso im Schloss wie gestern Abend.</p>



<p>Es rumpelt im Bad.<br>Meine Trauer kommt heraus, wirft mir einen kurzen Blick zu und schlurft Richtung Couch. Haare immer noch wie ein Igel, Bettdecke immer noch um die Schultern.<br>Hat sie eigentlich was drunter?<br>Brrr. Manche Dinge will man gar nicht so genau wissen. Ich schüttele mich.</p>



<p>Neugierig folge ich ihr ins Wohnzimmer.<br>Kein Kampf?<br>Keine morgendliche Schönheitsroutine?<br>Nur schlurfende Schritte?</p>



<p>Ganz ungewohnt für meine Trauer.</p>



<p>Ein leises Stöhnen.<br>„Trauer? Was ist los? Bist du krank?“</p>



<p>Besorgt lasse ich mich neben sie auf unseren Stammplatz plumpsen. Ich fasse ihr an die Stirn – sie dreht das Gesicht weg.<br>Ich muss sagen: Sie müffelt ein bisschen.</p>



<p>„Ich bin es so leid“, flüstert sie.<br>Dabei sieht sie mich nicht an, sondern starrt auf die Blätter meines Oleanders, die jede Woche aufs Parkett fallen, als wollte er sagen: Ich bin auch noch da.</p>



<p>„Was denn?“</p>



<p>„Schau, Irene. Ich bin vor drei Jahren bei dir eingezogen, weil ich dachte, du wärst bereit.“<br>Ein kurzer Blick von unten – dann wieder zu den Oleanderblättern.</p>



<p>Bereit … wofür?</p>



<p>„Für unsere Freundschaft.“<br>Sie spricht leise, kaum hörbar. Normalerweise klingt sie wie eine Nachrichtensprecherin.</p>



<p>„Bin ich doch!“<br>In dem Moment, in dem ich es laut ausspreche, spüre ich: Das ist nur die halbe Wahrheit.</p>



<p>„Bist du nicht.“<br>Sie seufzt. „Wir waren auf Bali, ich hab dich vor dem Suizid bewahrt. Wir waren mit Delfinen schwimmen … Ich war&nbsp;<strong>immer</strong>&nbsp;bei dir, für dich da.<br>Und ja, ja – ich weiß.“<br>Beschwichtigend hebt sie die Hände.<br>„Dir ist das Reisen nicht mehr so wichtig wie früher, als du es als Flucht vor mir benutzt hast. Und ja, ich weiß, dass du durch mich deine Gefühle entdeckt hast. Aber&nbsp;<em>eine</em>&nbsp;Sache hast du immer noch nicht verstanden.“</p>



<p>Jetzt wird es ernst. Ich spüre es.</p>



<p>„Ja? Was denn?“, frage ich ungeduldig.</p>



<p>„Ich werde dich bis zu deinem Lebensende begleiten.“<br>Sie sagt es ruhig. Klar. So wie immer.</p>



<p>„Auch wenn draußen die Sonne scheint. Wetter ist mir egal.“</p>



<p>„Ich hab aber keinen Bock auf diese Summertime Sadness.“<br>Ich verschränke die Arme.</p>



<p>„Bock oder nicht Bock.“<br>Sie zuckt mit den Schultern.<br>„Es ist, wie es ist.“</p>



<p>„Und was ist mit meinen ganzen Plänen? Isar? See?“<br>„Kannst du alles machen! Aber ich bin immer mit dabei.“</p>



<p>Ich rolle mit den Augen. Genervt.</p>



<p>„Ich verspreche dir, dass ich nicht jeden Tag so schweres Gepäck sein werde. Aber dabei bin ich.“</p>



<p>Jetzt verschränkt auch sie die Arme.</p>



<p>Ich atme tief ein. Durch die Nase. Und langsam wieder aus.<br>Irgendetwas in mir verschiebt sich. Die Blockade, die ich gegen meine Trauer errichtet hatte, beginnt sich zu lösen.<br>Ich fühle mich leichter.</p>



<p>„Bis zum Lebensende?“<br>Ich strecke ihr die Hand hin.<br>„Deal?“</p>



<p>„Deal.“</p>



<p>Wir schütteln uns die Hände.<br>Zum ersten Mal an diesem Morgen blickt meine Trauer mir in die Augen.<br>So klar wie ein Bergsee. Kein Argwohn. Kein Trotz. Nur Stille.</p>



<p>Ich glaube, ich kann meiner Trauer vertrauen.<br>So unsicher mein Leben sich auch anfühlen mag – eines ist sicher:</p>



<p><strong>Meine Trauer bleibt.</strong></p>



<p>Als mein Freund.<br>Unsere Verbindung wird sich verändern – mal wohnt sie neben mir auf der Couch, mal schläft sie in ihrem Mansardenzimmer an der Uni für Trauer – Handy lautlos, aber immer griffbereit.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>
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		<title>Ich hätte mir einen Hollywood-Abschied gewünscht</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/06/28/ich-haette-mir-einen-hollywood-abschied-gewuenscht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Jun 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Was hättest du dir für einen Abschied von deinem Papa gewünscht?“ Die mega liebe Trauerbegleiterin in der Online-Gruppe von @vergissmeinnicht sieht mich liebevoll lächelnd aus ihrer Zoom-Kachel an. Ich muss kurz innehalten, mich sammeln, nachdenken. Die Geschichten der anderen Frauen haben mich tief berührt – so einen ehrlichen, echten Austausch erlebe ich selten. Nach einem...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>„Was hättest du dir für einen Abschied von deinem Papa gewünscht?“</p>



<p>Die mega liebe Trauerbegleiterin in der Online-Gruppe von @vergissmeinnicht sieht mich liebevoll lächelnd aus ihrer Zoom-Kachel an.</p>



<p>Ich muss kurz innehalten, mich sammeln, nachdenken. Die Geschichten der anderen Frauen haben mich tief berührt – so einen ehrlichen, echten Austausch erlebe ich selten.</p>



<p>Nach einem tiefen Atemzug antworte ich lachend, weil die Antwort so typisch für mich ist – und weinend, weil sie so unrealistisch ist:<br><strong>„Ich hätte gerne einen Hollywood-Abschied von meinem Vater gehabt.“</strong></p>



<p>Überrascht fragt die Trauerbegleiterin nach:<br>„Was meinst du damit?“<br>Ich antworte:<br><strong>„Ich hätte gerne gewusst, dass es das letzte Mal ist, dass ich meinen Papa sehe. Ich hätte ihm gerne gesagt, dass ich ihn lieb habe – und dass er in meinen Augen als Vater vieles falsch gemacht hat. Ich hätte gerne weiße Tauben fliegen lassen. Ich hätte einfach noch einmal mit ihm gesprochen. Ihm meine Sicht auf seine Erziehung erzählt. Und ich hätte gerne von ihm gehört, dass er stolz auf mich ist.“</strong></p>



<p>Schnell schalte ich mich stumm, um mir – dank Sommergrippe ohnehin verstopft – die Nase zu putzen.</p>



<p>So viel wie in diesem Zoom-Call habe ich noch nie vor anderen geweint. Ich kann meine Trauer fühlen, wie sie mit mir am Tisch sitzt. Dieses Mal ist sie allerdings ganz still – und ich rede. Beziehungsweise: ich male.</p>



<p>Ein Kreis auf einem Blatt Papier, aufgeteilt in verschiedenfarbige Tortenstücke, zeigt mir den aktuellen Stand meiner Gefühle. Die Parallelitäten meiner Gefühlswelt so deutlich vor mir zu sehen, fühlt sich gut an. Klar. Wie eine Bestandsaufnahme. Ein kleines Foto meiner Innenwelt, das ich immer mit mir herumtrage – und nur selten jemandem zeige.</p>



<p>Die Wut ist groß – auf meinen Vater, weil so vieles zwischen uns ungesagt blieb.<br>Der Stolz ist da – dass meine Brüder und ich die Formalitäten rund um Papas Beerdigung gut und friedlich geregelt haben.<br>Erleichterung – weil uns Themen wie Pflegedienst und Altersheim erspart geblieben sind. Und weil Papa so gestorben ist, wie er es sich immer gewünscht hatte: in seinem Haus, in seinem Bett.<br>Der Schmerz, die Trauer – sie haben auch ihren Platz.<br>Und das Gefühl der Leere ist ebenfalls da.</p>



<p>Wenn ein Elternteil stirbt, ist das immer auch das Ende der eigenen Kindheit.<br>Diesen Satz notiere ich mir gleich zu Beginn des Calls.<br>Ich ergänze ihn: Auch eine mögliche Zukunft stirbt – und ein großer Teil meiner Vergangenheit, meiner Herkunft.</p>



<p><strong>Wer bin ich ohne meinen Vater?</strong><br><strong>Womit fülle ich die Leere, die in mir zurückbleibt?</strong><br><strong>Muss ich sie überhaupt füllen – oder darf sie einfach leer bleiben?</strong></p>



<p>Mit diesen Fragen im Kopf klappe ich den Laptop zu.<br>Zurück bleibt das Gefühl, dass ich – und meine Trauer – in dieser Gruppe gut aufgehoben sind.<br>Ein neues, schönes, tröstliches Gefühl.<br>Eines, das ich jahrzehntelang nicht kannte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kalo taxidi, Papa – ein Abschied in Samt und Tränen</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/06/14/kalo-taxidi-papa-ein-abschied-in-samt-und-traenen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Jun 2025 11:11:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Was soll ich bloß anziehen?“</p>
<p>Mein Leben steht skeptisch vor dem Kleiderschrank und mustert meine Kleidung.<br />
Es ist die erste Beerdigung meines Lebens.<br />
Die dritte von mir und meiner Trauer.</p>
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<p><strong>„Was soll ich bloß anziehen?“</strong></p>



<p>Mein Leben steht skeptisch vor dem Kleiderschrank und mustert meine Kleidung.<br>Es ist die erste Beerdigung meines Lebens.<br>Die dritte von mir und meiner Trauer.</p>



<p>„Etwas in gedeckten Tönen wäre heute angemessen“, murmle ich, während ich prüfend vor dem Spiegel stehe und an meinem neuen schwarzen Samtanzug zupfe.<br>Es war mir wichtig, heute Samt zu tragen. Das grüne Samtkostüm meiner Mutter, das sie an ihrem Hochzeitstag getragen hatte, hängt noch immer in meinem Schrank – so wollte ich sie bei mir haben.</p>



<p>„Du meinst doch nicht ernsthaft <em>schwarz</em>, oder?“<br>Entsetzt fährt das Leben mit der Hand vor einem schwarzen Leinenblazer zurück – einem schlichten Modell, das ich für die Arbeit gekauft habe.</p>



<p>„Was ist falsch an Schwarz?“<br>Meine Trauer tritt ins Schlafzimmer, lässt sich ohne Umschweife auf mein Bett fallen.<br>Sie ist bereits fertig. Ein maßgeschneiderter Anzug umhüllt ihre schlanke, hochgewachsene Figur.<br>In den Wochen seit dem Tod meines Vaters ist sie erneut gewachsen. <br>Beim Raumwechsel in meiner Wohnung muss sie sich nun unter Türrahmen ducken, und auf meiner Couch schlafen geht schon lange nicht mehr.<br>Ich habe ihr eine aufblasbare Matratze besorgt &#8211; in XXXL. Sie wohnt jetzt im Wohnzimmer.</p>



<p>„Schwarz ist doch keine Farbe!&nbsp;<em>Das</em>&nbsp;hier ist eine Farbe!“<br>Mein Leben zupft demonstrativ am Kragen ihres gelben T-Shirts.</p>



<p>„Unangebracht für heute“, kommentiert meine Trauer und beginnt, sich auf meinem Bett die Fingernägel zu feilen.<br>Irgh!</p>



<p>„Wie sehe ich aus?“, frage ich schließlich.</p>



<p>Die Augen meiner Trauer füllen sich mit Tränen.<br>„Wunderschön“, sagt sie leise. „Dein Vater wäre stolz auf dich.“</p>



<p>„Sehr traurig!“, ruft mein Leben und zieht einen dunkelblauen Pullover aus dem Schrank. Sie schlüpft hinein, als wolle sie sich gegen den Tag wappnen.</p>



<p>„Heute&nbsp;<em>ist</em>&nbsp;ein sehr trauriger Tag“, antworte ich.<br>Mein Herz füllt sich mit der Farbe des schwarzen Stoffs.</p>



<p>Am Ende dieses Tages hat niemand darauf geachtet, was ich getragen habe.<br>Es war eine schöne Beerdigung.<br>Alte Wegbegleiter meines Vaters waren gekommen, erzählten Geschichten über ihn. Ich kann mich an keine einzelne erinnern.</p>



<p>Ein griechischer Freund meines Vaters trat am Grab vor die versammelte Runde, verabschiedete sich mit einem einfachen Satz:<br><strong>„Kalo taxidi.“</strong><br>Gute Reise.</p>
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		<title>Ein Pfefferkorn Hoffnung am Muttertag</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/05/10/ein-pfefferkorn-hoffnung-am-muttertag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 May 2025 14:02:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute ist Muttertag. Ich stehe am Grab.In meiner Hand zittert ein kleiner, bunter Blumenstrauß. Zwischen lila Flieder und einer gelben Pelargonie lugen zaghaft blau-lila Vergissmeinnicht hervor. Es waren die Lieblingsblumen meiner Mutter. Ich stehe am Grab und trauere …… dass unsere gemeinsame Zeit zu kurz war.… dass ich sie nicht anrufen kann, wenn mir etwas...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/05/10/ein-pfefferkorn-hoffnung-am-muttertag/">Ein Pfefferkorn Hoffnung am Muttertag</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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<p><strong>Heute ist Muttertag.</strong></p>



<p>Ich stehe am Grab.<br>In meiner Hand zittert ein kleiner, bunter Blumenstrauß. Zwischen lila Flieder und einer gelben Pelargonie lugen zaghaft blau-lila Vergissmeinnicht hervor.</p>



<p>Es waren die Lieblingsblumen meiner Mutter.</p>



<p>Ich stehe am Grab und trauere …<br>… dass unsere gemeinsame Zeit zu kurz war.<br>… dass ich sie nicht anrufen kann, wenn mir etwas Gutes gelingt.<br>… dass bei meinem ersten Liebeskummer ihre Hand mir nicht tröstend über den Rücken gestrichen hat.<br>… um unsere Beziehung, die mit dem Krebs gestorben ist.<br>… um all die Mutter-Tochter-Gespräche, die ich nie mit ihr geführt habe.<br>… dass das Leben so unfair zu mir war.</p>



<p>Wie ein Film, den ich nicht vergessen kann, läuft in meinem Kopf wieder die Szene vom „Tag der weißen Tür“ ab:</p>



<p>Das Quietschen meiner roten Adidas-Sneaker auf dem braunen Linoleumboden.<br>Grüne Arztkittel und weiße Schwesterntrachten wehen an mir vorbei.<br>Ich sprinte hinter meinen Brüdern durch ein Krankenhaus.</p>



<p>Ein Labyrinth aus weißen Gängen führt zur Onkologie.<br>So viel Weiß um mich herum. Jede Tür: weiß. Jeder Gang: weiß.<br>Ich rieche den unverkennbaren Geruch von Desinfektionsmittel – und Angst.</p>



<p>Meine Brüder bleiben abrupt vor einer der weißen Türen stehen.<br>Sie öffnet sich.<br>Mein Vater zieht mich mit einem Ruck an den Händen ins Zimmer:<br>„Jetzt verabschiedet ihr euch.“</p>



<p><strong>V-E-R-A-B-S-C-H-I-E-D-E-N???</strong><br><strong>JETZT?</strong><br><strong>WARUM?</strong></p>



<p>Tür.<br>Zimmer.<br>Monitore.<br>Schläuche.<br>Bett.<br>Kissen.<br>Mama?<br>?</p>



<p>Der Krebs hatte gewonnen.</p>



<p>Ich stehe am Grab und trauere …<br>… um eine Version von mir und meinem Leben, die ich nie kennenlernen werde.</p>



<p>Der Tod meiner Mutter war das Ende ihres Lebens – und der Anfang einer verdammt ehrlichen Beziehung: zu mir selbst.</p>



<p>Zwanzig Jahre nach ihrem Tod fing ich an zu trauern – und wäre an meiner unverarbeiteten Trauer beinahe zerbrochen.<br>Ich musste feststellen: Es gibt keinen&nbsp;<em>How-to</em>-Trauerleitfaden.</p>



<p>Es gibt keinen schnellen Fix für einen lebenslangen Schmerz.</p>



<p><strong>Trauer ist die krasseste Art der Persönlichkeitsentwicklung.</strong></p>



<p>Ich stehe am Grab.<br>Am Muttertag.<br>Die Wahrheit ist:</p>



<p><strong>Der Tag ist Scheiße.</strong></p>



<p>Die Einladung zum geheimen Club der Töchter&nbsp;<em>mit</em>&nbsp;Müttern hat mich nie erreicht.<br>Ich fühle mich wie eine Outsiderin.</p>



<p>Das macht mich wütend.<br>Frustriert.<br>Und traurig.<br>Oh, soooo traurig.</p>



<p>Zwei Namen stehen auf dem rosa Grabstein:<br>Meine Mutter.<br>Und – seit letztem Jahr – mein Vater.</p>



<p>Das tut weh.</p>



<p>Der Schmerz, das Vermissen, das Unverständnis über diese – in meinen Augen – Ungerechtigkeit des Lebens sind meine alltäglichen Begleiter.</p>



<p>An diesem Tag ist alles grau.<br>Vielleicht fühle ich mich ja morgen wieder bunt.</p>



<p>Auf dem Rückweg sehe ich das Auto meiner Tante vor dem Friedhof stehen.<br>Also radle ich nochmal zurück ans Grab.</p>



<p>Meine Tante macht große Augen, als ich den Weg entlangkomme.<br>Wir umarmen uns, und über ihre Schulter sehe ich einen Stoffbeutel auf dem Gras liegen.<br>Daraus ist ein Pfefferstreuer gerollt.</p>



<p>„Wieso hast du Pfeffer dabei?“<br>„Für die Blumen. Damit das Reh sie nicht frisst.“</p>



<p>Ich muss grinsen.<br>Und plötzlich ist der Tag nicht mehr ganz so grau, wie ich dachte.</p>
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		<title>Perlen vor die Trauer – wie mich ein Armband-Workshop weichgekocht hat</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/04/13/perlen-vor-die-trauer-wie-mich-ein-armband-workshop-weichgekocht-hat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Apr 2025 10:55:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[liebezumschreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich hätte es selbst nicht gedacht – aber da saß ich also: In einem Trauer-Workshop. Und wir bastelten Perlenarmbänder. Für gewöhnlich mache ich meine Trauer lieber mit mir selbst aus. Oder mit einem Stift. Oder mit Tee auf der Couch. Aber diesmal war es anders. Ich hatte mich kurz vor der Beerdigung meines Vaters in...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ich hätte es selbst nicht gedacht – aber da saß ich also: In einem Trauer-Workshop. Und wir bastelten Perlenarmbänder.</p>



<p>Für gewöhnlich mache ich meine Trauer lieber mit mir selbst aus. Oder mit einem Stift. Oder mit Tee auf der Couch. Aber diesmal war es anders. Ich hatte mich kurz vor der Beerdigung meines Vaters in diesen Workshop eingebucht – vielleicht aus einer leisen Ahnung heraus, dass ich einen Raum brauche, in dem ich&nbsp;<em>nicht</em>&nbsp;funktioniere, sondern einfach nur&nbsp;<em>bin</em>.</p>



<p>Der Workshop fand in einem wunderschönen alten Haus mitten in München statt – dem Ruffinihaus, ein Ort voller Geschichte und Kreativität. Uli von&nbsp;@<em>livelifeloss</em>&nbsp;hatte ihr Büro für uns in eine kleine Werkstatt verwandelt. Es war still, schwer – aber nicht bedrückend. Eher voller Geschichten, die in der Luft schwebten, bereit, erzählt zu werden.</p>



<p>Ich nahm mir eine Walnuss. Weil mein Vater, ganz ehrlich, eine harte Nuss war. Unsere Beziehung reichte von kalt bis lauwarm, nie wirklich herzlich, oft kompliziert. Ich hielt die Nuss während der Vorstellungsrunde fest umklammert, obwohl ich sie eigentlich zu den anderen symbolischen Gegenständen legen sollte. Ich ließ sie erst am Ende los – ein kleines Sinnbild für meinen Trauerprozess.</p>



<p>Eine Woche zuvor hatte meine Therapeutin mich gefragt, ob ich mich schon angefangen hätte, von meinem Vater zu verabschieden. Ich verneinte – aber nicht, weil ich nicht wollte. Ich wusste einfach nicht wie.</p>



<p>Sie schlug vor, ich könne ein Ritual machen. Eine Kerze, ein Foto, ein Brief. Natürlich entschied ich mich fürs Schreiben. Und da begann es.<br>In meinen Briefen an ihn entstand langsam ein innerer Ort – eine graue Mondlandschaft, voller Krater, kalt und leer. Und doch… war da plötzlich etwas: Die Ahnung, dass dort all die Jahre Platz für Liebe gewesen wäre.</p>



<p>Ich schrieb weiter. Jeden Abend. Und dann, irgendwann, kam dieser eine Satz über meine Lippen:&nbsp;<em>&#8222;Ich hab dich lieb.&#8220;</em>&nbsp;Ich erschrak. Stand auf. Sagte laut:&nbsp;<em>&#8222;Wir sagen das nicht.&#8220;</em>&nbsp;Und weinte.</p>



<p>Aber etwas war passiert. Ein Riss in meiner eigenen harten Schale.<br>Jetzt, einige Zeit später, höre ich manchmal seine Stimme in meinem Kopf. Spüre seine Energie. Und auf meiner inneren Mondlandschaft sprießt vorsichtig erstes Gras.</p>



<p>Es gibt nach wie vor Tage, an denen ich ihn innerlich verfluche. Er war kein guter Vater, dafür ein verdammt guter Geschäftsmann. Aber ich merke: In der Trauer entsteht Platz für beides. Für die Wut. Für die Liebe. Und für all die ganz feinen Zwischentöne an Gefühlen.</p>



<p>Und manchmal reicht schon eine Walnuss, um damit anzufangen.</p>



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		<title>Der Traum vor der Beerdigung</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/03/28/der-traum-vor-der-beerdigung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Mar 2025 09:57:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[beerdiung]]></category>
		<category><![CDATA[abschied]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Nacht vor der Beerdigung meines Vaters habe ich folgendes geträumt: Ich trug meinen Neffen auf dem Arm. Er lag ganz leicht in meinen Armen, obwohl er schon sieben Jahre alt ist. Seine blonden Haare kitzelten mich am Hals.&#160; Ich ging mit ihm eine Treppe runter, fast als würden wir in ein altes Kino...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/03/28/der-traum-vor-der-beerdigung/">Der Traum vor der Beerdigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>In der Nacht vor der Beerdigung meines Vaters habe ich folgendes geträumt:</p>



<p>Ich trug meinen Neffen auf dem Arm. Er lag ganz leicht in meinen Armen, obwohl er schon sieben Jahre alt ist. Seine blonden Haare kitzelten mich am Hals.&nbsp;</p>



<p>Ich ging mit ihm eine Treppe runter, fast als würden wir in ein altes Kino gehen. Neben mir mein großer Bruder. Vor mir taucht eine Tür auf. Von links tritt ein großer, ganz in schwarz gehüllter Mann in mein Blickfeld.&nbsp;</p>



<p>„Ist das deiner?“ fragt er mich freundlich.&nbsp;</p>



<p>„Warum willst du das wissen?“ lacht mein Bruder ihn an und nimmt mir seinen Sohn aus den Armen.&nbsp;</p>



<p>Der Fremde lächelt mich freundlich an. Mein Blick fällt auf seinen Mantel, der sehr abgetragen aussieht und fast bis zum Boden reicht. Er trägt diese Handschuhe ohne Finger, deren Sinn ich noch nie verstanden habe. Seine Ohren sind von einem schwarzen Schal umwickelt, nur eine blonde Haarsträhne lugt darunter hervor. Er sieht extrem gut aus. Seine Nase erinnert mich an die von griechischen Statuen.&nbsp;</p>



<p>Seltsamerweise habe ich keine Angst. Im Gegenteil, der Fremde fühlt sich seltsam vertraut an. Normalerweise fühle ich zu anderen Menschen immer eine gewisse Art von Distanz, eine Mauer, aber bei ihm fühlt es sich so an, als gäbe es diese Mauer nicht.&nbsp;</p>



<p>In der nächsten Szene in meinem Traum sitzen wir an einem Tisch in einem Café. Zwei Tassen Tee dampfen vor uns. Eins dieser alten Handys liegt vor dem Fremden auf dem Tisch. Ich habe intuitiv verstanden, dass er obdachlos ist. Seine Art zu sprechen ist allerdings die eines gebildeten Mannes, sein Blick klar und auf mich gerichtet.&nbsp;</p>



<p>Ich möchte ihm ein Dach über dem Kopf anbieten. Möchte helfen und weiß doch, dass ich es nicht kann. Unser Gespräch dreht sich um die bevorstehende Beerdigung. Ich habe nicht mehr viel Zeit, bevor ich los muss.&nbsp;</p>



<p>Ich muss weiter. Muss meinen Vater verabschieden. Mein letzter Blick in diesen Traum fällt auf das alte Handy des Fremden. Ich möchte ihm meine Nummer geben, so dass wir uns wieder sehen können.&nbsp;</p>



<p>Im nächsten Moment wache ich auf. Es ist Zeit.&nbsp;</p>
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