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	<title>Allgemein-Archiv - Irene Kasapis</title>
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	<title>Allgemein-Archiv - Irene Kasapis</title>
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		<title>Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 11:17:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben mit Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer ABC]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich wollte nach Bali auswandern – und musste diesen Traum loslassen. Warum sich unerfüllte Träume wie Trauer anfühlen und was wirklich hilft, damit umzugehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/21/unerfuellte-traeume-loslassen-wie-ich-meinen-bali-traum-gehen-lassen-musste/">Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Du hast dir dein Leben anders vorgestellt. Vielleicht nicht nur ein bisschen anders – sondern komplett.</p>



<p>Ein anderes Land.<br>Ein anderes Gefühl.<br>Ein anderes Ich.</p>



<p>Ich war mir lange sicher, dass ich nach Bali auswandern würde.<br>Es war nicht einfach nur ein Traum – es war der Plan.</p>



<p>Und dann ist es nicht passiert.</p>



<p>Was mir niemand gesagt hat:<br>Dass sich so etwas nicht nur wie Enttäuschung anfühlt.<br>Sondern wie Trauer.</p>



<p>Wie der Verlust eines Lebens, das nie wirklich da war –<br>und trotzdem alles für dich bedeutet hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum sich unerfüllte Träume wie Trauer anfühlen</h2>



<p>Die meisten verbinden Trauer mit dem Verlust eines Menschen.<br>Aber es gibt auch eine andere Art von Verlust, über die kaum gesprochen wird:<br>den Verlust eines Lebens, das nie stattgefunden hat.</p>



<p>Ein Traum ist nicht nur eine Idee.<br>Er ist eine Richtung. Eine Hoffnung. Eine Version von dir selbst.</p>



<p>Wenn dieser Traum zerbricht, verlierst du nicht nur einen Plan.<br>Du verlierst oft auch ein Stück Identität.<br>Eine Vorstellung von Zukunft.<br>Und das Gefühl, dass irgendwann alles genau so wird, wie es für dich richtig wäre.</p>



<p>Genau deshalb kann es sich anfühlen wie Trauer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum dieser Verlust oft nicht ernst genommen wird</h2>



<p>Das Schwierige an unerfüllten Träumen ist: Viele Menschen verstehen diesen Schmerz nicht.</p>



<p>Von außen wirkt es oft wie „nur ein Wunsch“ oder „nur ein Plan“.<br>Aber für die Person, die diesen Traum getragen hat, war es viel mehr als das.</p>



<p>Es war ein inneres Zuhause.<br>Eine Hoffnung.<br>Vielleicht sogar die Vorstellung eines Lebens, das sich endlich leichter und richtiger anfühlen sollte.</p>



<p>Wenn so etwas wegbricht, tut das weh.<br>Auch wenn es von außen nicht immer nachvollzogen wird.</p>



<p>Genau deshalb fühlen sich Sätze wie „Dann mach halt etwas anderes“ oft nicht hilfreich an, sondern leer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mein Bali-Traum – und was sein Verlust in mir ausgelöst hat</h2>



<p>Ich war mir lange sicher, dass ich nach Bali auswandern würde.</p>



<p>Nach meinem ersten Urlaub dort – ich war Anfang 30, frisch raus aus <a href="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/" type="link" id="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/">einer toxischen Beziehung</a> –<br>hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, wirklich frei zu sein.</p>



<p>Bali hat mich verzaubert.<br>Das Lächeln der Menschen.<br>Die fremde Kultur, die sich gleichzeitig so verführerisch angefühlt hat.<br>Der Duft von Räucherstäbchen in der Luft.<br>Diese warme, schwere Tropenluft, die alles langsamer gemacht hat.</p>



<p>Und da war dieses Bild von mir:<br>ein anderes Leben.<br>Leichter. Freier. Mehr ich.</p>



<p>Ich habe dort auch jemanden kennengelernt.<br>Eine neue Liebe. Sein lifestyle hätte exakt zu diesem neuen, besseren Leben gepasst.<br>Und auch sie ist wieder zerbrochen.</p>



<p>Trotzdem hat mich dieser Ort nicht mehr losgelassen.</p>



<p>Zehn Jahre lang habe ich nach einem Weg gesucht,<br>wie ich mir dieses Leben aufbauen kann.</p>



<p>Und dann war ich plötzlich ganz nah dran.</p>



<p>Ein Job als General Manager in einem Yoga-Haus – für mich war das das Ticket.</p>



<p>Ich habe ein Teil vom Schmuck meiner verstorbenen Mutter verkauft, um mir das Ticket leisten zu können und habe sogar eine geplante Indienreise abgesagt, um nach Bali zu fliegen und mir alles vor Ort anzuschauen.</p>



<p>Ich wollte, dass es funktioniert.</p>



<p>Aber schon im Gespräch wurde klar: Das passt nicht.</p>



<p>Die Besitzerin hatte ein anderes Bild von der Person, die sie suchte.<br>Und ich habe gemerkt, dass ich versucht habe, jemand zu sein, der ich eigentlich gar nicht bin.</p>



<p>Ich bin zurück nach München geflogen. Mit diesem leisen Gefühl, dass es nichts wird.</p>



<p>Und ein paar Tage später kam die endgültige Absage.</p>



<p>Bali war für mich nie einfach nur ein Ort.<br>Es stand für Freiheit. Für Leichtigkeit.<br>Für ein Leben, das sich endlich richtig anfühlen sollte.</p>



<p>Vielleicht sogar für eine Version von mir, die ich unbedingt werden wollte.</p>



<p>Und genau deshalb hat es so wehgetan.</p>



<p>Weil ich in diesem Moment verstanden habe:<br>Ich bin nicht nur enttäuscht.</p>



<p>Ich trauere.</p>



<p>Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Dass du nicht nur etwas verlierst, das real war – sondern etwas, das in dir schon längst ein Zuhause hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was wirklich hilft, wenn ein Lebenstraum zerbricht</strong></h2>



<p>Was mir am meisten geholfen hat, war nicht, schnell eine Lösung zu finden.<br>Sondern aufzuhören, so zu tun, als wäre es „nicht so schlimm“.</p>



<p>Ich habe lange versucht, mir einzureden, dass es doch nur ein Ort ist.<br>Dass ich einfach einen neuen Plan machen kann.</p>



<p>Aber so hat es sich nicht angefühlt.</p>



<p>Es hat sich angefühlt wie ein Verlust.</p>



<p>Und erst als ich mir erlaubt habe, das genau so zu sehen, hat sich etwas verändert.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>1. Es Trauer nennen</strong></h3>



<p>Ich musste mir eingestehen: Ich bin nicht einfach nur enttäuscht.</p>



<p>Ich trauere.</p>



<p>Nicht um Bali als Ort – sondern um das Leben, das ich damit verbunden habe.</p>



<p>Allein das hat Druck rausgenommen. Weil ich nicht mehr versucht habe, „schnell darüber hinwegzukommen“.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>2. Aufhören, sofort einen neuen Plan zu brauchen</strong></h3>



<p>Dieses „Dann mach halt was anderes“ hat mich eher noch unruhiger gemacht.</p>



<p>Weil es so wirkt, als müsste sofort etwas Neues entstehen, damit das Alte nicht mehr weh tut.</p>



<p>Aber das stimmt nicht.</p>



<p>Manchmal gibt es einfach eine Phase dazwischen.<br>Ohne Plan. Ohne Richtung.</p>



<p>Und die darf da sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>3. Verstehen, dass Loslassen nicht Vergessen bedeutet</strong></h3>



<p>Ich hatte lange das Gefühl, ich müsste diesen Traum komplett hinter mir lassen, um weitermachen zu können.</p>



<p>Aber das hat sich falsch angefühlt.</p>



<p>Heute sehe ich das anders:</p>



<p>Dieser Traum war ein Teil von mir.<br>Und er darf ein Teil von mir bleiben.</p>



<p>Auch wenn ich ihn nicht gelebt habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>4. Mir selbst erlauben, dass es weh tun darf</strong></h3>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Nicht alles muss sofort Sinn ergeben.<br>Nicht alles passiert „aus einem Grund“, den ich direkt verstehen muss.</p>



<p>Manche Dinge tun einfach weh.</p>



<p>Und vielleicht geht es weniger darum, das schnell aufzulösen…</p>



<p>sondern eher darum, einen Weg zu finden, damit zu leben, ohne daran hart zu werden.</p>



<p>Vielleicht geht es also gar nicht darum, jeden Traum festzuhalten oder ihn perfekt loszulassen.</p>



<p>Vielleicht geht es darum, ehrlich anzuerkennen, was er für dich bedeutet hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn sich das Leben anders entwickelt als geplant</strong></h2>



<p>Heute kann ich sagen, dass ich dankbar bin, dass es damals nicht geklappt hat.</p>



<p>Nicht, weil es „so sein sollte“.<br>Und auch nicht, weil es nicht wehgetan hat.</p>



<p>Sondern weil ich mit etwas Abstand sehen kann, dass dieser Weg einfach nicht meiner war.</p>



<p>Mein Leben sieht heute anders aus, als ich es mir damals vorgestellt habe.</p>



<p>Und lange Zeit hätte ich genau das als Scheitern gesehen.</p>



<p>Heute sehe ich es anders.</p>



<p>Veränderung gehört zum Leben dazu.<br>Nicht nur im Außen – sondern vor allem im Innen.</p>



<p>Manche Träume begleiten uns eine Zeit lang, weil sie uns in eine bestimmte Richtung ziehen.</p>



<p>Und irgendwann verändern wir uns.<br>Oder das Leben verändert uns.</p>



<p>Und plötzlich passt dieser Traum nicht mehr – auch wenn wir ihn einmal unbedingt wollten.</p>



<p>Das macht ihn nicht weniger wichtig.</p>



<p>Aber vielleicht bedeutet Loslassen manchmal nicht,<br>dass etwas falsch war.</p>



<p>Sondern dass sich etwas weiterentwickelt hat.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Und vielleicht ist genau das auch ein Teil von Trauer:<br>nicht nur Abschied zu nehmen,<br>sondern anzuerkennen, wer man auf dem Weg geworden ist.</p>
</blockquote>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/04/21/unerfuellte-traeume-loslassen-wie-ich-meinen-bali-traum-gehen-lassen-musste/">Unerfüllte Träume loslassen: Wie ich meinen Bali-Traum gehen lassen musste</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<item>
		<title>Warum ich 13 Jahre in einer toxischen Beziehung geblieben bin</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Feb 2026 13:29:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Toxische Beziehung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Triggerhinweis: Dieser Text enthält Schilderungen von psychischer und körperlicher Gewalt in einer Beziehung. Der Blogartikel erzählt von einer toxischen Beziehung und davon, warum Verstehen oft erst im Rückblick möglich ist. Er ist ein persönlicher Text über Schweigen, Verwirrung und den langen Weg zurück zu sich selbst – und ein Auszug aus meinem Buch. Toxische Beziehung verarbeiten...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/">Warum ich 13 Jahre in einer toxischen Beziehung geblieben bin</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Triggerhinweis:</strong> Dieser Text enthält Schilderungen von psychischer und körperlicher Gewalt in einer Beziehung.</p>



<p>Der Blogartikel erzählt von einer toxischen Beziehung und davon, warum Verstehen oft erst im Rückblick möglich ist. Er ist ein persönlicher Text über Schweigen, Verwirrung und den langen Weg zurück zu sich selbst – und ein Auszug aus meinem Buch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Toxische Beziehung verarbeiten beginnt oft mit einem Satz, den man nie gesagt hat</h2>



<p>Ich habe, während ich in der Beziehung war, dreizehn Jahre lang niemandem erzählt, wie es wirklich war.<br>Nicht, weil es nichts zu erzählen gegeben hätte – sondern weil ich selbst nicht wusste, <strong>wie man eine toxische Beziehung verarbeitet</strong>, während man noch mitten in ihr steckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Ritter mit dem Cabrio</h2>



<p>„Ich studiere Jura“, schrie er über eine Bierbank. So begann es. Oktoberfest. 1997. <br>Zehntausend Menschen. Ich war siebzehn. Meine Mutter ein Jahr zuvor gestorben.<br>Er war groß, älter und souverän. Ein Mann, der wusste, wie das Leben geht – dachte ich.<br>In Wahrheit arbeitete er in einem Callcenter. Aber damals gab es kein Google und kein Social Media. <br>Und selbst wenn: Ich hätte nicht gesucht.</p>



<p>Toxische Beziehungen beginnen selten mit Gewalt.<br>Sie beginnen mit&nbsp;<strong>Verheißung</strong>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Liebe sich anfühlt wie Arbeit</h2>



<p>Nach zwei Jahren kam der erste Betrug. Mit meiner besten Freundin.<br>Ich erinnere mich weniger an den Schmerz als an die Verwirrung.<br>An das Gefühl, plötzlich in einer Geschichte zu stehen, deren Regeln ich nicht verstand.</p>



<p>Er leugnete. Er beschuldigte andere. Er schrieb an mich Liebesbriefe.<br>Und irgendwann stand er in dem Laden in dem ich jobbte, legte mir eine türkisfarbene Schachtel auf den Tresen.<br>Sieben kleine Diamanten. Ein Monatsgehalt. Eine Entschuldigung, die glänzte.</p>



<p>Ich nahm den Ring.<br>Ich blieb.<br>Ich schwieg.</p>



<p>Heute weiß ich:&nbsp;<strong>Love Bombing</strong>&nbsp;fühlt sich am Anfang an wie Rettung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenziehen heißt nicht ankommen</h2>



<p>Nach sieben Jahren zogen wir zusammen. <br>Mein Bauch schrie Nein. Ich verstand nicht wieso, das ist doch &#8222;der nächste logische Schritt&#8220;.<br>Also passte ich mich an, wurde leiser, kleiner, praktischer.</p>



<p>Wenn man eine toxische Beziehung verarbeitet, erkennt man oft erst im Rückblick, wie sehr man sich selbst verlassen hat, lange bevor man den anderen verlässt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angst ist kein Beziehungsproblem. Sie ist ein Alarmsystem.</h2>



<p>Es gab Nächte, in denen ich Angst hatte.<br>Vor seiner Wut. Vor seinem Schweigen. Vor dem nächsten Vorwurf.</p>



<p>Es gab eine Nacht, in der ich wach wurde, weil er über mir kniete.<br>Und eine andere, in der er mich würgte, während ich dachte, ich müsse trotzdem pünktlich zur Arbeit.</p>



<p>Das sind keine Missverständnisse.<br>Das ist Gewalt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ich blieb</h2>



<p>Diese Frage kommt immer.<br>Und sie ist falsch gestellt.</p>



<p>Ich blieb, weil ich früh gelernt hatte, alle meine Gefühle wegzupacken.<br>Weil ich Liebe mit Anstrengung verwechselte.<br>Weil ich dachte, Reagieren sei Handeln.<br>Und weil niemand mir beigebracht hatte, dass ich gehen darf.</p>



<p>Eine toxische Beziehung zu verarbeiten heißt nicht, sich schuldig zu sprechen.<br>Es heißt,&nbsp;<strong>Zusammenhänge zu verstehen</strong>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="483" height="1024" src="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten-483x1024.png" alt="" class="wp-image-2142" srcset="https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten-483x1024.png 483w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten-141x300.png 141w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten-768x1629.png 768w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten-724x1536.png 724w, https://irenekasapis.de/wp-content/uploads/2026/02/Toxische-Beziehung-verarbeiten.png 943w" sizes="(max-width: 483px) 100vw, 483px" /></figure>



<p>Ich hatte keine Worte dafür.<br>Also blieb nur das Gefühl:&nbsp;<em>Mit <strong>mir</strong> stimmt etwas nicht.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ich heute darüber schreibe</h2>



<p>Nicht aus Rache.<br>Nicht aus Nabelschau.</p>



<p>Sondern weil Schweigen immer den Falschen schützt.</p>



<p>Wenn du gerade versuchst, eine toxische Beziehung zu verarbeiten, dann vielleicht nicht durch Lösungen – sondern durch Wiedererkennen.<br>Durch meine Geschichte, die sich &#8211; in Teilen &#8211; anfühlt wie:&nbsp;<em>Das kenne ich.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn du gerade Hilfe brauchst</h2>



<p>Wenn du dich in einer akuten Gefahrensituation befindest oder Angst um deine Sicherheit hast:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Deutschland</strong>
<ul class="wp-block-list">
<li>Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen:&nbsp;<strong>08000 116 016</strong>&nbsp;(24/7, anonym)</li>



<li>Notruf:&nbsp;<strong>112</strong></li>
</ul>
</li>



<li><strong>Österreich</strong>
<ul class="wp-block-list">
<li>Frauenhelpline:&nbsp;<strong>0800 222 555</strong></li>
</ul>
</li>



<li><strong>Schweiz</strong>
<ul class="wp-block-list">
<li>Opferhilfe:&nbsp;<strong>0800 554 453</strong></li>
</ul>
</li>
</ul>



<p>Bitte sprich mit jemandem. Du musst da nicht alleine durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ich gegangen bin</h2>



<p>Ich bin nicht gegangen, weil ich plötzlich stark war.<br>Ich bin gegangen, weil mein Körper schneller verstanden hat als mein Kopf.<br>Weil Angst irgendwann nicht mehr nur ein Gefühl war, sondern ein Zustand.<br>Weil es einen Morgen gab, an dem ich vor der Wohnungstür stand und wusste: Wenn ich heute bleibe, verliere ich mich endgültig. Nicht meine Würde, nicht meine Hoffnung – sondern mein Leben.<br>Es war kein großer Befreiungsmoment. Kein Triumph.<br>Es war ein stilles, klares Wissen:&nbsp;<em>Das hier ist kein Ort mehr, an dem ich überleben kann</em>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zum Schluss</h2>



<p>Eine toxische Beziehung zu verarbeiten ist kein linearer Prozess.<br>Es ist ein Weg zurück zu dir.<br>Langsam. Unordentlich. Wahr.</p>



<p>Ich schreibe darüber, weil ich zu lange geschwiegen habe.<br>Und weil es diese Männer noch gibt.<br>Aber auch diese Frauen, die irgendwann gehen.<br><br>Wie mich. Wie dich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2026/02/06/warum-ich-13-jahre-in-einer-toxischen-beziehung-geblieben-bin/">Warum ich 13 Jahre in einer toxischen Beziehung geblieben bin</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Happy Birthday Mama – 30 Jahre ohne dich</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/09/06/happy-birthday-mama-30-jahre-ohne-dich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Sep 2025 11:26:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>30 Jahre ohne meine Mutter: Zum Geburtstag schreibe ich über Trauer, Erinnerung, Verlust und das Weiterleben mit einem Stern am Himmel.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/09/06/happy-birthday-mama-30-jahre-ohne-dich/">Happy Birthday Mama – 30 Jahre ohne dich</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading"></h3>



<p>30 Jahre lebe ich nun ohne dich.<br>30 Jahre, in denen du mein ganzes Leben verpasst hast – jedes Hoch, jedes Tief und alles dazwischen.</p>



<p>Das Einzige, was mir von dir geblieben ist, ist deine Kette. Du hast sie damals von einem unserer vielen Griechenland-Urlaube mitgebracht – zumindest bilde ich mir das ein. Erinnern kann ich mich nicht, dass du mir die Geschichte dazu jemals erzählt hast.</p>



<p><strong>Geschichten erzählen – das konntest du.</strong><br>Eine Erinnerung an dich werde ich niemals vergessen: du, an meinem Kinderbett sitzend, mit einem Buch auf dem Schoß. Deine Stimme, die mir vorliest. Als du das Licht ausmachtest und die Tür hinter dir leise schlossest, leuchteten die Klebesterne an meiner Wand. Und ich hörte weiter meine Lieblingskassette, während in meinen Ohren noch dein „Nur noch eine!“ nachklang.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Geburtstag ohne dich</h3>



<p>Leuchtest du mir am Abend deines Geburtstags von einem Stern am Himmel den Weg nach Hause? Ich bin müde von meinem neuen Job, vom vielen Stehen, und kann kaum noch laufen. An diesem Abend kann ich nicht um dich trauern. Ich klammere mich an deine Kette und schlafe ein – und wache auf einem nassen Kopfkissen wieder auf. Ich muss wohl von dir geträumt haben.</p>



<p>Deine Kette habe ich auf all meinen Reisen bei mir getragen – auf Bali unter Palmen, als ich die Schönheit nicht fühlen konnte, mitten im Roten Meer, wo mich eine Panikattacke überrollte, während unter mir Delfine schwammen. Sie war mein Halt, wenn ich vor meiner Trauer fliehen wollte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Heilt Zeit wirklich alle Wunden?</h3>



<p>„Die Zeit heilt alle Wunden.“ sagt man.<br>Es stimmt – und es stimmt nicht.</p>



<p>Zeit braucht es, um zu begreifen, dass der geliebte Mensch nie wieder zurückkommt. Zeit braucht es, um mit diesem neuen Normal zu leben. Zeit braucht es, um zu verstehen, dass ein Verlust einen verändert – dass man plötzlich andere Menschen, Orte, Bücher oder auch Speisen nicht mehr mag.</p>



<p>Und gleichzeitig heilt die Wunde nie ganz. Es wird immer wieder schmerzen, dass du da oben – oder wo auch immer – Geburtstag feierst und ich hier unten bin.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Familienlegenden</h3>



<p>Vielleicht führt Papa dich heute zum Essen aus. So, wie wir früher als ganze Familie zusammen saßen, lachten und scherzten. „Hier sitzt man gut“ – ein Satz, den er einmal im Griechenlandurlaub sagte und der bis heute Familienlegende ist.</p>



<p>Happy Birthday, Mama!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/09/06/happy-birthday-mama-30-jahre-ohne-dich/">Happy Birthday Mama – 30 Jahre ohne dich</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie trauert man um etwas, das „eigentlich“ hätte weitergehen können?</title>
		<link>https://irenekasapis.de/2025/08/16/wie-trauert-man-um-etwas-das-eigentlich-haette-weitergehen-koennen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Aug 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich schlafe zurzeit nicht besonders gut. Gegen zwei Uhr nachts kriecht meine Trauer in mein Bett.Schwer sinkt die Matratze neben mir ein, noch schwerer legt sich ihr Arm über mich.Ich bekomme keine Luft. Oder ist es nur die Sommerhitze, die durchs Fenster weht und selbst nachts kaum abkühlt? Ist es wieder so weit? frage ich mich...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/08/16/wie-trauert-man-um-etwas-das-eigentlich-haette-weitergehen-koennen/">Wie trauert man um etwas, das „eigentlich“ hätte weitergehen können?</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ich schlafe zurzeit nicht besonders gut. Gegen zwei Uhr nachts kriecht meine Trauer in mein Bett.<br>Schwer sinkt die Matratze neben mir ein, noch schwerer legt sich ihr Arm über mich.<br>Ich bekomme keine Luft.</p>



<p>Oder ist es nur die Sommerhitze, die durchs Fenster weht und selbst nachts kaum abkühlt?</p>



<p><em>Ist es wieder so weit?</em> frage ich mich und zupfe den Bettbezug über meine Beine.<br>Meine Trauer – diese olle Diebin! – hat sich ihn einfach geklaut.</p>



<p><em>Ist sie es wirklich? Oder träume ich nur?</em><br>Oder lebe ich doch wieder mit Geistern zusammen?</p>



<p>„Das hatten wir doch alles schon!“, schreie ich sie – oder die Geister – innerlich an.</p>



<p>Neben mir seufzt es leise.</p>



<p>Wie immer will sie etwas von mir.<br>Sie möchte, dass ich ins fühlen komme.<br>Raus aus dem „Hätte ich doch…“ und „Was wäre, wenn ich doch noch…“</p>



<p>„Plopp.“<br>Jetzt schnarcht sie auch noch.</p>



<p>Ich ziehe die Decke endgültig zu mir.<br>Kühl gleitet sie über meine Brust.<br>Ein Hauch frischer Luft dringt von draußen herein.</p>



<p>Ich weiß längst, warum sie wieder hier ist.</p>



<p>Ich habe eine Verbindung beendet, die nicht gut für mich war.<br>Normalerweise werde&nbsp;<em>ich</em>&nbsp;verlassen – diesmal habe&nbsp;<em>ich</em>&nbsp;mich ent-lassen.</p>



<p>Da knallt meine Schlafzimmertür gegen den Kleiderschrank.<br>Auftritt: mein Leben.<br>Dezent wie immer.</p>



<p>Im gelblichen Licht, das von der Straßenlaterne durch die Jalousie fällt, erkenne ich das bunte Batikshirt meines Lebens.<br>Ohne Brille und mit meiner Kurzsichtigkeit verschwimmen die Farben noch mehr.<br>Mein Leben hat seine Konturen verloren.</p>



<p>Ich trauere um eine feste Struktur.<br>Ich trauere um Verbindungen, die vielleicht zu Freundschaften geworden wären.<br>Ich trauere um einen Ort, an dem ich jeden Morgen erscheinen musste.<br>Ich trauere um einen Ort, weit weg von meiner Trauer – einen Ort, an dem ich eine andere Version von mir sein konnte:<br>Jemand, der sich klein macht.<br>Jemand, der sich anpasst, bis er nicht mehr&nbsp;<em>ich</em>&nbsp;ist.<br>Jemand, der sich übermäßig sorgt um den Fortbestand einer Verbindung.<br>Jemand, der nicht mehr den Mund halten konnte.<br>Jemand, der Verbesserungsvorschläge machte, um Unrecht geradezubiegen.</p>



<p>Ich seufze und drehe mich um.<br>Nase an Nase liege ich nun mit meiner Trauer.<br>Ein leichter Geruch nach Mottenkugeln steigt mir in die Nase.&nbsp;<em>Igh!</em><br>Doch ich wende mich nicht ab.</p>



<p>Der Geruch erinnert mich an all die alten Beziehungsmuster, die ich aus dem Keller meiner Seele hervorgeholt – und gelebt – habe.</p>



<p>Es raschelt neben mir.<br>Hat mein Leben sich gerade auf die letzte, leere Taschentücherpackung gesetzt, die von meiner Sommergrippe übrig ist?</p>



<p>Ich öffne ein Auge.</p>



<p>„Jetzt, wo ich deine Aufmerksamkeit habe…“, sagt mein Leben sanft und nimmt meine Hand.<br>„Hey Irene – du bist keine 16 mehr.“<br>Es drückt meine Hand ein wenig fester.<br>„Lass mich mal machen.“</p>



<p>Ein kühler Windhauch weht ins Zimmer.<br><br>Vielleicht ist es die Leichtigkeit, die sich in den Monolog meines Lebens schleicht.</p>



<p>Endlich, endlich schlafe ich ein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://irenekasapis.de/2025/08/16/wie-trauert-man-um-etwas-das-eigentlich-haette-weitergehen-koennen/">Wie trauert man um etwas, das „eigentlich“ hätte weitergehen können?</a> erschien zuerst auf <a href="https://irenekasapis.de">Irene Kasapis</a>.</p>
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		<title>33 Knoten – oder meine Nahtoderfahrung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irene Kasapis]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jul 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Hier ist es&#160;sehr, sehr&#160;stürmisch“, sagt die Yogalehrerin in ihrer Instagram-Story. Ihre Matte fliegt über den Balkon, gefolgt von Malsachen und Klamotten. Ein Tag vor meinem Abflug nach Ikaria, einer kleinen griechischen Insel, bekannt geworden durch die Netflix-Serie&#160;„Die Geheimnisse der Blauen Zonen“. Ein dunkles Ziehen breitet sich in meinem Bauch aus. Die Fluggesellschaften werden schon wissen, was...</p>
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<p>„Hier ist es&nbsp;<em>sehr, sehr</em>&nbsp;stürmisch“, sagt die Yogalehrerin in ihrer Instagram-Story. Ihre Matte fliegt über den Balkon, gefolgt von Malsachen und Klamotten. Ein Tag vor meinem Abflug nach Ikaria, einer kleinen griechischen Insel, bekannt geworden durch die Netflix-Serie&nbsp;<em>„Die Geheimnisse der Blauen Zonen“</em>.</p>



<p>Ein dunkles Ziehen breitet sich in meinem Bauch aus. <em>Die Fluggesellschaften werden schon wissen, was sie tun – oder?</em> Wenn sie den Flug canceln, nehme ich eben den nächsten. Alles halb so wild, beruhige ich mich.</p>



<p>Also los: Flug München – Athen. Alles verläuft reibungslos. Rot-gelber Sahara-Staub hängt über der Stadt, die Luft ist schwer, die Stimmung unheilvoll. Der Flughafen in Athen ist ein eigener Kosmos – erinnert mich fast an Dubai. Hier treffen alle Schichten aufeinander. Ein Pope (so nennt man die griechischen Priester) verlässt die Business Lounge – neben der ich verschwitzt, müde und hungrig an einer Flughafen Steckdose mein Handy auflade. Dass ich selbst Zugang zur Lounge gehabt hätte, fällt mir erst später ein.</p>



<p>Mein Flug nach Ikaria wird aufgerufen. Ich gehe langsam zum Gate. Dann: warten. Rauchen. Toilette. Wieder warten. Mein kleines Ritual gegen mein „Flugängstchen“, wie ich sie nenne.</p>



<p>Endlich fährt der Bus zum Flieger. Oder doch nicht? Warten. Diesmal im Bus. In der Yoga-WhatsApp-Gruppe trudeln Nachrichten ein: Gepäck wird nicht durchgecheckt, Flüge verspätet. Ich gehe in den Flugmodus.</p>



<p>Als der Bus vor dem Flieger stoppt, wird mir übel. Eine kleine Propellermaschine, etwa 80 Sitze. Enge. Keine Luft. Mir wird noch schlechter. Ich quetsche mich mit meinem Koffer durch den Gang, lasse mich in meinen Platz fallen. Erleichtert. Noch.</p>



<p>Beim Start scheint alles normal. Ich setze meine Kopfhörer auf, <em>„Calming music for anxiety“</em>. Ich bin eine nervöse Fliegerin. Ich versuche, das Ruckeln zu ignorieren, die Anschnallzeichen, die Durchsagen, die ich sowieso nicht verstehe. Ich konzentriere mich auf meinen Atem. Und dann beginnt es.</p>



<p>Ein erstes Luftloch – ich hüpfe aus dem Sitz. Dann noch eins. Und noch eins. Der Flieger schwankt von links nach rechts. Es fühlt sich so an, als würden wir gegen eine Wand fliegen. Ich kralle mich am Vordersitz fest. Muss an Harry Styles denken. Wechsle zu meinem Lieblingsalbum von ihm.</p>



<p>Als ich aufs Handy schaue, fällt mein Blick aufs Meer unter uns. Tiefblau. Beton. Kein liebliches Griechenland-Meer.</p>



<p>In mir ein klarer Gedanke:<br><strong>Das war’s jetzt. Ich werde hier und jetzt sterben.</strong></p>



<p>Ein Friede durchströmt mich, wie ich ihn noch nie gespürt habe. Kein Film meines Lebens. Den hatte ich schon – beim Ausräumen der Wohnung meines verstorbenen Vaters, als meine Kindheit an mir vorbeizog.</p>



<p>Jetzt ist da etwas anderes: Wärme. Etwas wartet auf mich. Als würde ich zurückkehren in einen Mutterschoß. Golden. So übersetzt es mein Gehirn.</p>



<p><em>Vielleicht sind wir schon kurz vor Ikaria</em>, denke ich. Ich habe manchmal diese Fähigkeit, Orte zu spüren, bevor ich sie sehe. In einem Bericht hatte ich gelesen, dass dort ein Matriarchat herrscht.&nbsp;<em>Also passt die Energie doch</em>, denke ich.</p>



<p>Die Knöchel meiner Hände sind weiß. Ich öffne die Augen.&nbsp;<em>Emergency Exit.</em>&nbsp;Mein Blick fällt auf die Flugbegleiterin – kreidebleich unter dem Make-up. Der Mann vor mir, eben noch cool mit dem Handy, wackelt nur noch mit dem Flieger mit. Irgendwo wird laut auf Griechisch gebetet.</p>



<p><strong>Hört das nie auf?</strong></p>



<p>Ich versuche, nicht in die Panik zu gehen. Wiederhole innerlich:&nbsp;<em>Vertrau auf den Piloten. Stavros, Nikos, Stefanos, Konstantinos – wie auch immer er heißt. Vertrau. Vertrau. Vertrau.</em></p>



<p>Dann beruhigt sich der Flieger. Die Crew serviert Saft und Kekse.&nbsp;<em>Ah</em>, denke ich,&nbsp;<em>jetzt sind wir gleich da.</em>&nbsp;Die Griechen fragen die Flugbegleiterin etwas. Sie antwortet nur:&nbsp;<em>„We are okay.“</em></p>



<p>Wir setzen zur Landung an. Ich atme auf. Endlich Ikaria.</p>



<p>Wir steigen aus. Ich bin mehr als benommen. Im Bus spricht mich ein Mann an:<br>„Wie geht’s Ihnen jetzt – zurück in Athen?“</p>



<p>„Athen?“, frage ich.<br>„Ja, wegen des Sturms sind wir umgekehrt. Haben Sie das nicht mitbekommen?“<br>„…Nein.“</p>



<p>Ich treffe die anderen Yoginis. Alle dachten, sie würden sterben. Gemeinsam stehen wir am SkyExpress-Schalter, warten fünf Stunden auf den Transfer ins Hotel – irgendwo in Athen. Um Mitternacht liege ich auf einer harten Matratze und denke:</p>



<p><strong>Das war nicht die Energie von Ikaria. Das war der Ort, an den wir gehen, wenn wir sterben.</strong><br>Ein goldener Ort. Warm. Voller Liebe.<br>Und plötzlich weiß ich:<br>Dort sind auch meine Eltern.<br><br>Später erfahre ich, dass der Sturm 33 Knoten stark war – das ist nicht einfach nur Wind. Das ist die Art von Sturm, bei der in Deutschland Bäume brechen, Dächer fliegen und niemand freiwillig in ein Flugzeug steigt.</p>
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