Tadasana mit Tomate (Teil 33)
Eigentlich wollte ich auf den Hollywood-Schaukeln sitzen. Die vorne an der Straße in Arillas die Besucher anlocken. Ich betrete den Laden und ein Angestellter, der Chef des Lokals – so genau weiß man das hier nie – meint ich könne vorne sitzen oder auch am Pool.
Am Pool?
Ich war schon in diesem Lokal. Nur vorne, bei den Schaukeln. Von einem Pool wusste ich nichts.
Ich gehe an den dunklen Toiletten vorbei, durch einen schmalen Gang – und trete in einen Traum von einer Poolanlage. Eine neue, weiß getünchte, sehr gepflegte Hotelanlage tut sich mir auf. Auf Sonnenliegen mit dicken roten Polstern sonnt sich ein älteres englisches Pärchen. Unter Palmen spielen Kinder. Die Speisekarte: Burger, klassisch Griechisches. Die Preise: hoch.
Ich bestelle den Burger und greife zur Saftkarte.
Tadasana: Tomate, Petersilie, Gurke, Zitrone, Kiwi – 8,80 Euro.
Savasana: Tomate, Basilikum, Zwiebel, Knoblauch, Sellerie – 8,80 Euro.
Ich senke die Karte.
Seufze.
Denke an meinen letzten Bali-Aufenthalt, wo die Eissorten „Pacha Mama“, „Kundalini Mango“ und „Third Eye Coconut“ hießen und man beim Bestellen kurz überlegte ob man damit eine Erleuchtung oder nur ein Eis bekommt.
Muss denn wirklich alles dem Kommerz unterworfen werden? muss ich denken. Kann man nicht einfach einen Saft einen Saft nennen? Muss Sellerie erleuchtet sein um 8,80 Euro zu kosten?
Ich esse meinen Burger. Bestelle einen Cheesecake.
Und bin damit natürlich selbst Teil der ganzen Maschinerie. Halte sie am Leben. Zahle die Rechnung.
Prost, Savasana.
