Wer langsam geht, kann besser schwätzen (Teil 14)

Der Gang der Griechen ist langsam.

Die Füße schleifen über den Boden, als wären sie fest mit ihrer Erde verbunden – als würden sie sagen: Hier gehöre ich hin. Hier bleibe ich. Kein Hetzen, kein Zielstrebigkeit, kein Münchner Gehweg-Überholen von rechts weil der andere zu langsam ist.

Ich erkläre mir diese Langsamkeit so: Wer langsam geht, kann besser schwätzen. Ein kurzes Hallo an die Nachbarin, ein kurzer Austausch über das Wetter – und schon wird weitergeschlurft. Die Langsamkeit ist kein Mangel an Energie. Sie ist Methode.

Es scheint als wäre der Aus-Knopf für Geschwindigkeit irgendwann im Sommer gedrückt worden – und dann einfach hängen geblieben. Das ganze Jahr.

Außer.

Außer ein Grieche will etwas von jemandem. Oder ist stinkig. Dann ersetzen wilde Gesten die Langsamkeit der Füße, und die Lautstärke der Wörter springt von Stufe drei auf Stufe zwölf – ohne Zwischenstufen, ohne Vorwarnung. Griechischen Gesprächen zuzuhören klingt manchmal so als würde gleich ein Krieg ausbrechen. Dabei geht es wahrscheinlich nur darum, wer die Rechnung bezahlt.

An. Aus. An. Aus.

Ich kenne diesen Schalter. Ich bin mit ihm aufgewachsen.

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